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Eisdiele in Bremervörde : Prozess gegen mutmaßliche Unfall-Gaffer erneut unterbrochen

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Aus der Onlineredaktion

Ein Auto rast in eine Eisdiele, Schaulustige sammeln sich und behindern die Helfer. Drei Männer stehen vor Gericht.

Bremervörde | Der Prozess gegen drei mutmaßliche Unfall-Gaffer ist vor dem Amtsgericht Bremervörde erneut unterbrochen worden. Die Männer sollen 2015 nach einem Verkehrsunfall mit zwei Toten die Arbeit von Einsatzkräften in einer Eisdiele in der Kleinstadt massiv behindert haben. Der Vorsitzende Richter gab am Dienstag einem Antrag der Verteidigung statt. Danach soll zunächst der Ausgang des parallel laufenden Prozesses zu dem Unfall selbst abgewartet werden. Die Verteidiger erhoffen sich davon möglicherweise entlastenden Hinweise für die Angeklagten. Bei dem Crash war am 5. Juli 2015 ein Auto frontal in das Eiscafé Pinocchio gerast.

Sie beobachten, filmen oder fotografieren bei schweren Unfällen. Viele Gaffer nehmen dabei in Kauf, Rettungskräfte zu behindern. Die Zahl der Schaulustigen mit gezücktem Handy nimmt zu. Niedersachsen fordert härtere Strafen. Bisher können Beamte gaffen höchstens als Ordnungswidrigkeiten ahnden.

Die als Gaffer-Prozess bekannte Verhandlung soll nun am 14. März fortgesetzt werden. Vor Gericht müssen sich drei Brüder im Alter von 20, 27 und 36 Jahren unter anderem wegen Körperverletzung, Widerstands gegen Vollzugsbeamte und versuchte Nötigung verantworten. Einer von ihnen wollte damals laut Anklage im abgesperrten Bereich Aufnahmen mit dem Handy machen, als gerade die Opfer weggetragen wurden.

Einen Platzverweis ignorierte er. Er habe sich „heftigst und wie von Sinnen gewehrt“, sagte die Staatsanwältin. Zudem habe er einem Beamten gedroht, ihn umzubringen. Zwei Polizisten und ein Feuerwehrmann wurden damals verletzt.

 

Der Verteidiger des 27-Jährigen, Lorenz Hünnemeyer, scheiterte mit dem Antrag, den Prozess an ein anderes Amtsgericht außerhalb des Landgerichtsbezirks Stade zu verlegen. In Bremervörde seien die Voraussetzungen für ein faires Verfahren „ausgesprochen ungeeignet“, sagte Hünnemeyer. Er sprach auch von Anzeichen einer Vorverurteilung.

Der Anwalt hatte vor Prozessbeginn am Dienstag betont, dass die Angeklagten aus einer in Bremervörde bekannten Familie stammten. Allerdings handle es sich bei ihnen nicht um Gaffer, obwohl der Prozess in Medien fälschlicherweise stets als Gaffer-Prozess bezeichnet werde.

Eine erste Verhandlung war im September 2016 ausgesetzt worden. Am Mittwoch wird am Amtsgericht Bremervörde die Verhandlung gegen die 61-jährige Unfallverursacherin fortgesetzt. Möglicherweise werden Plädoyers gehalten. Auch ein Urteil wird nicht ausgeschlossen.

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erstellt am 07.Mär.2017 | 16:19 Uhr

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