zur Navigation springen

Politik

11. Dezember 2016 | 01:28 Uhr

US-Wahlen 2016 : Überblick: Das haben Trump und Clinton im TV-Duell gesagt

vom

Clinton überzeugt inhaltlich, Trump wirkt „ziellos“. Erste Umfragen sehen Clinton mit 62 Prozent vorn.

Hempstead | Politprofi Hillary Clinton hat beim ersten TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten ihren Kontrahenten Donald Trump auf Distanz halten können. Nach einer teils hitzig geführten, mehr als 90 Minuten langen Debatte wirkte Clinton für die meisten Beobachter abgeklärter und inhaltlich besser vorbereitet.

Eine erste Blitzumfrage des Senders CNN sah Clinton mit 62 Prozent vorn, Trump sahen nur 27 Prozent der Befragten als Sieger.

Terror, Handel und Integration werden zu Streitthemen

Trump machte einen teils aggressiven und oftmals atemlosen Eindruck, als er die Fragen von Moderator Lester Holt beantwortete, öfter fiel er Clinton ins Wort. Clinton gab sich meist gelassen und versuchte, mit Argumenten zu überzeugen. Häufig reagierte Clinton auf Trumps Anwürfe belustigt.

Die Debatte in der Hofstra University in Hempstead (New York) wurde auf mehreren US-Fernsehsendern sowie via Twitter und YouTube weltweit als Livestream im Internet übertragen. Bis zu 100 Millionen Zuschauer wurden erwartet. Das Fernsehduell gilt als eines der größten politischen TV-Ereignisse der vergangenen Jahre. Umstritten ist, wie groß der Einfluss von TV-Debatten auf den Wahlausgang ist.

Innhaltlich gerieten beide unter anderem bei Themen wie dem Kampf gegen den internationalen Terror, beim Handel und bei der Integration der afroamerikanischen Minderheit aneinander.

Trump lobte sich in einem Teil der Debatte selbst. „Ich habe die deutlich bessere Urteilsfähigkeit als sie“, sagte er. „Sie sieht nicht wie eine Präsidentin aus, sie hat nicht die Ausdauer dazu.“ Die „Washington Post“ bezeichnete Trump, der vor der Debatte in den meisten Umfragen knapp hinter Clinton zurücklag, in Teilen als „ziellos“.

Trump: Deutschland soll für Schutz durch die USA zahlen

„Die ungleiche Behandlung von Schwarzen und Weißen ist nach Ansicht von Clinton nach wie vor eines der größten Probleme der USA. „Wir müssen das Vertrauen zwischen den Kommunen und der Polizei wiederherstellen“, sagte sie in der TV-Debatte. Jeder müsse sich an das Gesetz halten. „Wir müssen die Waffen aus den Händen derer wegnehmen, die sie nicht tragen sollten“, betonte sie. Donald Trump sagte, Amerika brauche mehr „law and order“, Recht und Ordnung. Clinton wolle diese Wörter nicht einmal benutzen.

<p>„Wir müssen die Luftangriffe auf den IS intensivieren“, sagt Hillary Clinton.</p>

„Wir müssen die Luftangriffe auf den IS intensivieren“, sagt Hillary Clinton.

Foto: dpa
 

Die frühere Außenministerin setzte sich für eine härtere Gangart im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein. „Wir müssen die Luftangriffe auf den IS intensivieren“, sagte sie. „Wir müssen auch Bagdadi jagen“, sagte sie über den Anführer der Terrormiliz, Abu Bakr al-Bagdadi. Trump warf der Administration von US-Präsident Barack Obama schwere Fehler vor und wiederholte seine Darstellung, die USA hätten die Ölquellen des Iraks besetzen müssen, um sie vor dem IS zu schützen.

Donald Trump will, dass Deutschland und Japan und andere Länder für den Schutz durch die USA zur Kasse gebeten werden. „Sie müssen bezahlen“, sagte der Präsidentschaftskandidat der Republikaner in der Nacht zum Dienstag in der ersten TV-Debatte mit seiner Konkurrentin Hillary Clinton. Das gelte auch für Saudi-Arabien. „Die größte Bedrohung der Welt ist die nukleare, nicht wie Du und Dein Präsident es sieht, der Klimawandel“, sagte Trump.

„Ich werde sicher nicht den nuklearen Erstschlag führen“

Trump widersprach der Darstellung Clintons, er werde als Sicherheitsrisiko angesehen und für nicht tauglich gehalten, die Rolle des Oberkommandierenden der US-Armee zu übernehmen. „Mehr als 200 Admirale und Generäle unterstützen mich“, sagte Trump. „Ich werde sicher nicht den nuklearen Erstschlag führen.“ Er behauptete erneut, er sei stets gegen den Einmarsch der USA in den Irak gewesen. Diese Behauptung ist mehrmals widerlegt worden.

<p>„Ich werde sicher nicht den nuklearen Erstschlag führen“, erklärte Donald Trump.</p>

„Ich werde sicher nicht den nuklearen Erstschlag führen“, erklärte Donald Trump.

