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Politik

04. Dezember 2016 | 13:23 Uhr

Donald Trump als US-Präsident : Reaktionen: Merkel ruft Trump zur Verantwortung auf

vom

Donald Trump an der Spitze der größten Wirtschaftsmacht der Welt – das stößt bei vielen auf Kopfschütteln, Rechtspopulisten triumphieren.

Das knappe Rennen hat auch in Deutschland bei einigen für eine schlaflose Nacht gesorgt. Die ersten Reaktionen auf die Wahl zeigen: Die Ergebnisse aus den USA werden für die nächsten Jahre die Welt bewegen.

Reaktionen aus Deutschland:

In Deutschland sehen viele Politiker und Beobachter Trumps Gewinn skeptisch bis kritisch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump zum Wahlsieg gratuliert und ihm eine enge Zusammenarbeit angeboten. Zugleich erinnerte sie Trump an dessen künftige Verantwortung für die weltweite Entwicklung. „Wer dieses große Land regiert, mit seiner gewaltigen wirtschaftlichen Stärke, seinem militärischen Potenzial, seiner kulturellen Prägekraft, der trägt Verantwortung, die beinahe überall auf der Welt zu spüren ist“, sagte sie.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat nach dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA die Hoffnung ausgedrückt, dass es „nicht zu größeren Verwerfungen in der internationalen Politik“ komme. „Wir wissen nicht, wie Donald Trump Amerika regieren wird“, sagte Steinmeier am Mittwoch in Berlin. Viele brennende Fragen seien offen. Deshalb werde die Bundesregierung das Gespräch mit dem künftigen Präsidenten suchen.

Justizminister Heiko Maas mahnt, Hass stärker zu bekämpfen.

 
 
 
 

Reaktionen aus Schleswig-Holstein und Hamburg:

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, befürchtet nach der Trump-Wahl negative Folgen für die Welt. „Trump muss jetzt beweisen, dass er mehr kann als polarisieren und die Wut auf das Establishment schüren“, sagte der Amerikaner. „In Zeiten wachsender globaler Unsicherheit ist Trumps Wahlsieg ein weiterer, großer destabilisierender Faktor.“ Viele von Trumps Äußerungen im Wahlkampf seien Kampfansagen an Grundprinzipien der globalen Ordnung, den Freihandel und die offene Gesellschaft gewesen, sagte Snower. „Vor allem in ökonomischen Fragen hat Trump längst überwunden geglaubte Handelsbarrieren als neue Ideen für amerikanischen Wohlstand verkauft.“ Das Gegenteil werde passieren, wenn Trump seine Ankündigung von Zöllen, Subventionen und einem abgeschotteten Binnenmarkt wahr mache. „Amerika wird ärmer werden, der weltweite Wohlstand durch weniger Handel zurückgehen.“ Notwendig ist nach Ansicht des Kieler Ökonomen eine aktivere Arbeitsmarktpolitik. „Arbeitslose müssen leichter aus eigener Kraft wieder in den Arbeitsmarkt zurückfinden können, als es derzeit möglich ist.“

Bei der Amerika-Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. in Kiel ist die Stimmung gedämpft. Das Wahlfrühstück im Kennedy-Haus hatte man sich eigentlich anders vorgestellt, eigentlich wollte man Hillary Clinton feiern. Doch die Gastgeber tragen den Sieg von Donald Trump gefasst. „Die Amerikaner hatten nur die Wahl zwischen Pest und Cholera“, sagt Manfred Fenker, Mitglied des Vorstandes. Deutsche Politiker seien jetzt gut beraten, Trump nicht zu meiden. „Die Deutschen verhandeln ja schließlich auch mit Erdogan und Putin“  Und die seien auch nicht viel besser.

"Trump wird sicher nicht mit der Hand über dem Atomknopf herumlaufen - auch wenn das viele Menschen hierzulande denken", meint Fenker. Die Amerikaner hätten den umstrittenen Milliardär auf Grund seiner "We can fix it"-Mentalität gewählt. "Sie denken: Wird das nichts mit ihm, wählen wir ihn einfach in vier Jahren wieder ab."
 
Beim Wahlfrühstück laufen heiße Diskussionen über den Wahlausgang - obwohl es niemanden gibt, der sich über den Wahlsieg von Trump freut. "Es war ein Schock", sagt die Vorsitzende Jana Hirsch, "doch ich glaube nicht, dass sich für unsere Gesellschaft viel ändern wird.“

Der Amerikanist und Präsident der Europa-Universität Flensburg, Werner Reinhart, blickt nach Donald Trumps Wahlerfolg mit Sorgen auf die Zukunft Europas. „Bisher waren transatlantische Werte auch europäische Werte“, sagte Reinhart. „Sollten die Ankündigungen aus dem Wahlkampf umgesetzt werden, dann gibt es einen Bruch.“

„Selten ist am an einem Morgen so unsicher in den Tag gestartet wie heute“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig bei der Eröffnung der Flüchtlingskonferenz 2016 in der Musik- und Kongresshalle Lübeck zum Wahlerfolg von Donald Trump.

 
 
 
 
 

Internationale Reaktionen:

Als einer der ersten Staatschefs weltweit hat Russlands Präsident Wladimir Putin dem US-Wahlsieger Donald Trump gratuliert. Er hoffe, dass es ihnen gemeinsam gelingen werde, die russisch-amerikanischen Beziehungen aus der Krise zu holen, schrieb Putin am Mittwoch in einem Telegramm.

Der französische Staatspräsident François Hollande hat ausgesprochen kritisch auf den Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen reagiert. „Diese amerikanische Wahl eröffnet eine Periode der Unsicherheit“, sagte der Sozialist am Mittwoch in Paris.

Der Iran will den neuen US-Präsidenten Donald Trump an Taten und nicht an Worten messen. „Wichtiger als die Wahlkampfrhetorik des Kandidaten (Trump) im Wahlkampf ist für uns das Ergebnis seiner Politik“, sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur ISNA. Der Iran habe in den vergangenen Jahren zwar keine guten Erfahrungen mit amerikanischen Präsidenten gemacht. Aber die jüngsten Entwicklungen in Nahost und die Terrormiliz IS als gemeinsamer Feind machten eine Revision der US-Politik gegenüber dem Iran auch für den neuen Präsidenten nötig.

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hingegen ist erfreut: „Die Amerikaner holen sich ihr Land zurück.“

Marine Le Pen vom französischen Front National gratuliert dem „neuen Präsidenten“ Trump und dem freien amerikanischen Volk.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat dem neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump von ganzem Herzen gratuliert. „Gratulation. Was für eine großartige Neuigkeit. Die Demokratie lebt noch“, schrieb Orban am Mittwochmorgen auf Englisch auf seiner Facebook-Seite.

Eine Journalistin in den USA ringt um ihre Worte: „Das sind wir, das ist unser Land“, sagt sie sichtlich verbittert.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 07:32 Uhr

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