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Politik

25. Januar 2017 | 00:31 Uhr

Barack Obamas Rede in Athen : Politik kommt nicht von Populismus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es ist zu befürchten, dass wir uns nach einem US-Präsidenten Obama noch zurücksehnen werden, meint sh:z-Chefredakteur Stefan-Hans Kläsener.

„Die wichtigste Rolle in einem Land ist nicht die des Präsidenten oder des Ministerpräsidenten. Die wichtigste Rolle im Land ist die des Bürgers.“ Ein Satz wie in Stein gemeißelt. Und kein Sonntagssatz, sondern einer, der sich im Alltag bewähren muss. Barack Obama sprach ihn am Mittwoch an der Wiege der Demokratie in Athen. „Demokratie“ ist ebenso wie „Politik“ ein Lehnwort aus dem Griechischen. Die Begriffe meinen die Verständigung über öffentliche Anliegen, die „res publica“, unter gleichberechtigten Menschen.

Die Begriffe meinen nicht Wutbürger und Populismus, denn darunter muss nach leidvoller Erfahrung eher verstanden werden, dass Einzel- oder Gruppeninteressen über das Wohl der Allgemeinheit gestellt werden. Obama hat, was eine Schmach für die so großartigen USA darstellt, als Präsident dieses in Erinnerung rufen müssen. Denn es scheint vergessen, dass ein demokratischer Staat nicht funktionieren kann, wenn Bevölkerungsgruppen andere Bevölkerungsgruppen ausgrenzen. Das aber ist in den USA passiert, und auch in Deutschland droht es.

Es ist wohlfeil, dem scheidenden Präsidenten nachzurufen, er hätte es ja besser machen können. Ja, das kann man immer. Aber dieser Mann mit seiner erstaunlichen Biografie hat sich immerhin redlich bemüht, den amerikanischen Traum von Gleichheit und Freiheit zu verteidigen. Wenn der Populismus die Politik kapert, also die Straße die Parlamente, dann ist es mit Gleichheit und Freiheit schnell am Ende.

Die Wiege der Demokratie waren Bürger der „Polis“ Athen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nahmen. Seitdem ist die Welt komplexer geworden, aber das ändert nichts an dem Grundsatz, dass Menschen gleich viel wert sind, egal wie klug oder reich sie sind. Es ist zu befürchten, dass wir uns nach einem US-Präsidenten Obama noch zurücksehnen werden.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 20:08 Uhr

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