Foto: dpa
 

Der New Yorker Milliardär forderte Clinton hinsichtlich ihrer E-Mail-Affäre heraus. Er werde seine Steuerunterlagen veröffentlichen, sobald Clinton diejenigen 33.000 E-Mails publik mache, die sie als Außenministerin über einen privaten Server gesendet hat und die noch nicht von der US-Bundespolizei FBI aufgefunden werden konnten.

Traditionell veröffentlichen Präsidentschaftskandidaten in den USA ihre Steuererklärungen, um dem Wahlvolk einen Einblick in ihre Verdienst- und Vermögenssituation zu geben. Clinton hat dies ebenfalls getan. Trump weigert sich bisher beharrlich. „Irgendetwas versteckt er“, sagte Clinton.

Hinsichtlich ihrer E-Mails, die sie als Außenministerin unerlaubterweise von einem privaten Server versandt und empfangen hatte, erklärte Clinton: „Ich habe einen Fehler gemacht.“ Trump bezog hinsichtlich seiner umstrittenen Äußerung, US-Präsident Barack Obama sei möglicherweise nicht in den USA geboren, keine eindeutige Stellung. Im Wahlkampf hatte er die nicht haltbare Äußerung bereits zurückgenommen.

Beim Zankapfel „Internationaler Handel“ warf Trump Clinton mehrmals vor, ihre Ansicht zur Transpazifischen Handelspartnerschaft unter zwölf Pazifikanrainern mehrmals geändert zu haben. „Du hast gehört, was ich dazu gesagt habe und dann warst Du dagegen“, sagte Trump. Clinton widersprach dem. Trump trat zudem für eine Erleichterung des Regelwerks für die Gründung neuer Unternehmen ein. Die Schaffung von Arbeitsplätzen müsse erleichtert werden.

Die Zitate des TV-Duells im Überblick:

Hillary Clinton

Clinton über ihre E-Mail-Affäre:

„Ich habe einen Fehler gemacht, private Konten genutzt zu haben.“

Clinton über Trumps bislang unveröffentlichte Steuererklärung:

„Irgendetwas versteckt er.“

Clinton scherzhaft über die Vorwürfe von Trump:

„Am Ende des Abends werde ich für alles verantwortlich gemacht worden sein.“

Und weiter:

„Das ist nicht das richtige Naturell, um Commander-in-Chief (Oberkommandierender) zu sein. Ein Mann, der von einem Tweet provoziert wird, sollte nicht in der Nähe der nuklearen Codes sein.“

„Wir müssen unsere Luftschläge gegen den Islamischen Staat verstärken. (...) Ich denke, wir müssen Bagdadi fassen.“

„Wir müssen das Vertrauen zwischen den Kommunen und der Polizei wiederherstellen.“

„Wir müssen die Waffen aus den Händen derer wegnehmen, die sie nicht tragen sollten.“

„Wir brauchen eine Wirtschaft, die für alle funktioniert.“

„Donald, gut Dich hier zu haben.“

„Donald, ich weiß, du lebst in deiner eigenen Realität.“

„Ich glaube, Donald hat mich gerade dafür kritisiert, dass ich mich auf diese Debatte vorbereitet habe. Ja, ich habe mich vorbereitet. Und weißt Du, worauf ich noch vorbereitet bin? Ich bin darauf vorbereitet, Präsidentin zu sein.“

Donald Trump

Trumps Reaktion auf den Vorwurf Clintons, den Klimawandel abgestritten zu haben:

„Ich habe eine viel bessere Urteilsfähigkeit als sie. Ich habe auch ein viel besseres Naturell als sie. Mein größter Vorteil ist mein Temperament. Ich habe ein gewinnendes Naturell. Ich weiß zu gewinnen.“

„Ich werde meine Steuererklärung veröffentlichen. Meine Anwälte raten mir ab, aber ich werde sie freigeben.“

„Stimmt nicht.“

Trump über Clinton:

„Ich möchte, dass Du glücklich bist. Das ist sehr wichtig für mich.“ (Trump zu Clinton)

„Ich denke nicht, dass sie die Ausdauer dafür hat. (...) Sie mag erfahren sein, aber sie hat schlechte Erfahrung.“

Trump über Clintons Pläne, die Steuern zu reduzieren:

„Typisch Politiker. Nur reden, nicht handeln.“

Trump über Länder, die von den USA beschützt werden:

„Sie müssen bezahlen.“

Und weiter:

„Die größte Bedrohung der Welt ist die nukleare, nicht wie Du und Dein Präsident es sehen, der Klimawandel.“

„Ich war überall auf der Welt. Du hast entschieden, Zuhause zu bleiben. Und das ist okay.“

„Ich würde sicherlich nicht den nuklearen Erstschlag machen.“

„Wir müssen Recht und Ordnung zurückbringen. (...) Illegale Migranten haben Waffen, und sie erschießen Leute.“

„Ich habe den Krieg im Irak nicht unterstützt. Das ist Unsinn der Mainstream-Medien. Ich war gegen den Krieg.“

„Die afroamerikanische Gemeinschaft wurde von Politikern vergessen. Sie reden im Wahlkampf gut daher, und nach der Wahl sagen sie: See you later!“

Trump nach der Debatte auf CNN über Clinton:

„Sie sagt all die Dinge seit Jahren. Und nichts hat sich verändert.“

zur Startseite

von
erstellt am 27.Sep.2016 | 14:20 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen