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Politik

04. Dezember 2016 | 15:15 Uhr

Talk über Radikalisierung : Skandal-Auftritt bei Anne Will: Alle Gäste gegen Nora Illi

vom

„Warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen?“ Die Frauenbeauftragte Nora Illi provozierte mit ihren Thesen.

„Mein Leben für Allah - Warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen?“ Das war das Thema der Talkshow von Anne Will am Sonntagabend. Damit knüpfte die Sendung gleich an den Kieler Tatort an, der von einer deutschen Schülerin erzählte, die sich dem radikalen Islamismus angeschlossen hatte. Vor allem ein Gast sorgte bei Will für Aufsehen: Nora Illi stand allein auf weiter Flur. Mit ihren umstrittenen Äußerungen erntete die Frauenbeauftragte des „Islamischen Zentralrats Schweiz“ heftigen Widerspruch von den anderen Gästen.

 

Illi, die mit einem Nikab bekleidet auftrat, hatte eine ganz eigene Erklärung, warum die radikale Ausprägung des Islam eine so große Faszination auf Jugendliche ausübt. Sie selbst sei mit 18 Jahren zum Islam konvertiert, vor allem die Vielfältigkeit dieser Religion, das Gemeinschaftsgefühl, das durch sie vermittelt werde und die angeblich angesehene Stellung der Frauen habe sie überzeugt. Dass sich immer mehr Jugendliche radikalisieren, hänge laut Illi in erster Linie damit zusammen, dass viele Muslime von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. „Muslime dürfen nicht ausgegrenzt werden. Das befördert die Radikalisierung“, sagt die junge Frau. Die Religionsfreiheit müsse auch für Muslime gewahrt bleiben, betont sie.

Die anderen Gäste in der Runde haben jedoch andere Erklärungsversuche, warum sich immer mehr junge Menschen radikalisieren. Dass Muslime in Deutschland ausgegrenzt werden, sei vollkommener Unsinn, meint Innenexperte Wolfgang Bosbach (CDU). Weltweit werden Christen deutlich häufiger ausgegrenzt und verfolgt als Muslime, sagt er.

Darüber hinaus kann Bosbach Nora Illis Standpunkt nicht teilen, wonach der Islam eine frauenfreundliche Religion sei. „Dort herrscht keine Gleichberechtigung“, erklärt Bosbach. Die Tatsache, dass viele Jugendliche Halt in einer radikalen Ausprägung des Islam suchen und sich sogar dazu bereit erklären, in den Krieg in Syrien zu ziehen, erklärt Bosbach vor allem damit, dass die Heranwachsenden von „Seelenfängern“ geködert werden, die ihnen die Erlösung durch den Islam versprechen.

Der Islamismus-Experte und Psychologe Ahmad Mansour, der als Jugendlicher selbst dem radikalen Islamismus nahe stand, erklärt sich die Faszination, die der Islam auf viele Jüngere ausübt, in erster Linie damit, dass die Religion Menschen Halt und Orientierung biete. „Man fühlt sich als eine Elite. Es ist ein Gefühl der Macht“, erklärt er, weshalb ihn der Islam früher so sehr beeinflusst hat. Auch aufgrund seiner eigenen Erfahrungen ist es Mansour, der sich Nora Illis Thesen am deutlichsten entgegenstellt. „Das ist Propaganda, Sie rufen die Jugendlichen auf, nach Syrien in den Krieg zu ziehen“, heischt er die Frauenbeauftragte des „Islamischen Zentralrats Schweiz“, als Zitate von Illi eingeblendet werden, in denen sie vermeintlich Verständnis für Jugendliche zeigt, die nach Syrien reisen wollen.

Auch Sascha Mané hat kein Verständnis für die Aussagen Illis. Er musste miterleben, wie sich seine Tochter immer mehr radikalisiert. Mittlerweile hält sie sich (vermutlich) in Syrien auf. Dass Jugendliche für radikale Positionen empfänglich sind, ist seiner Ansicht nach auch einem Versagen der westlichen Welt geschuldet. „Wir vermitteln den Jugendlichen heutzutage zu wenig Werte. Überall werden die Menschen ausgebeutet. Die Jugendlichen wollen häufig die Welt retten“, sagt er. Deshalb wendeten sich die Heranwachsenden mit dem Islam oftmals einer Religion zu, die eigentlich zum Frieden aufrufe. Zum Schluss der Sendung vertritt er noch eine sehr deutliche Position. Der Nikab gehöre nicht zur deutschen Kultur, betont er. Zudem seien Moscheen oftmals ein Teil des Problems, da diese die Radikalisierung oftmals förderten.

Fazit: Anne Will hat eigentlich ein sehr spannendes Thema aufgegriffen. Doch letztlich kratzten die Gäste oftmals nur an der Oberfläche. Eine wirkliche Erklärung, warum sich Jugendliche zum radikalen Islam hingezogen fühlen, konnte niemand liefern. Stattdessen lief die Diskussion in weiten Teilen nur darauf hinaus, wie gefährlich der radikale Islamismus ist und wem die Schuld für das Ausbreiten dieser Ideologie auch bei den Jugendlichen zugewiesen werden muss.

Die Sendung zum Nachschauen:

Die Gäste im Überblick:

  • Sascha Mané, seine Tochter ging im Sommer 2015 nach Syrien
  • Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz
  • Wolfgang Bosbach (CDU), Innenexperte
  • Ahmad Mansour, Islamismus-Experte und Psychologe
  • Mohamed Taha Sabri, Imam der Dar-as-Salam Moschee in Berlin Neukölln
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erstellt am 07.Nov.2016 | 07:22 Uhr

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