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Politik

10. Dezember 2016 | 13:46 Uhr

Moschee und Kongresszentrum : Nach Sprengstoffanschlägen: Dresden ist im Krisenmodus

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Polizei vermutet ein fremdenfeindliches Motiv und sieht eine Verbindung zu den Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit.

Dresden  | Kurz vor der Einheitsfeier in Dresden haben zwei Anschläge in der sächsischen Stadt Befürchtungen vor rechtsextremen Übergriffen geschürt. An der Tür einer Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde und am Kongresszentrum in Dresden explodierten Sprengsätze. Die Polizei geht von extremistischen Taten aus. Sie informierte erst am Dienstagmorgen über die Attacken am Montagabend.

2013 hatten Unbekannte auf dem Gelände der geplanten Moschee in Leipzig fünf blutige Schweineköpfe auf Holzpflöcke gespießt. Sie wurden bisher nicht ermittelt. 2009 wurde eine Mauer an der Dresdner Synagoge mit Hakenkreuzen beschmiert. Verdächtigt wurde damals ein in Dresden lebender Algerier. Nach Angaben des Landeskriminalamtes ist die Zahl der Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte mit rechtem Hintergrund 2015 stark auf 106 angestiegen. Im ersten Halbjahr 2016 waren es knapp 50.

„Auch wenn uns bislang kein Bekennerschreiben vorliegt, müssen wir von einem fremdenfeindlichen Motiv ausgehen“, sagte Polizeipräsident Horst Kretzschmar. Zugleich wird eine Verbindung zu den geplanten Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am Wochenende gesehen.

Die Beamten in Dresden waren von einer Rettungsleitstelle über die Detonationen informiert worden - 21.53 Uhr über die an der Moschee und 22.19 Uhr über die auf der Terrasse des Kongressgebäudes. Dort soll am 3. Oktober der Empfang des Bundespräsidenten zum Tag der Deutschen Einheit stattfinden.

Fatih Camii Moschee: Vor der Moschee und einem internationalen Kongressgebäude in Dresden sind zwei Sprengstoffanschläge verübt worden.
Fatih Camii Moschee: Vor der Moschee und einem internationalen Kongressgebäude in Dresden sind zwei Sprengstoffanschläge verübt worden. Foto: Sebastian Kahnert
 

Die Polizei fand an beiden Tatorten die Reste selbstgebauter Sprengsätze. „Ab sofort arbeiten wir im Krisenmodus“, sagte Polizeipräsident Kretzschmar. Die Polizei bewacht die betroffene und eine weitere Moschee in der Stadt sowie das islamische Zentrum in der Nähe des Bahnhofs Cotta intensiv.

Zum Zeitpunkt der Detonation befanden sich der Imam mit seiner Frau und den beiden Söhnen in der Moschee. Alle blieben unverletzt. Ob er mit seiner Familie bleibt oder geht, ließ er offen. „Das bestimmt die Gemeinde“, sagte er.

Durch die Druckwelle der Explosion wurde die Eingangstür laut Polizei nach innen gedrückt. Sie ist wie die Fassade verrußt. Die Moschee hatte noch in der Nacht Fotos von den Spuren der Attacke auf Facebook und Twitter gepostet - sechs Stunden vor der ersten Information durch die Polizei.

Am Internationalen Congress Center Dresden zerstörte die Hitze der Explosion die Seite eines Glasquaders auf der Freiterrasse zur Elbe. Eine Hotelbar wurde evakuiert. Die Polizei forderte Gäste mit Zimmer in Richtung Terrasse auf, von den Fenstern wegzubleiben. Auch hier wurde niemand verletzt. In der Nacht waren rund 50 Beamte im Einsatz, inzwischen hat das Operative Abwehrzentrum der sächsischen Polizei die Ermittlungen übernommen.

<p>Absperrband sichert den Tatort am Congress Center Dresden. Hier findet am Tag der Deutschen Einheit der Empfang des Bundespräsidenten Joachim Gauck statt.</p>

Absperrband sichert den Tatort am Congress Center Dresden. Hier findet am Tag der Deutschen Einheit der Empfang des Bundespräsidenten Joachim Gauck statt.

Foto: dpa
 

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilte die Anschläge scharf. Es sei „umso empörender“, da der Angriff auf eine Moschee einen Tag vor dem Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Islamkonferenz (DIK) verübt worden sei, sagte er beim DIK-Jubiläum in Berlin. Die DIK ist ein Gesprächsforum der Islamverbände mit Bund, Ländern und Kommunen. Der Grünen-Politiker Volker Beck zeigte sich schockiert und forderte Solidarität. „Anschläge auf Gotteshäuser sind Anschläge auf die Demokratie und die Freiheit von uns allen.“

Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) verurteilte den „feigen Anschlag“ auf die Moschee. „Dies ist nicht nur ein Anschlag auf die Religionsfreiheit und die Werte einer aufgeklärten Gesellschaft, sondern hier wurde auch bewusst der Tod von den in der Moschee lebenden Menschen in Kauf genommen“, sagte er. Die Polizei arbeite mit Hochdruck seit der Nacht an der Aufklärung, „um auch die öffentliche Sicherheit noch weiter zu verbessern“.

Der sächsische CDU-Innenexperte Christian Hartmann warnte vor Panik und rief mit Blick auf den Einheitstag zur Besonnenheit auf. „Die Sicherheitsbehörden sind auf das Großereignis in unserer Stadt bestens vorbereitet und werden die Sicherheitsvorkehrungen nach den jüngsten Ereignissen noch einmal neu bewerten und falls notwendig anpassen.“ Innenminister Markus Ulbig (CDU) wollte am Mittag über das Sicherheitskonzept für den Tag der Deutschen Einheit informieren.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 13:30 Uhr

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