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Politik

10. Dezember 2016 | 21:37 Uhr

Ermittler präsentieren neue Beweise : Mysteriöser Flugzeugabsturz: Was man über MH17 weiß - und was nicht

vom
Aus der Onlineredaktion

Wer ist schuld am Tod von 298 Menschen an Bord von Flug MH17? Eine Ermittlergruppe legt am Mittwoch einen Zwischenbericht ihrer Untersuchungen vor. Fragen und Antworten zur Tragödie.

Utrecht | Gut zwei Jahre nach dem Abschuss des Passagierfluges MH17 über der Ostukraine legen die strafrechtlichen Ermittler die ersten Beweise gegen mutmaßliche Täter vor. Die leitende niederländische Staatsanwaltschaft will am Mittwoch darlegen, ob die Boeing der Malaysia Airlines vom Gebiet pro-russischer Rebellen oder der Ukraine aus abgeschossen worden war. Auch wird erwartet, dass sie den genauen Typ und die Herkunft der eingesetzten Flugabwehrrakete bekannt gibt.

Seit dem Absturz machen sich die Ukraine und Russland gegenseitig für den Abschuss verantwortlich. Unklar ist, von welchem Gebiet aus die Rakete abgefeuert wurde. Teile der Ostukraine werden von prorussischen Separatisten kontrolliert. Immer wieder gibt es Spekulationen um russische Soldaten in der Ukraine.

Das aus Fundstücken rekonstruierte malaysische Passagierflugzeug MH17 wird in Gilze-Rijen auf einer Pressekonferenz präsentiert.
Das aus Fundstücken rekonstruierte malaysische Passagierflugzeug MH17 wird in Gilze-Rijen auf einer Pressekonferenz präsentiert. Foto: Robin Van Lonkhuijsen

Die Boeing der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur in der Donbass-Region abgestürzt. Alle 298 Menschen an Bord wurden getötet. „Flug MH17 stürzte ab, weil auf der linken Seite des Cockpits ein Raketenkopf explodierte“, schilderte der Vorsitzende des niederländischen Sicherheitsrat, Tjibbe Joustra.

Die Schuldfrage war bisher nicht Teil der Untersuchungen des internationale Expertenteam unter niederländischer Leitung. Diese war Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen, deren Ergebnisse nun erwartet werden. Da die meisten Opfer aus den Niederlanden kamen, leitet das Land auch die Untersuchungen.

Fragen und Antworten zur Katastrophe:

Was wissen wir zum MH17-Absturz?

Unumstritten ist, dass die Passagiermaschine über dem Kriegsgebiet abgeschossen wurde. Der niederländische Sicherheitsrat schloss in seinem ersten Zwischenbericht zur Ursache im September 2014 technisches und menschliches Versagen sowie einen Terroranschlag aus. Im Oktober 2015 wurde bestätigt, dass die Maschine von einer Rakete des bodengestützten Luftabwehrsystems Buk getroffen wurde.

Was haben die Passagiere von dem Beschuss mitbekommen?

Die Passagiere des über der Ostukraine abgeschossenen Flugs MH17 haben nach Medienberichten den Absturz ihrer Maschine kaum bewusst erlebt. Das teilten Angehörige der Opfer am Dienstag niederländischen Reportern in Den Haag mit. Sie waren zuvor vom niederländischen Sicherheitsrat über die Ergebnisse der Untersuchung zur Ursache der Katastrophe am 17. Juli 2014 informiert worden.

„Durch den enormen Luftdruck brach das Cockpit auseinander“, sagte ein Mann dem niederländischen Fernsehen. „Die Passagiere hatten kaum eine Chance, das zu erleben.“ Innerhalb „weniger Sekunden“ hätten sie das Bewusstsein verloren, sagte ein weiterer Mann dem Fernsehen.

Wer feuerte die Rakete ab?

Dies ist strittig. Die Ukraine erklärt, dass Russland das Buk-System in das Separatistengebiet geliefert hat und diese die Maschine abschossen. Auch nach Angaben der britischen Recherchegruppe „Bellingcat“ gehörte die Luftabwehrrakete des Typs Buk zu den russischen Streitkräften.

Russland weist dies zurück und macht die Ukraine verantwortlich. Nur die ukrainische Armee habe zum Zeitpunkt des Absturzes eine funktionstüchtige Buk und geschultes Personal besessen.

Gibt es Beweise für eine Schuld Russlands oder der Separatisten?

Das internationale Ermittlerteam hat Videos und abgehörte Telefongespräche der Separatisten veröffentlicht. Die deuten daraufhin, dass diese über ein Buk-System verfügten und eine Rakete zum fraglichen Zeitpunkt abgefeuert hatten.

Unabhängige Untersuchungen stützen den Verdacht, dass die prorussischen Separatisten für den Abschuss des Flugzeugs verantwortlich sind.

Der russische Hersteller des Buk-Systems erklärte, dass auch die Ukraine eine Vielzahl solcher Waffen besitze. Die Firma geht nach eigenen Recherchen davon aus, dass die Rakete von ukrainisch kontrolliertem Gebiet aus abgeschossen wurde.

Wie reagiert Moskau auf Vorwürfe?

Russland betont stets, im Grunde nicht in die Tragödie im Nachbarland verwickelt zu sein. Gleichwohl verfüge es über „wichtige Hinweise“ zur Aufklärung. Moskau kritisiert die internationalen Untersuchungen als voreingenommen.

Der Kreml gibt der Ukraine auch eine Mitschuld an der Tragödie, weil sie trotz bekannter Gefahren den Luftraum über dem Gebiet nicht komplett gesperrt hatte.

Offiziell erklärt sich Russland zur Zusammenarbeit bereit, händigt wichtige Informationen aber nicht aus, wie zum Beispiel Vergleichsmaterial von Buk-Raketen oder originale Radarbilder.

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erstellt am 28.Sep.2016 | 11:17 Uhr

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