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Politik

08. Dezember 2016 | 17:17 Uhr

Konflikte : Mindestens 30 Tote nach Luftangriffen auf Klinik in Aleppo

vom

Bei Luftangriffen auf ein Krankenhaus in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo sind trotz einer eigentlich geltenden Waffenruhe Dutzende Menschen getötet worden.

Rettungshelfer vor Ort berichteten von mindestens 30 Toten und 50 Verletzten bei dem Bombardement der Klinik, die ein wichtiges Zentrum für Kinderheilkunde beherbergte.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 27 Toten, darunter seien mindestens drei Kinder sowie einer der letzten Kinderärzte in dem Bezirk. Ärzte ohne Grenzen (MSF) zufolge starben in dem von der Organisation unterstützten Krankenhaus allein 14 Patienten und Ärzte. «Dieser schlimme Angriff hat ein unverzichtbares Krankenhaus in Aleppo und das wichtigste Zentrum für Kinderheilkunde in der Gegend zerstört», teilte der MSF-Leiter in Syrien, Muskilda Sankada, mit. Die Al-Kuds-Klinik im Stadtteil Al-Sukari werde von MSF mit medizinischer Ausstattung versorgt.

Aktivisten aus der Region sprachen sogar von 50 Todesopfern bei den Angriffen auf die Klinik am Mittwochabend. Anderswo in der Stadt seien mindestens 20 weitere Zivilisten in von der Opposition kontrollierten Gebieten umgekommen, so die Menschenrechtsbeobachter.

Von wem die Bombardements ausgeführt wurden, blieb zunächst unklar. Die Opposition beschuldigte das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen Verbündeten Russland. Ein Vertreter des syrischen Militärs bestritt nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, dass die Klinik von Flugzeugen der syrischen Regierung bombardiert worden sei. Das Verteidigungsministerium in Moskau wies der Agentur Interfax zufolge Berichte zurück, wonach russische Kampfflugzeuge an den Bombardements beteiligt gewesen sein sollen.

Den Rettungshelfern zufolge traf das Bombardement auch umliegende Gebäude, in denen medizinisches Personal untergebracht war. Es würden noch Menschen unter den Trümmern vermisst. Videoaufnahmen zeigten zerstörte Häuserfronten, brennende Gebäude und Helfer, die Leichen und Verletzte wegtrugen.

Angriffe auf Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen haben sich Analysten zufolge zu einer Kriegstaktik in Syrien entwickelt. Bei einem Angriff im Februar auf mindestens fünf Krankenhäuser und zwei Schulen waren nach UN-Angaben fast 50 Menschen ums Leben gekommen.

Aleppo gilt als das wichtigste Schlachtfeld in dem seit mehr als fünf Jahren andauernden Konflikt. Die Stadt wird teilweise von Einheiten Assads, teils von Rebellengruppen kontrolliert. Das Regime versucht, die letzte Nachschubroute der Aufständischen zu kappen und diese damit in Aleppo einzuschließen.

In der Nacht zum Donnerstag hatte der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, in Genf gewarnt, die derzeit geltende Waffenruhe sei «in großer Gefahr» und könne «jederzeit kollabieren». Er rief deshalb die USA und Russland zu einer neuen gemeinsamen Friedensinitiative «auf höchster Ebene» auf. Washington und Moskau hatten die über Wochen stabile Waffenruhe im Februar durchgesetzt.

De Mistura sagte, erst wenn die anhaltenden Angriffe in Aleppo und anderen Orten aufhören, sehe er die Möglichkeit, einen Termin für die Fortsetzung der Genfer Syrien-Gespräche anzusetzen. Aus Protest waren die Vertreter der Opposition Ende vergangener Woche abgereist.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich besorgt über die eskalierende Gewalt. Sein französischer Amtskollege Jean-Marc Ayrault verurteilte die Bombardierung und forderte ein kurzfristiges Ministertreffen der internationalen Unterstützergruppe für Syrien. Die Vereinten Nationen warnten vor einer massiven Verschlechterung der humanitären Lage im Bürgerkriegsland.

Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge sind seit vergangenen Freitag mehr als 150 Zivilisten bei Angriffen von Regimekräften und Rebellen in Aleppo umgekommen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) schätzte die Zahl am Mittwoch auf 89 Zivilisten.

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erstellt am 28.Apr.2016 | 18:41 Uhr

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