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Politik

05. Dezember 2016 | 15:42 Uhr

Wahlen in den USA 2016 : Trump gegen Clinton: Das war ein verbaler Amoklauf

vom

Donald Trump hat schon häufig mit Äußerungen für Entsetzen gesorgt - aber noch nicht so. USA-Korrespondent Thomas J. Spang kommentiert.

Washington | Donald Trumps verbaler Amoklauf gegen Hillary Clinton lässt wenig Spielraum für Interpretationen. Wie sonst, wenn nicht als Ruf zur Gewalt, kann die Aussage verstanden werden, dass die Unterstützer des Rechts Waffen zu tragen, vielleicht etwas gegen eine Präsidentin Clinton tun könnten, wenn diese unliebsame Verfassungsrichter benenne.

Die Weißwasch-Versuche seiner Fürsprecher klangen so hilflos, wie sie keinen Sinn machten. Auch das übliche Gefasel von der Lügenpresse, die alles verdrehe zieht nicht. Trump suggerierte im Klartext ein Attentat auf seine politische Gegnerin und muss dafür politisch zur Rechenschaft gezogen werden.

Als Person des öffentlichen Lebens trägt der Präsidentschaftskandidat nicht nur die Verantwortung für das, was aus seinem viel zu großem Mund kommt, sondern auch das, was seine Anhänger daraus machen.   

Trump schafft seit geraumer Zeit ein Klima der Gewalt, in dem aus Worten nur allzu leicht Taten werden können. Vor allem in einem Land, dessen Geschichte mit dem Blut politischer Attentate nur so getränkt ist. Leider war das auch kein Ausrutscher, sondern entspricht einem Muster, das den National-Chauvinisten prägt.

Trump plusterte sich vor seinen Anhängern schon mal damit auf, dass er seine Gegner am liebsten mit der bloßen Faust krankenhausreif schlagen wollte. Er wirbt offen für Folter, will Millionen Einwanderer deportieren und tönt, er könne ungestraft mitten in New York jemanden erschießen.

Auf dem Parteitag in Cleveland fachten seine Lakaien im Publikum „Sperrt Sie ein”-Rufe gegen Hillary Clinton an, die seitdem fester Bestandteil der Kundgebungen des Bewunderers von Kerkermeistern wie Saddam Hussein und Wladimir Putin gehören.

Dass Trump all dies für das wichtigste Amt der Welt disqualifiziert, ist mehr als offenkundig. Wenn die Führer der Republikaner nicht in Mithaftung genommen werden wollen, gibt es spätestens seit dem Gewaltaufruf von Wilmington keine Alternative mehr: Sie müssen den verbalen Amokläufer stoppen bevor Schlimmeres passiert.

Thomas J. Spang ist Korrespondent unseres Medienhauses in Washington.

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erstellt am 10.Aug.2016 | 18:37 Uhr

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