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Politik

08. Dezember 2016 | 17:14 Uhr

Brexit : Tod der britischen Abgeordneten Jo Cox: Mann wegen Mordes verurteilt

vom

Er rief „Britain first“ (Großbritannien zuerst) und gab mehrere Schüsse ab. Ein 53-Jähriger wurde im Mordfall der Brexit-Gegnerin Jo Cox schuldig gesprochen.

London | Fünf Monate nach der Ermordung der britischen Abgeordneten und Brexit-Gegnerin Jo Cox hat das Londoner Strafgericht ein Urteil gesprochen. Es verurteilte den 53-jährigen arbeitslosen Gärtner Thomas M. wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Die zwölf Geschworenen einigten sich am Mittwoch bereits nach knapp zweistündiger Beratung. Der Mann habe wegen „besonderer Schwere“ der Tat keine Chance auf Freilassung, hieß es. Die Staatsanwaltschaft hatte den Täter Thomas M. als rechtsradikalen Extremisten bezeichnet.

Es herrschte eine aufgeheizte und eine aggressive Stimmung vor dem Brexit-Votum in Großbritannien. Beobachter fürchten, der Mörder der Politikerin könnte davon aufgestachelt worden sein. Auch in anderen Ländern gilt das politische Klima derzeit als vergiftet.

Das Verbrechen geschah genau eine Woche vor dem historischen EU-Referendum am 23. Juni und schockierte die Briten zutiefst. Die 41 Jahre alte Cox hatte sich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU stark gemacht.

Cox war während einer Bürger-Sprechstunde in ihrem Wahlkreis in der Nähe von Leeds attackiert worden. Der Angreifer rief „Britain first“ (Großbritannien zuerst), gab mehrere Schüsse ab und stach zudem auf sein Opfer ein, wie es heißt. Er hatte zwei Waffen bei sich. „Britain First“ - war das bereits ein politisches Motiv des Täters? Der Brexit-Wahlkampf war nach dem Mord an Cox vorübergehend ausgesetzt worden.

„Wenn man zuviel Gift in unsere Politik injiziert, wird jemand krank“, kommentierte der „Guardian“ damals. Zuerst hinter vorgehaltener Hand, doch dann immer offener wurde der Verdacht geäußert, dass das Klima, der aus den Fugen geratene Wahlkampf Mitschuld an dem Verbrechen trägt.

Aus der EU austreten oder drinbleiben? - Lange nicht mehr hatte ein politisches Thema die ansonsten eher unterkühlten Briten derart in Wallung gebracht. Und es waren nicht nur die Politiker wie die Populisten Nigel Farage und Boris Johnson, die an der Überhitzung beteiligt waren. Auch die Medien spielten mit.

Reichlich verwirrt klangen dann allerdings die ersten Sätze, die der Angeklagte vor dem Gericht von sich gab. „Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien“, sagte er bei einer Anhörung kurz nach der Mordtat. War das politisch - oder einfach die Worte eines Wirrkopfs, der unverstandene politische Parolen vor sich herträgt?

Der Schock nach dem Verbrechen saß tief, führende britische Politiker wie der damalige Premierminister David Cameron und Oppositionschef Jeremy Corbyn setzten sich für eine Mäßigung des politischen Umgangstons ein. „Sie betrachtete die Welt als eine Welt von Nachbarn und glaubte daran, dass jedes Leben gleich zählt“, sagte Corbyn anlässlich der Beerdigung der Toten.

Zeitweise gingen in jenen bewegten Juni-Tagen gar Spekulationen in Großbritannien um, der Tod der Abgeordneten könnte den Ausgang des Referendums beeinflussen. Laut Umfragen stand es damals auf des Messers Schneide, mit leichten Vorteilen für das Austrittslager. Der Verdacht kam auf, dass das Verbrechen dem EU-freundlichen Lager in die Hände spielen könnte. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Eine Woche nach dem Tod von Jo Cox votierten fast 52 Prozent der Briten dafür, aus der EU auszutreten.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 14:09 Uhr

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