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Politik

08. Dezember 2016 | 01:15 Uhr

Konflikte : Türkei will IS zurückdrängen - Zweifel an Kind-Attentäter

vom

Die Türkei will die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) von der türkisch-syrischen Grenze zurückdrängen. «Unsere Grenze muss vollständig von Daesh (IS) gesäubert werden», sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu, zwei Tage nach dem Anschlag auf eine kurdische Hochzeit im südosttürkischen Gaziantep.

Die Türkei macht den IS für das Attentat am Samstagabend verantwortlich, bei dem mindestens 54 Menschen getötet wurden. Unter den Opfern sind vor allem Kinder und Jugendliche. Der Sender CNN Türk berichtete, 29 der bereits identifizierten Toten seien unter 18 Jahre alt.

Inzwischen kamen in der Türkei allerdings Zweifel auf, ob es sich bei dem Attentäter von Gaziantep tatsächlich um ein Kind handelte, wie zunächst angegeben. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Abend in Ankara, es gebe ein «Gerücht», dass das Attentat ein Kind ausgeführt habe. Noch sei jedoch nicht klar, wer dahinterstecke. Die Sicherheitskräfte suchten nach Belegen.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Sonntag gesagt, dass es sich bei dem Attentäter von Gaziantep nach ersten Erkenntnissen um ein Kind zwischen 12 und 14 Jahre handele. Als Drahtzieher sah er die Terrormiliz IS.

Die türkische Zeitung «Hürriyet» hatte berichtet, auf Überwachungskameras in Gaziantep sei zu sehen, dass ein Kind von zwei Personen begleitet worden sei. Sie hätten sich entfernt, bevor die Bombe detonierte.

Versäumnisse beim Kampf gegen den IS im eigenen Land sieht Cavusoglu nicht. Die Türkei haben dem IS den «größten Schlag» versetzt, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA. So habe man etwa die Quelle an ausländischen Kämpfern «ausgetrocknet», indem man sie an der Durchreise über die Türkei gehindert habe. Es seien auch Kämpfer in Haft, sagte er, ohne eine Zahl zu nennen. Der Kampf gegen die Terrormiliz werde «bis zum Ende» weitergeführt, versprach Cavusoglu.

Die Co-Chefin der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Figen Yüksekdag, warf den Sicherheitsbehörden und der Regierung dagegen Versagen vor. In einer Erklärung hieß es: «Jeder getötete Bürger ist schmerzhaft für alle türkischen Volksgruppen, es ist eine Schande und ein Versäumnis der politischen Führung, dass dieser Anschlag nicht verhindert wurde.»

Die Terrormiliz IS beherrscht große Gebiete auf der syrischen Seite an der Grenze zur Türkei. Ein weiterer großer Teil der 911 Kilometer langen Grenze zu Syrien wird von den von den USA unterstützten kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) kontrolliert. Die YPG ist der syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Kurdische Milizen in der nordsyrischen Region Manbidsch wurden am Montag nach eigenen Angaben vom türkischem Militär bombardiert. Die Türkei habe Stellungen rund 20 Kilometer von der Grenze entfernt beschossen, sagte ein Sprecher der Kurden in der Region, Scherwan Darwish, der dpa. Eine Bestätigung aus der Türkei gab es dazu zunächst nicht.

Der Vormarsch der YPG, des syrischen Ablegers der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, ist der Türkei ein Dorn im Auge. Erst kürzlich hatte die Regierung vor einem weiteren Vorrücken der Kurden in der Region gewarnt. Ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet an der Grenze zur Türkei könnte auch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Türkei befeuern, so die Befürchtung Ankaras.

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erstellt am 22.Aug.2016 | 21:29 Uhr

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