zur Navigation springen

Politik

05. Dezember 2016 | 19:44 Uhr

Anschlag mit 84 Toten in Frankreich : Nizza-Attentäter: Amokläufer und auch IS-Anhänger?

vom

Mohamed Lahouaiej Bouhlel soll sich radikalisiert haben, es gab wohl Unterstützer für seine Tat. Was bisher bekannt ist.

Nizza | Von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte es nach dem Anschlag von Nizza geheißen, der Attentäter, Mohamed Lahouaiej Bouhlel, sei einer der ihren, er wurde als „Soldat“ des IS bezeichnet. Bis jetzt gibt es Zweifel, ob das stimmt, aber auch einige Indizien, die dafür sprechen. Wer war der 31-jährige Tunesier, der 84 Menschen tötete, bevor ihn die Polizei erschoss?  

Die internationale Allianz kämpft gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien. Der IS kämpft auf der ganzen Welt gegen den Westen. Attentäter töten in Istanbul, Paris oder Brüssel. Zuletzt gab es eine Attacke in einem Regionalzug bei Würzburg. Der Täter soll eine Turboradikalisierung durchlebt haben. Ähnliches wird für den Attentäter von Nizza vermutet.

Was ist über die Anschlagsplanungen bekannt?

Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Anschlag vermutlich schon länger geplant. Der Mann habe seine Tat wohl seit mehreren Monaten ins Auge gefasst und die Pläne heranreifen lassen, sagte Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins am Donnerstag. Der Staatsanwalt stützt sich dabei auf die Auswertung von Kommunikationsdaten und Fotos.

Auf einem Handy von Mohamed Lahouaiej Bouhlel waren Bilder von zwei Feuerwerken und einem Konzert auf der Strandpromenade von Nizza im Sommer 2015 gefunden worden, der Fokus lag dabei jeweils auf der Menschenmenge. Er hatte auch einen Zeitungsartikel gespeichert, bei dem es um einen Mann ging, der mit einem Fahrzeug auf eine Restaurant-Terrasse raste. Bislang war nur die Rede davon gewesen, dass er die Attacke über mehrere Tage vorbereitet hatte.

Anschlagsort in Nizza. /Archiv
Mit diesem Lkw raste der Attentäter am Anschlagsort in Nizza durch die Menschenmenge. /Archiv Foto: Andreas Gebert
 

Mohamed Lahouaiej Bouhlel soll auch Unterstützung gehabt haben. Gegen fünf als Komplizen des Attentäters von Nizza Verdächtigte ist mittlerweile Untersuchungshaft angeordnet worden. Dies berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft in Paris in der Nacht zum Freitag. Drei Verdächtigen wird Beihilfe zum Mord im Zusammenhang mit einem Terrorakt vorgeworfen. Einer der drei soll gemeinsam mit einem Paar aus Albanien dem 31-jährigen Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel die Waffe besorgt haben, mit der der Attentäter geschossen haben soll.

Die Verdächtigen hatten nach Angaben der Ermittler regen Kontakt untereinander. Ein 37-jähriger Tunesier und ein 40 Jahre alter Franko-Tunesier sollen in den Tagen vor dem Anschlag mit dem Attentäter in dem gemieteten Lastwagen gewesen sein. Das geht aus der städtischen Videoüberwachung, Handyfotos und Fingerabdrücken hervor.

Eine Woche nach dem verheerenden Anschlag verlängerte Frankreich am Donnerstag den Ausnahmezustand bis Anfang 2017.

Was motivierte Mohamed Lahouaiej Bouhlel zu seiner Tat?

Auf dem Handy des Tunesiers wurde eine SMS von einem der Verdächtigen gefunden, in der dieser sich im Januar 2015 positiv über den islamistischen Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ äußerte. Die Textnachricht von Mohamed Walid G. soll gelautet haben: „Ich bin nicht Charlie... Ich bin zufrieden, sie wurden umgebracht von Allahs Soldaten, um die Arbeit zu beenden“.
 

Am Montag hatte Molins berichtet, Mohamed Lahouaiej Bouhlel habe in jüngster Zeit ein „unbestreitbares Interesse“ an der dschihadistischen Bewegung gezeigt. Er war den Behörden aber vor der Tat nie wegen extremistischer Gesinnung aufgefallen. Ansonsten äußerte sich Molins zur Motivation des Attentäters aber nicht näher.

Am Wochenende hatte der französische Regierungschef Manuel Valls den IS für das Lastwagenattentat verantwortlich gemacht, weil die Terrormiliz verwirrten Einzelpersonen die Ideologie bereitstelle, um ihren Taten einen Sinn zu geben.

Durchlebte der Attentäter möglicherweise eine Turboradikalisierung?

„Seit acht Tagen hat er sich einen Bart wachsen lassen und erklärt, dies habe eine religiöse Bedeutung“, sagte Chefermittler Molins. Bouhlel habe in den Tagen vor dem Anschlag auch nach Videos religiöser Gesänge gesucht, die islamistische Terrororganisationen als Propagandainstrument nutzen.

Was weiß man noch?

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft und wie es „Le Monde“ berichtet, soll der Tunisier „sehr weit weg von religiösen Erwägungen“ gewesen sein. Er soll sich „besonders gewalttätig gegen seine Frau und seine Kinder“ gezeigt haben, Schweinefleisch gegessen, Alkohol getrunken und Drogen genommen haben. Zudem soll der 31-Jährige einem „ungezügelten Sexualleben“ nachgegangen sein, er soll außer Frauen auch Männer aufgesucht haben.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Jul.2016 | 11:40 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen