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Politik

06. Dezember 2016 | 17:04 Uhr

Nach Anschlag in Gaziantep : Türkei bombardiert IS und Kurdenmiliz im Grenzgebiet zu Syrien

vom

Nach dem Anschlag auf eine Hochzeit verschärft Ankara seine Gangart. Stellungen in Nordsyrien sind unter Beschuss.

Istanbul | Nach dem blutigen Anschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft greift die Türkei härter durch. Die Armee beschoss nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu vom Montag Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat und des syrischen Ablegers der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Grenzgebiet zu Syrien.

Die türkische Regierung beobachtet das Erstarken der syrischen Kurden im Kampf gegen den IS. Das könnte auch den Kurden in der Türkei Auftrieb geben, die dort seit Jahrzehnten mit Waffengewalt um mehr Unabhängigkeit kämpfen. Der IS versucht anscheinend, diesen Konflikt in der Türkei mit Anschlägen auf die Kurden anzuheizen.

„Unsere Grenze muss vollständig von Daesh (IS) gesäubert werden“, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag vor Journalisten in Ankara, zwei Tage nach dem Attentat im südosttürkischen Gaziantep. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim erklärte laut Medienangaben nach einer Ministerratssitzung: „Wir können keinen kurdischen Korridor an unserer Südgrenze zulassen.“ Die Terrormiliz IS beherrscht große Gebiete auf der syrischen Seite an der Grenze zur Türkei. Ein weiterer großer Teil der 911 Kilometer langen Grenze zu Syrien wird von der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG kontrolliert.

Die YPG bestätigte die Angriffe in der nordsyrischen Region Manbidsch. Die Türkei habe Stellungen rund 20 Kilometer von der Grenze entfernt beschossen, sagte ein Sprecher der Kurden in der Region, Scherwan Darwish, der dpa.

Der Vormarsch der YPG, des syrischen PKK-Ablegers, ist der Türkei ein Dorn im Auge. Erst kürzlich hatte die Regierung vor einem weiteren Vorrücken der Kurden in der Region gewarnt. Ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet an der Grenze zur Türkei könnte auch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der Türkei befeuern, so die Befürchtung Ankaras.

Angaben zu Gaziantep-Attentäter korrigiert

Totenklagen: Vor der Gerichtsmedizin von Gaziantep versammelten sich gestern weinende Angehörige. Sie warteten auf die Freigabe ihrer toten Familienangehörigen, die sie im Anschluss sofort beerdigten.
Totenklagen: Vor der Gerichtsmedizin von Gaziantep versammelten sich gestern weinende Angehörige. Sie warteten auf die Freigabe ihrer toten Familienangehörigen, die sie im Anschluss sofort beerdigten. Foto: dpa
 

Die Türkei macht den IS für das Attentat am Samstagabend verantwortlich, bei dem mindestens 54 Menschen getötet wurden. Unter den Opfern sind vor allem Kinder und Jugendliche. Der Sender CNN Türk berichtete, 29 der bereits identifizierten Toten seien unter 18 Jahre alt. Inzwischen kamen in der Türkei allerdings Zweifel auf, ob es sich bei dem Attentäter von Gaziantep tatsächlich um ein Kind handelte, wie zunächst angegeben. Yildirim sagte laut Anadolu am Abend in Ankara, es gebe ein „Gerücht“, dass das Attentat ein Kind ausgeführt habe. Noch sei jedoch nicht klar, wer dahinterstecke. Die Sicherheitskräfte suchten nach Belegen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Sonntag gesagt, dass es sich bei dem Attentäter von Gaziantep nach ersten Erkenntnissen um ein Kind zwischen 12 und 14 Jahre handele. Als Drahtzieher sah er die Terrormiliz IS. Die türkische Zeitung „Hürriyet“ hatte berichtet, auf Überwachungskameras in Gaziantep sei zu sehen, dass ein Kind von zwei Personen begleitet worden sei. Sie hätten sich entfernt, bevor die Bombe detonierte.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 10:15 Uhr

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