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Politik

11. Dezember 2016 | 11:02 Uhr

Krieg in Syrien : Rebellen rücken gegen belagertes Aleppo vor - Helikopter abgeschossen

vom

Das syrische Regime hat Rebellen im umkämpften Aleppo eingekreist. Doch ein Bündnis islamistischer Aufständischer will die Stadt freikämpfen. Auf dem Rückflug wird ein Hubschrauber abgeschossenen. An Bord: Fünf Russen.

Damaskus | Nach Beginn einer Offensive zur Befreiung des belagerten Aleppo rücken islamistische Rebellen gegen Regimetruppen nahe der syrischen Stadt vor. Die Aufständischen wollen den Ring aus Einheiten von Machthaber Baschar al-Assad durchbrechen und eine neue Nachschubroute für die eingeschlossenen Rebellen im Ostteil der Stadt freikämpfen. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Montag von heftigen Gefechten im Südwesten der Stadt, wo die Islamisten Gebiete erobert hätten. Von dort aus ist der belagerte Teil Aleppos nur wenige Kilometer entfernt.

In der Nachbarprovinz Idlib wurde ein russischer Militärhubschrauber abgeschossen - drei Mann Besatzung und zwei andere russische Offiziere starben, wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte. Der Helikopter soll auf dem Rückflug aus Aleppo gewesen sein.

Aleppo gilt als wichtigstes Schlachtfeld im syrischen Bürgerkrieg. Im Juli hatten Regimeeinheiten die letzte Versorgungsroute gekappt und bis zu 300.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Hilfsorganisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe. Staatliche syrische Medien bestätigten Kämpfe zwischen der Armee und Rebellen in der Region. Allerdings hätten die Aufständischen keine Gebiete erobern können.

Hintergrund: Die belagerte Stadt Aleppo

Als größte Stadt des Landes besitzt Aleppo im syrischen Bürgerkrieg einen hohen strategischen und symbolischen Wert. Einst lebten hier mehr als zwei Millionen Menschen. Die Altstadt mit ihrer Zitadelle gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Nach jahrelangem Krieg ist nicht nur dieses Bauwerk stark zerstört. Aleppo gilt als die am heftigsten umkämpfte Stadt in Syrien. Während das Regime den Ostteil der Stadt beherrscht, kontrollieren Rebellen den Westen.

Im Juli hatten Regimeeinheiten mit russischer Luftunterstützung die letzte Versorgungsroute in die Stadt gekappt und bis zu 300 000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Eine vollständige Eroberung Aleppos könnte zu einem Wendepunkt in dem verheerenden Bürgerkrieg werden.

 

Angeführt wird die Offensive, die am Sonntagabend begann, von teilweise radikalislamischen Gruppen. So handelt es sich bei Fatah al-Scham - noch vor wenigen Tagen als Al-Nusra-Front der offizielle Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida in Syrien - um Dschihadisten. „Die Kämpfer von Aleppo stoßen vor und mit Gottes Willen werden wir siegen, um unsere Leute in Aleppo zu befreien“, sagte ein Fatah-al-Scham-Aktivist der Deutschen Presse-Agentur. Auch die mächtige islamistische Miliz Ahrar al-Scham, die sich etwas pragmatischer und weniger radikal gibt, ist Teil des Bündnisses.

Aktivisten in Aleppo veröffentlichten in Sozialen Netzwerken Bilder von brennenden Reifen nahe der umkämpften Gebiete. Der aufsteigende Rauch soll die Sicht der Regime-Kampfflugzeuge behindern.

Das syrische Regime hatte am Donnerstag in Aleppo drei angeblich sichere Korridore geöffnet, durch die Zivilisten die Stadt verlassen können. Oppositionelle warnten die Einheimischen allerdings. Sie behaupteten, Flüchtlinge aus der Stadt würden von den Assad-Truppen umgebracht.

Für die russischen Streitkräfte bedeuten die fünf Toten des Hubschrauberabsturzes nach offizieller Zählung den höchsten Tagesverlust seit Beginn des Syrien-Einsatzes im September 2015. Die beiden Offiziere arbeiteten in dem Stab, der lokale Waffenruhen vermittelt und überwacht sowie humanitäre Hilfe leistet. Die Maschine sei auf dem Rückflug von einem Hilfseinsatz in Aleppo gewesen.

Der Transporthubschrauber vom Typ Mi-8 wurde nach Militärangaben in der Provinz Idlib vom Boden aus getroffen. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wurde er über einem Gebiet abgeschossen, das von der Gruppe Fatah al-Scham kontrolliert wird. Dabei handelt es sich um die ehemalige Al-Nusra-Front, den Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida in Syrien.

Die fünf Soldaten seien „heldenhaft gestorben, weil sie noch versuchten, die Maschine so zu lenken, dass es am Boden keine Opfer gibt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Seit Beginn des Militäreinsatzes in Syrien im September hat die russische Luftwaffe mehrere Hubschrauber verloren und einen Kampfjet Suchoi Su-24, der von der türkischen Luftwaffe abgeschossen wurde. Zuletzt war Anfang Juli ein angeblich syrischer Kampfhubschrauber abgeschossen worden, in dem auch zwei russische Ausbilder saßen.

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erstellt am 01.Aug.2016 | 18:37 Uhr

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