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Politik

03. Dezember 2016 | 18:39 Uhr

Auftritt bei Anne Will : Morddrohungen gegen Nora Illi? Nikab-Trägerin will „Bild“ verklagen

vom

Ihr Auftritt bei Anne Will schlug hohe Wellen. Jetzt ätzt Nora Illi gegen die Medien und spricht von „absoluter Tatsachenverdrehung“.

Für ihren Auftritt in der Talkshow von Anne Will vor anderthalb Wochen ist Nikab-Trägerin Nora Illi heftig kritisiert worden. Nun meldet sich die Muslimin in einem Interview mit dem Medien-Portal „Meedia“ zu Wort und kündigt an, die „Bild“-Zeitung zu verklagen.

Der Auftitt von Nora Illi bei Anne Will wurde von vielen Seiten kritisiert: Viele Zuschauer zeigten sich empört, dass Illi mit ihrem Auftritt eine Plattform gegeben wurde, um ihre umstrittenen Positionen, die sogar als Werbung für die Terrormiliz IS verstanden wurden, zu vertreten. Auch zahlreiche Politiker reagierten verärgert auf die Aussagen der vollverschleierten Schweizerin.

Nach der Ausstrahlung der Anne-Will-Sendung habe sie mehrere Morddrohungen erhalten, sagt Illi. Die Tatsache, dass die „Bild“-Zeitung ein Bild von ihr ohne Nikab auf der Titelseite abgedruckt hatte, nennt die Muslimin einen „massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“. Sie werde juristisch dagegen vorgehen, kündigte sie an.

Zugleich wehrt sie sich gegen den Vorwurf, sie habe Propaganda für den Islamischen Staat betrieben. „Ich bin im Vorstand des Islamischen Zentralrats Schweiz und möchte in dieser Funktion möglichst viele junge Leute davor bewahren, in ein Kriegsgebiet zu gehen. Ich möchte den jungen Frauen, mit denen ich nun mal mehr zu tun habe, die rosarote Brille vom Islamischen Staat abnehmen, die ihnen in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter aufgesetzt wird“, betont sie.

Die „Bild“-Zeitung war nicht das einzige Medium, über das Illi sich in dem Meedia-Interview beklagte. Die mediale Kritik an ihrem Auftritt nennt die Muslimin „eine absolute Tatsachenverdrehung und Verleumdung.“ Sie gibt den Medien sogar eine Mitschuld daran, dass sich junge Leute radikalisieren und sich dem IS anschließen: „Einen Muslim als ,radikal‘ oder ,fundamentalistisch‘ zu bezeichnen ist in den Medien Standard. [...] Gerade diese,radikale‘ Berichterstattung ist es, die junge Menschen radikalisiert“, sagt die Frau.

Diese Art der Berichterstattung sei kontraproduktiv, da es ein bestimmtes Bild einer Nikab-Trägerin in der Öffentlichkeit verfestigt. Junge Muslime, die sich dem IS hingezogen fühlen, würden sich durch diese angeblich unfaire Darstellung in den Medien in ihren Vorurteilen noch weiter bestätigt fühlen. Die Medien geben den Jugendlichen demnach „das Gefühl, dass wir Muslime sagen können, was wir wollen und trotzdem nicht gehört, geschweige denn in der Gesellschaft akzeptiert werden“, so Illi.

Sie weist darauf hin, dass vor allem die deutsche Gesellschaft am Zug sei, um die Radikalisierung von Jugendlichen zu verhindern. „Die Gesellschaft muss den Schritt machen und uns Muslime in der Gesellschaft akzeptieren. Nur so kann der Radikalisierung der Nährboden entzogen werden“, so Illi.

Mit ihren kontroversen Äußerungen zum Islam hatte Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz, nicht nur bei den anderen Gästen in der Runde bei Anne Will für Kopfschütteln gesorgt (zu einem Porträt der Schweizerin geht es hier). Die Nikab-Trägerin betonte unter anderem, der Islam sei eine frauenfreundliche Religion. Dass sich immer mehr Jugendliche radikalisieren, hänge laut Illi in erster Linie damit zusammen, dass viele Muslime von der Gesellschaft ausgeschlossen werden, sagte sie weiter. Sie beklagte diesbezüglich eine Ausgrenzung der Muslime in der Gesellschaft.

Die Sendung zum Nachschauen:

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erstellt am 16.Nov.2016 | 11:43 Uhr

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