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Kommentar zur dänischen Integrationsministerin : Støjberg und die Torte bei Facebook: Eine Karikatur ihrer selbst

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Aus der Onlineredaktion

Dänische Politik 2017: Die eiserne Lady feiert ihre Hardliner-Gesetze gegen Ausländer mit einer Torte bei Facebook. Ein Kommentar.

Kopenhagen | Dänemarks Integrationsministerin Inger Støjberg (Venstre) hält einen Kuchen in die Kamera. Eine 50 steht darauf, doch 50 Jahre alt ist Støjberg nicht. Sie feiert 50 schärfere Regeln und Gesetze gegen Ausländer, die ihr Integrationsministerium durchgesetzt hat. Das Bild hat sie auf Facebook hochgeladen.

Foto: Screenshot Facebook

Schon seit Längerem kann man auf der Website des Ministeriums in Form einer großen Zahl sehen, wie viele Maßnahmen gegen Ausländer bereits beschlossen worden sind. Wer dachte, es ginge nicht noch absurder, ausländerfeindlicher und so weiter, ist mit dem Kuchen eines Besseren belehrt worden. Es geht.

Überflüssig zu sagen, dass dieser Kuchen blöd und auch ziemlich beängstigend ist. Vielmehr stellt sich die Frage: Warum darf jemand wie Støjberg Ministerin sein? Oder anders gefragt: Warum sind die Dänen so tolerant gegenüber Rechtspopulisten?

Es gibt ja nicht nur Støjberg, sondern auch die Dänische Volkspartei, die bei der letzten Wahl zweitstärkste Kraft geworden ist. Diese dürfte neidisch sein, dass sie auf die Idee mit dem Kuchen nicht selbst gekommen ist.

Warum wählen die Dänen solche Politiker an die Spitze ihres Landes?

Wer das verstehen will, muss sich mit Dänemarks Geschichte auseinandersetzen: Anfang des 19. Jahrhunderts verlor das einst große und stolze Dänemark wichtige Bestandteile seines Territoriums. 1814 musste es Norwegen an Schweden abgeben, nach dem deutsch-dänischen Krieg 1864 noch mehrere Herzogtümer.

Daraufhin konzentrierte sich das Land vor allem auf sich selbst. Denker wie Nikolai Frederik Severin Grundtvig, einer der Gründungsväter der dänischen Demokratie machten sich daran, den Schmerz des Verlustes durch den Aufbau eines besonders schönen, wenn auch eben kleinen Landes zu bekämpfen.

Grundtvig war es auch, der den Begriff der „danskhed“, also der „dänischheit“ prägte. Die Idee: Was dänisch ist, muss gut sein. Diese Liebe zur eigenen Nation ist bis heute zu merken. Etwa in der „fællesskab“, also dem starken Gemeinschaftsgefühl. So weit, so gut.

Doch gleichzeitig hat sich das Missverständnis etabliert, dass alles Dänische irgendwie besonders ist – und vor Ausländern beschützt werden muss. Von diesem Irrglauben profitieren Støjberg und die Dänische Volkspartei. Deshalb erfahren sie mit ihren rechtspopulistischen Parolen so viel Zuspruch.

Mit dem Kuchen hat sich Støjberg endgültig zur Karikatur ihrer selbst gemacht. Aber wer weiß, vielleicht wird er am Ende sein Gutes haben: Wenn durch ihn mehr Menschen Abstand von Politikern wie Inger Støjberg nehmen.

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erstellt am 15.Mär.2017 | 18:44 Uhr

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