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Politik

05. Dezember 2016 | 09:36 Uhr

Eklat um türkischstämmige Abgeordnete : Türkische Gemeinde nennt Bluttest-Äußerungen „abscheulich“

vom

Die Türkische Gemeinde in Deutschland hält die Armenien-Resolution zwar für ein falsches Signal. Der Verband stellt sich aber entschieden gegen die verbalen Angriffe des türkischen Präsidenten Erdogan.

Stuttgart/Istanbul | Die Türkische Gemeinde in Deutschland hat die Angriffe von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan auf türkischstämmige Abgeordnete im Bundestag in scharfer Form zurückgewiesen. „Morddrohungen und Bluttestforderungen finden wir abscheulich, sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Gökay Sofuoglu. „Ich denke, dass Leute nach Blut definiert werden, hat 1945 aufgehört. Das ist absolut deplatziert.“

Am Donnerstag hatte der Bundestag die Massaker an Armeniern während des Ersten Weltkrieges durch das Osmanische Reich als Völkermord verurteilt. Seitdem schießt Erdogan verbal gegen den Bundestag, Angela Merkel und besonders gegen Cem Özdemir. Erdogan verlangt einen Bluttest von türkischstämmigen Abgeordneten.

„Wir können unterschiedlicher Meinung sein“, sagte Sofuoglu. Aber Menschen könnten nicht in der Öffentlichkeit so bloßgestellt und Angriffen freigegeben werden. Die Lage sei aufgeheizt. Türkischstämmige Abgeordnete hätten Morddrohungen erhalten.

Nach der Völkermord-Resolution in Deutschland hatte Erdogan seine Angriffe auf türkischstämmige Abgeordnete im Bundestag verschärft. „Manche sagen, das seien Türken“, sagte er am Sonntag. „Was denn für Türken bitte?“ Erdogan sprach sich dafür aus, den Abgeordneten Blutproben entnehmen zu lassen.

Bereits am Samstag hatte Erdogan die türkischstämmigen Abgeordneten im Bundestag angegriffen. „Sie haben nichts mit Türkentum gemein. Ihr Blut ist schließlich verdorben.“ Er warf den Abgeordneten vor, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als verlängerter Arm in Deutschland zu dienen. „Es ist sowieso bekannt, wessen Sprachrohr sie sind“, sagte Erdogan. „Von der separatistischen Terrororganisation in diesem Land sind sie die Verlängerung in Deutschland.“ Sofuoglu sagte zu den Anschuldigungen: „Das ist die Aussage, die wir inzwischen für alle Oppositionellen hören.“

Der Bundestag hatte am Donnerstag fast einstimmig die umstrittene Resolution zur Einstufung der historischen Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord beschlossen. Ein gemeinsam von Union, SPD und Grünen eingebrachter Antrag war bei nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung angenommen worden. Die Türkische Gemeinde hatte die umstrittene Armenien-Resolution des Bundestages am Donnerstag als eine „Politshow“ mit negativen Folgen für das deutsch-türkische Verhältnis bezeichnet.

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erstellt am 06.Jun.2016 | 13:17 Uhr

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