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Politik

11. Dezember 2016 | 01:32 Uhr

Landesverfassung von SH : shz.de-Online-Umfrage zum Gottesbezug: Mehrheit dagegen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einige Politiker in SH wollen den Glauben an Gott in der Landesverfassung verankern. Die shz.de-Leser haben in einem Liveblog darüber abgestimmt.

Am Freitag diskutieren die Politiker im Landtag einmal mehr den Gottesbezug. Parteiübergreifend gibt es einen neuen Vorstoß, den Glauben an Gott in der Präambel zu verankern. „In Achtung der Verantwortung, die sich aus dem Glauben an Gott oder aus anderen universellen Quellen gemeinsamer Werte ergibt...“ wäre dann der Beginn der Landesverfassung.

Doch was sagen die Bürger zu dem neuen Vorschlag? shz.de stellte die Gretchenfrage: Laut der Online-Umfrage möchte die Mehrheit keinen Gottesbezug. Die Abstimmung, die gestern auf dem Onlineportal dieser Zeitung gemacht wurde, kann allerdings nur ein Stimmungsbild einfangen und ist nicht repräsentativ. Bis Redaktionsschluss nahmen 813 Nutzer teil. Davon stimmten 24 Prozent für die Formulierung. Zwei Prozent möchten einen Gottesbezug mit einer anderen Formulierung. 74 Prozent lehnen ihn komplett ab.

Im Diskussionsforum kritisiert Leser Felix B. die Formulierung als „durchschaubar falsch“, denn der „Glaube an Gott“ sei eben keine „Quelle universeller Werte“. „Figuren, die nüchtern betrachtet von Märchengestalten nicht zu unterscheiden sind, in so einem Kontext zu erwähnen – und aus dem ,Glauben’ an die reale Existenz dieser Figur auch noch irgendeine Verantwortung ableiten zu wollen – ist lächerlich.“ Auch Leserin Marina König möchte keinen Gottesbezug. Sie kommentiert: „Die Trennung von Kirche und Staat ist ein mühsam erkämpfter Prozess hin zu einer freiheitlichen und demokratischen Ordnung. Er darf kurzsichtigen Politikern nicht geopfert werden.“ St. Peter sieht die Werte der Gesellschaft eher als Errungenschaft der Aufklärung: „Demokratie, Rechtsstaat, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung und viele andere sind gegen die Religion erkämpft worden.“

Jan R. sieht das anders.„Der Gottesbezug in der Landesverfassung zeigt den Menschen die begrenzte Möglichkeit ihres Handelns auf“, schreibt er in der Leserdiskussion. „Ich wünsche mir eine Verfassung, deren Präambel zum Ausdruck bringt, dass sie sowohl für diejenigen gilt, die an Gott glauben, als auch für diejenigen, die diesen Glauben nicht teilen. Das genau leistet die jetzt vorgeschlagenen Formulierung“, plädiert auch Martin Hartig für den Gottesbezug. „Er sollte drin sein, um uns immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen“ findet auch Leser McFly – und Novaländer hofft gar, die Politiker handeln dann auch „so, dass Gott damit einverstanden wäre.“

Doch auch abseits der Glaubensfrage gibt es Kritik an dem Vorstoß: Sebastian Hartmann bemängelt, dass der Gottesbezug überhaupt im Landtag diskutiert wird: „Warum beschäftigt sich die Politik nicht mit wichtigeren Themen? Das Thema ist schon einmal durchgefallen, warum also nochmal und nochmal darauf pochen anstatt die Redezeit im Landtag sinnvoll zu nutzen?“

Die Diskussion über den Gottesbezug können Sie in unserem Liveblog und auf unserer Facebook-Seite nachlesen.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 07:05 Uhr

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