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Politik

11. Dezember 2016 | 13:01 Uhr

US-Wahl 2016 : Trump und Putin - ein „Dreamteam“?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwischen Tallinn und Tiflis herrscht blankes Entsetzen. Der Wahlsieg von Donald Trump hat in den ehemaligen Sowjetrepubliken vom Baltikum über die Ukraine bis in den Kaukasus alle Alarmsirenen schrillen lassen – und dies mit guten Gründen. Der künftige US-Präsident hat ja nicht nur Kremlchef Wladimir Putin immer wieder in höchsten Tönen gelobt. Er hat auch die Bereitschaft der USA in Frage gestellt, den Verbündeten im Osten Europas im Ernstfall Beistand gegen das übermächtige Russland zu leisten.

In Moskau gilt der sogenannte postsowjetische Raum als „nahes Ausland“, was eine verharmlosende Umschreibung für den geopolitischen Terminus Einflusszone ist. Noch klarer und aus russischer Sicht formuliert heißt das: In unserer Nachbarschaft haben wir das Sagen. Vor diesem Hintergrund fühlen sich die meisten Menschen im postsowjetischen Raum vom Putin-Regime latent bedroht.


Von Mann zu Mann


Und das ist auch kein Wunder in einer Epoche der hybriden Kriege, in der Russland die Krim mit Gewalt erobert und annektiert hat, in der Ostukraine separatistische Söldner unterstützt und in Syrien bunkerbrechende Bomben wirft.

Aus diesem Grund hat die Nato soeben vier zusätzliche Bataillone in Osteuropa stationiert – nicht, um Russland zu bedrohen oder auch nur abzuschrecken, sondern vor allem, um den Menschen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. In dieser Situation nun betritt Trump die Bühne und kündigt an, die Dinge mit Putin von Mann zu Mann regeln zu wollen. Damit trifft er in Osteuropa einen höchst sensiblen Nerv. Es ist dort fast eine Urangst der Menschen, dem Lauf der Weltpolitik noch einmal so ausgeliefert zu werden wie vor dem Zweiten Weltkrieg, als Stalin einen Pakt mit Hitler schloss.

Das ist das Horrorszenario: Putin und Trump machen über die Köpfe der kleinen Nationen im Osten Europas hinweg Geopolitik. Wie real diese Gefahr ist, lässt sich wenige Tage nach der US-Wahl nicht seriös sagen. All jenen, die sich noch immer in einer Art Schockstarre befinden, sei zur Beruhigung folgender Hinweis gewidmet: Eine mögliche Annäherung zwischen Trump und Putin kann sehr wohl ihr Gutes haben!


Schlimmer als mit Bush kann es nicht werden


Es ist ja keineswegs so, dass es in Russland nicht auch Horrorszenarien und Urängste gäbe. Dazu gehört der weitere Niedergang und Zerfall des Vielvölkerreiches. Dazu gehört auch eine mögliche Einkreisung durch die Nato.

Nicht zuletzt gehört die empfundene Kränkung des verlorenen Kalten Krieges für den russischen Präsidenten Putin und auch für sein Volk zu den größten Erblasten der Geschichte. Daraus folgt: Wenn es Trump gelingen sollte, Putin das Gefühl zu vermitteln, sich auf Augenhöhe mit den USA zu bewegen, dann ist das schon die halbe Miete, um zu einer neuen Verständigung zwischen Ost und West zu kommen.

Eine solche Annäherung könnte in Moskau nicht nur Druck aus dem nationalistischen Kessel nehmen und weitere Aggressionen im Osten Europas sogar unwahrscheinlicher machen. Sie könnte Putin sogar von einem Saulus in einen Paulus verwandeln. Das betrifft zum Beispiel das Atomabkommen mit dem Iran, das Trump aufkündigen will. Der Kreml dagegen war eine treibende Kraft in den Verhandlungen mit Teheran. Im besten Fall also wird Putin Trump davon überzeugen, an dem Vertrag festzuhalten.

Und selbst in Syrien könnte eine Annäherung zwischen den beiden Alpha-Tieren in Moskau und Washington durchaus positive Folgen haben. Es kommt darauf an, dass die Außenpolitiker im Umfeld von Trump die Chancen mit Augenmaß nutzen. Gelingt dies, könnten Trump und Putin unverhofft als Traumpaar in die Geschichte eingehen. Noch ist nicht abzusehen, wer diese Berater sein werden – aber schlimmer als zu Zeiten der Falkenfraktion rund um George W. Bush kann es kaum werden.

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erstellt am 11.Nov.2016 | 11:44 Uhr

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