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Politik

10. Dezember 2016 | 00:31 Uhr

Neue Anträge der Anwälte : NSU-Prozess: Zschäpe war in Berlin – aber will nichts ausgespäht haben

vom

Ein Wachmann will Zschäpe zusammen mit Uwe Mundlos in der Nähe der größten deutschen Synagoge gesehen haben.

München | Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat bestritten, zusammen mit ihren Komplizen im Jahr 2000 ein mögliches Anschlagsziel des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ in Berlin ausgespäht zu haben. In einer Erklärung, die ihr Anwalt Mathias Grasel am Mittwoch im Münchner NSU-Prozess verlas, räumte Zschäpe zwar ein, sie habe sich damals irgendwann im Frühjahr oder Sommer zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in der Hauptstadt aufgehalten.

Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft haben Mundlos und Böhnhardt zehn Menschen aus überwiegend fremdenfeindlichen Motiven ermordet. Zschäpe soll bei keiner Tat direkt beteiligt gewesen sein, sie habe aber im Hintergrund gewirkt und möglicherweise Anschläge mitgeplant.

Es habe aber keine besonderen Gründe für die Reise gegeben - „außer dass wir mal aus Chemnitz rauskommen wollten“. Sie habe in Berlin aber nichts ausgespäht, und sie habe auch zu keinem Zeitpunkt eine Synagoge aufgesucht. „Ich kenne keine Synagoge in Berlin.“

Hintergrund ist die Beobachtung eines ehemaligen Berliner Wachpolizisten, der Zschäpe am 7. Mai 2000 zusammen mit ihrem Komplizen Uwe Mundlos in Berlin gesehen haben will: in einem Café unmittelbar an der größten Synagoge Deutschlands im Stadtteil Prenzlauer Berg. Der Mann sollte am Mittwoch als Zeuge im NSU-Prozess aussagen. Der Nebenklage-Anwalts Yavuz Narin hatte die Ladung des Zeugen beantragt - und mit der Vermutung begründet, Zschäpe und Mundlos könnten damals ein Anschlagsziel des NSU ausgespäht haben.

Im Münchner NSU-Prozess geht es am Mittwoch auch noch um einen weiteren Kriminalfall. Denn ein Nebenklage-Anwalt hat ankündigt, einen Antrag zum Fall Peggy zu stellen. Mitte Oktober war bekanntgeworden, dass am Fundort der Leiche der Neunjährigen aus dem oberfränkischen Lichtenberg eine DNA-Spur entdeckt worden war, die dem mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt zugeordnet wird. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl fragte die Hauptangeklagte Beate Zschäpe am Mittwoch im NSU-Prozess, ob sie über Informationen über Peggy verfüge, die sie nicht aus den Medien habe. Zschäpe antwortete aber nicht sofort - ihr Anwalt Hermann Borchert kündigte eine schriftliche Beantwortung an.

Peggy war 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. 15 Jahre später, im vergangenen Juli, wurden Skelettteile von ihr in einem Wald in Thüringen entdeckt. Vor kurzem berichteten Ermittler nun, am Fundort der Leiche eine DNA-Spur von Böhnhardt gefunden zu haben. Ein möglicher Zusammenhang zwischen den beiden großen Kriminalitätsfällen hatte auch in der Politik für Entsetzen gesorgt.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 10:37 Uhr

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