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Politik

03. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

Beyoncé, Rihanna, Pharrel Williams und Co : Promi-Protest-Video: 23 Wege, wie du als Schwarzer in den USA getötet werden könntest

vom

Nach Baton Rouge und Falcon Heights: Die Kritik an Polizeigewalt gegen Schwarze zieht in den USA weite Kreise. Prominente verleihen ihrem Unmut in einem Musikvideo Ausdruck.

Zahlreiche Stars kritisieren mit einem Video die Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. Unter anderem sind die Musiker Beyoncé, Rihanna, Pharrell Williams, Bono und Adam Levine in dem knapp drei Minuten langen Clip zu sehen, den die Nachrichtenseite „Mic“ am Mittwoch veröffentlicht hat. Das Video trägt den Titel „23 ways you could be killed if you are black in America“ (etwa: „23 Wege wie du getötet werden könntest, wenn du Schwarzer in den USA bist“).

Die tödlichen Schüsse auf zwei Schwarze hatten die Debatte über Gewalt vonseiten der Polizei in den USA neu entfacht. Es zeigt sich: Noch immer sind die Vorurteile groß, und der Rassismus in der Gesellschaft ist noch immer nicht überwunden.

Die Prominenten lesen nacheinander Situationen vor wie „Mit einem kaputten Bremslicht Auto fahren“, „CDs vor einem Supermarkt verkaufen“ und „Einen Kapuzenpulli tragen“. Nach jedem Satz wird das Foto eines schwarzen Menschen eingeblendet, der von einem Polizisten getötet worden ist.

Am Ende des Videos ruft Sängerin Alicia Keys (35) die Zuschauer dazu auf, die von ihr gegründete Bewegung „We Are Here“ zu unterstützen und eine Petition an Präsident Barack Obama zu unterschreiben. Die Zeit für einen Wandel sei gekommen - es müsse nun radikale Veränderungen geben, „damit alle Amerikaner das gleiche Recht darauf haben, zu leben und glücklich zu werden“.

Der amerikanische Präsident Barack Obama sprach sich dafür aus, dass noch viel zur Überwindung der Gräben zwischen Polizei und Schwarzen in den USA getan werden muss. „Wir sind noch nicht so weit, dass sich Farbige sicher sein können, dass die Polizei sie gleich behandelt und ihnen mit Würde und Respekt begegnet“, sagte Obama am Mittwochabend (Ortszeit) nach einem Treffen mit Bürgerrechtlern und Vertretern der Polizei. „Und wir sind auch noch nicht so weit, dass sich die Polizeibehörden auf allen Ebenen angemessen unterstützt fühlen“, fügte Obama hinzu.

Seit einer Untersuchung der tödlichen Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vor knapp zwei Jahren habe es Fortschritte gegeben, nach den jüngsten Ereignissen werde es auf absehbare Zeit aber weitere Spannungen geben. Am Dienstag hatte Obama auf einer Gedenkfeier in Dallas gesprochen.

Dort hatte bei einer Demonstration gegen Polizeigewalt am 7. Juli ein schwarzer Heckenschütze fünf Polizisten erschossen. Nach Angaben des Polizeichefs der texanischen Metropole hatte der Täter angegeben, er sei wegen des Todes der zwei Schwarzen in den Tagen zuvor aufgebracht gewesen und habe weiße Polizisten töten wollen.

Zu den Teilnehmern der Runde im Weißen Haus zählte auch DeRay Mckesson, einer der bekanntesten Aktivisten der Bewegung Black Lives Matter. Er war am Wochenende bei Protesten in Baton Rouge festgenommen worden. In der Stadt im Bundesstaat Louisiana war der Afroamerikaner Alton Sterling vergangene Woche getötet worden.

Dort reichten nun mehrere Bürgerrechtsorganisationen wegen des Vorgehens gegen Demonstranten Klage gegen die Polizei ein. Die Sicherheitskräfte hätten den Menschen das Recht auf eine friedliche Demonstration genommen, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung der American Civil Liberties Union (ACLU). Wegen des Verhaltens der Polizei sei die Lage bei den Protesten am Wochenende eskaliert.

Nach dem Tod von Sterling sowie tags darauf von Philando Castile in Falcon Heights (Minnesota) durch Polizeikugeln gingen am Wochenende in zahlreichen Städten Tausende gegen Polizeigewalt auf die Straße.

Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten. Allein in Baton Rouge wurden fast 200 Menschen festgenommen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Auf Bildern ist zu sehen, wie Sicherheitskräfte in voller Kampfausrüstung auf Demonstranten losgingen.

Auch am Mittwochabend kam es zu Protesten gegen Polizeigewalt. In Minneapolis wurden nach Medienberichten 41 Menschen festgenommen, weil sie eine Autobahn besetzt hatten. Der 15-jährige Sohn von Sterling rief vor Journalisten zu friedlichen Protesten auf. „Alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, sollten zu einer vereinten Familie zusammenkommen“, erklärte Cameron Sterling.

Im US-Senat erzählte am Mittwoch einer der zwei schwarzen Senatoren, Tim Scott, dass er selbst häufig wegen seiner Hautfarbe im Straßenverkehr von der Polizei angehalten worden sei. „Nicht vier, nicht fünf, nicht sechs, sondern sieben Mal in einem Jahr - als gewählter Amtsträger“, sagte der Republikaner aus South Carolina in einer Rede. Dabei sei er zwar manchmal zu schnell gefahren, erklärte Scott. „Aber in der überwiegenden Mehrheit der Fälle wurde ich nur deswegen angehalten, weil ich ein neues Auto in der falschen Gegend fuhr, oder wegen eines anderen, ebenso banalen Grundes.“

Nach einer Umfrage der „New York Times“ und des Fernsehsenders CBS halten 69 Prozent der US-Amerikaner die Beziehungen zwischen den Ethnien für schlecht. Das sei der bisher höchste Wert während der Amtszeit von Obama und ein ähnlich schlechter wie zu Zeiten von Unruhen in Los Angeles im Jahr 1992 mit Dutzenden Toten, schrieb die Zeitung. Damals waren vier Autobahn-Polizisten, die dabei gefilmt worden waren, wie sie den Afroamerikaner Rodney King zusammenschlugen, freigesprochen worden. Rund 60 Prozent der Befragten seien der Meinung, die Beziehungen zwischen den Ethnien verschlechterten sich - etwa 22 Prozent mehr als im Vorjahr.

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erstellt am 14.Jul.2016 | 13:35 Uhr

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