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Politik

11. Dezember 2016 | 01:33 Uhr

Putsch : Türkei: Erdogan ruft Bevölkerung zu Widerstand gegen Militär auf

vom

Präsident: Kleine Gruppe um seinen Widersacher Gülen will Macht übernehmen. Erdogan will selbst auf die Straße gehen.

Ankara/Istanbul | Alle Ereignisse zum Putsch in der Türkei lesen Sie stets aktuell im Liveblog.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will sich dem Putschversuch in seinem Land widersetzen. Laut der englischsprachigen hurriyetdailynews.com sagte er in einem Telefoninterview mit CCNTürk, eine „Minderheit“ im türkischen Militär habe einen Putsch versucht.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan betreibt seit Jahren eine Politik der Islamisierung und der Provokation nach außen. Das Militär sieht sich traditionell als Hüter des Erbes von Staatsgründer Kemal Atatürk, der die Türkei in einen weltlichen Staat mit Anbindung an den Westen verwandelte. Der Militärputsch ist der erste seit 1980, damals scheiterte er. Für die Türkei könnte ein erfolgreicher Putsch eine dramatische Wende in der Innen- und Außenpolitik bedeuten - ob zum Guten oder zum Schlechten ist derzeit nicht absehbar.

Die türkischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben vollständig die Macht übernommen. Damit sollten unter anderem die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederhergestellt werden, teilte das Militär am Freitagabend nach Angaben der privaten Nachrichtenagentur DHA mit.

Als Hintermann bezeichnete Erdogan Fethullah Gülen, einen Widersacher von Erdogan mit Wohnsitz in den USA. „Wir werden ihnen keinen Boden überlassen, sagte er. Die „Besetzung“ durch die Gruppe werde beendet, versprach er. Erdogan nannte Gülen nicht beim Namen, sondern bezeichnete Gülen und seine Anänger mit dem in der Türkei verständlichen Begriff "paralleler Staat". Gülen ist kein Kemalist - die traditionelle Rolle des Mlilitärs - sondern geistiges Oberhaupt einer islamischen Bewegung.

Erdogan rief seine Landsleute auf, sich auf Plätzen und Flughäfen zu versammeln. Er werde ebenfalls auf die Straße gehen. Der Schritt des Militärs sei nicht über die Kommandokette erfolgt. Er selbst sei Oberbefehlshaber.

Erdogan ist nach Angaben aus Kreisen seines Amtes trotz des Putschversuches des Militärs nicht abgesetzt. „Der demokratisch gewählte Präsident der Türkei und die Regierung sind an der Macht“, hieß es am Freitagabend aus Kreisen des Präsidialamtes. Weiter hieß es: „Das ist ein Angriff gegen die türkische Demokratie. Eine Gruppe innerhalb der Streitkräfte hat außerhalb der Kommandostruktur einen Versuch unternommen, die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen. Die Mitteilung im Namen der Streitkräfte war vom Militärkommando nicht autorisiert. Wir drängen die Welt, solidarisch zum türkischen Volk zu stehen.“

Ministerpräsident Binali Yildirim hatte kurz zuvor gesagt, es sei verfrüht, von einem Putsch zu sprechen. „Dieser Versuch wird nicht erlaubt werden.“ Yildirim kündigte an, die Hintermänner „werden den höchsten Preis bezahlen“. Ministerpräsident Binali Yildirim hatte kurz zuvor gesagt, es sei verfrüht, von einem Putsch zu sprechen. „Dieser Versuch wird nicht erlaubt werden.“ Yildirim kündigte an, die Hintermänner „werden den höchsten Preis bezahlen“.

Die Nachrichtenagentur DHA meldete, in der Hauptstadt Ankara habe die Polizei das gesamte Personal zum Dienst gerufen. Im Umfeld des Armee-Hauptquartiers seien erhöhte Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Zahlreiche Krankenwagen stünden dort bereit. Kampfjets würden im Tiefflug über die Hauptstadt fliegen.

Einem Medienbericht zufolge hat das Militär den Flugverkehr am Atatürk-Flughafen in Istanbul gestoppt. Soldaten hätten den Tower am größten Flughafen des Landes am Freitagabend unter ihre Kontrolle gebracht, meldete die private Nachrichtenagentur DHA. Augenzeugen in Istanbul berichteten von schwer bewaffneten Sicherheitskräften in den Straßen. Über Istanbul kreisten Hubschrauber. DHA meldete, eine der Bosporus-Brücken sei teilweise gesperrt worden.

Der Aufenthaltsort von Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist derzeit unbekannt. Er sei an einem sicheren Ort, hieß aus seinem Lager. Das wird belegt durch die Tatsache, dass er sein Interview mit CNNTürk live über einen Smartpone-Videodienst führte.

Laut Medienberichten funktioniert in weiten Teilen der Türkei das Internet nicht mehr. Dienste wie Twitter, die etwa in arabischen Ländern Umstürze beschleunigt haben, sind nicht erreichbar.

Das amerikanische Außenministerium ruft US-Bürger in der Türkei zu verstärkter Wachsamkeit auf. Sie sollten Schutz suchen und das Haus nicht verlassen, schrieb das Ministerium am Freitagabend im Kurznachrichtendienst Twitter. Die US-Botschaft in Ankara habe bestätigt, dass Schüsse gefallen seien.

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erstellt am 16.Jul.2016 | 01:17 Uhr

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