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Politik

24. März 2017 | 23:07 Uhr

THAAD-System : Neue US-Raketenabwehr in Südkorea: Was sind die Folgen?

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Die USA wollen ihre Truppen und Alliierten besser gegen Bedrohungen aus Nordkorea schützen. Fragen und Antworten.

Seoul | Mit einem neuen US-Raketenabwehrsystem in Südkorea hoffen die USA, ihre Truppen sowie ihre Alliierten gegen Bedrohungen aus Nordkorea besser schützen zu können. Doch einen vollständigen Schutz gegen nordkoreanische Raketen bietet auch das moderne System des Typs THAAD nicht. Außerdem löst dessen Stationierung heftige Proteste in China aus. Fragen und Antworten zum Thema:

Was sind THAAD-Raketen?

Sogenannte THAAD-Raketen sollen feindliche Kurz- und Mittelstreckenraketen abfangen. Sie tragen keinen Sprengkopf, sondern zerstören die Rakete durch direkten Aufprall. Dies kann bis in 150 Kilometer Höhe geschehen. Den ersten das ganze System umfassenden Testflug gab es 2006. THAAD steht für „Terminal High Altitude Area Defense“.

Die 6,17 Meter langen Raketen werden von Lastwagen aus abgefeuert und sind daher sehr mobil. Zu einer THAAD-Batterie gehören neun Raketenwerfer auf Lkw mit jeweils acht Abfangraketen. Dazu kommen ein mobiles Radarsystem und eine mobile Feuerleitstelle.

THAAD bietet - zum Beispiel über einer Stadt - einen hohen Schutzschild. Darunter können Raketensysteme wie die auch von der Bundeswehr eingesetzte Patriot einen weiteren Schild legen. Erster Auslandskunde für das System des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin wurden 2011 die Vereinigten Arabischen Emirate.

Was bedeutet die THAAD-Stationierung militärisch?

Mit dem THAAD-System verbessert Südkorea seine Verteidigungsstellung gegen Raketen Nordkoreas. Deren Artillerie einschließlich der Geschütze und Raketen ist der im Süden an Zahl überlegen. Zusammen mit den bereits vorhandenen Patriot-Raketen in Südkorea kann THAAD nach Meinung von Militärs aber ein wirksames Mehrfach-Abwehrsystem bilden, das anfliegende Raketen kurzer und mittlerer Reichweite von bis zu 3000 Kilometern abfangen und zerstören kann. Allerdings bietet THAAD keinen allseitigen Schutz. Allein die Zehn-Millionen-Metropole Seoul liegt schon in der Reichweite an Nordkoreas Grenze statioanierter großkalibriger Geschütze.

Was sind die politischen Dimensionen?

Südkoreas Regierung geht mit der Stationierung auch ein großes Risiko ein. Vor allem die Beziehungen zu China, dem größten Handelspartner, könnten sich deutlich verschlechtern, da Peking wie auch Moskau neue US-Abwehrraketen in Südkorea grundsätzlich ablehnen. Schon jetzt beklagt Südkorea Maßnahmen in China, die den Handel einschränken.

Auch in Südkorea selber ist die Aufstellung von THAAD wegen der möglichen Probleme im Umgang mit China und Russland nicht unumstritten.

Wie reagiert Nordkorea auf THAAD?

Nordkorea hat die geplante Stationierung bereits nach der entsprechenden Einigung zwischen Südkorea und den USA im vergangenen Jahr heftig kritisiert und mit „physischen Gegenmaßnahmen“ gedroht.

Unter anderem wirft Nordkorea der Regierung in Seoul vor, sich dem Druck der USA zu beugen, um deren Abwehrsystem im Land zu stationieren - was Südkorea aber bestreitet. 

Warum ist China gegen die Raketenabwehr?

Obwohl sich das Abwehrsystem gegen Nordkorea richtet, sieht die kommunistische Führung in Peking die Stationierung als Teil einer weitreichenden Strategie der USA, China einzuschüchtern. Es fürchtet zudem eine weitere Eskalation mit Nordkorea und eine Rüstungsspirale in Ostasien. Aus seiner Sicht wird das regionale Gleichgewicht verändert. China befürchtet, dass die USA die für THAAD nötige Radarüberwachung auch auf China ausweiten. Das Raketensystem reduziert Chinas Pufferzone zu den US-Streitkräften.

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erstellt am 07.Mär.2017 | 15:11 Uhr

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