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Politik

03. Dezember 2016 | 05:36 Uhr

Polen-Reise : Papst Franziskus besucht das KZ in Auswitz

vom

Franziskus wird in der Todeszelle des Franziskanermönchs Maximilian Kolbe im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau beten. Franziskus folgt der Einladung von Ex-Häftlingen.

Krakau | Ein neuer, düsterer Akzent nach dem Jubel der Massen auf dem Weltjugendtag: Am Freitag besucht Papst Franziskus das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Er folgt damit einer Einladung ehemaliger Häftlinge.

Es werde „eine andere Erfahrung“, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am späten Donnerstagabend. „Der Papst hat entschieden, diesen Moment in Stille zu erleben. .. Es wird ein Tag des Leidens sein. Es wird ein Tag sein, an dem der Schmerz im Mittelpunkt steht.“ Am dritten Tag seiner Polen-Reise wird der Papst unter anderem in der Todeszelle des Franziskanermönchs Maximilian Kolbe beten, der vor 75 Jahren in Auschwitz ermordet wurde. In Birkenau, dem eigentlichen Vernichtungslager von mehr als 1,1 Millionen vor allem jüdischer Häftlinge will Franziskus anschließend Holocaust-Überlebende treffen.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern Papst Johannes Paul II. und Benedikt XVI. will der Argentinier in dem Lager schweigen und in Stille beten. Ronald Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, sprach von einer angemessenen Geste. Auch Michael Schudrich, der Oberrabbiner von Polen, zeigte Verständnis für das päpstliche Schweigen am Ort des nationalsozialistischen Massenmords. Auch vielen Besuchern versage in Birkenau die Sprache, sagte Schudrich. Dort werde eine „neue Ebene des Schmerzes“ erfahren.

Das geplante Schweigen von Franziskus bedeute nicht, dass der Pontifex die Besonderheit des Holocaust nicht erkenne, sagte Abraham Skorka, Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Buenos Aires, den ein freundschaftliches Verhältnis mit Franziskus verbindet. „Das 20. Jahrhundert war voll schrecklicher Völkermorde. Doch die Schoah war etwas besonderes, die erste fabrikmäßige Ermordung von Menschen.“

Nach dem Besuch in Auschwitz wird Franziskus zunächst eine Kinderklinik besuchen und dann in Krakau auf dem Weltjugendtag den Kreuzweg beten.

Franziskus ist der dritte Papst, der das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Polen besucht. Der 2013 zurückgetretene deutsche Papst Benedikt XVI. besuchte 2006 zum Abschluss einer viertägigen Polenreise Auschwitz. Er ging alleine durch das Tor des Stammlagers und betete beim Gang über das Gelände schweigend, bevor er vor dem Denkmal für die Opfer in einer ergreifenden Rede zu Versöhnung und Vergebung aufrief. Er habe „als Sohn des deutschen Volkes“ hierher „an diesen Ort des Grauens“ kommen müssen, sagte er. Manche Themen wie den vergleichsweise geringen Widerstand der Kirche gegen die Barbarei schnitt er jedoch nicht an.

Papst Benedikt besuchte 2006 das ehemalige Konzentrationslager.
Papst Benedikt besuchte 2006 das ehemalige Konzentrationslager.
 

Bereits 1979 hatte Johannes Paul II. als erster Papst in dem Vernichtungslager der Millionen Toten durch die Naziverfolgung gedacht. Der 2005 gestorbene Pole war 1920 in der Nähe von Auschwitz geboren worden und hatte den Hitler-Terror erlebt. Schon als Erzbischof von Krakau hatte Karol Wojtyla mehrfach das ehemalige Lager besucht.

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erstellt am 29.Jul.2016 | 08:30 Uhr

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