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Politik

04. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Putsch in der Türkei : Militärs gegen Recep Tayyip Erdogan: Was wir wissen - und was nicht

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Türkische Streikräfte wollten die Macht im Land übernehmen - und Erdogan loswerden. Doch ihr Putschversuch scheiterte.

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Panzer rollen durch die Straßen, Schüsse fallen, Kampfjets im Tiefflug: In der Türkei haben Teile des Militärs versucht, Präsident Recep Tayyip Erdogan zu entmachten. Die Lage in der Nacht war chaotisch, auch am Samstag waren viele Fragen offen.

Was wir wissen:

- Die Streitkräfte starten am Freitagabend einen Putschversuch gegen Erdogan. Sie wollen die Macht im Land übernehmen. Erdogan hat in den vergangenen Jahren versucht, das putschfreudige türkische Militär weitgehend zu entmachten.

- Die Militärs erklären, sie hätten die Kontrolle über die Türkei. Eine Ausgangssperre wird verhängt. Brücken, darunter die berühmte Bosporus-Brücke, und der Atatürk-Flughafen in Istanbul werden vorübergehend blockiert.

- Erdogan setzt sich zu Wehr: Er ruft das Volk per Telefon über den Sender CNN Türk auf, sich auf Plätzen und am Flughafen zu versammeln. „Sollen sie (die Putschisten) mit ihren Panzern und ihren Kanonen machen, was sie wollen.“ Viele Anhänger folgen der Aufforderung.

- In der größten Stadt Istanbul und der Hauptstadt Ankara fallen Schüsse, es gibt Explosionen. Kampfjets fliegen im Tiefflug über Istanbul. Das Parlament in Ankara wird bei Luftangriffen der Putschisten stark beschädigt.

- Am frühen Samstagmorgen trifft der Präsident in Istanbul ein. Er sagt, er sei in Marmaris an der türkischen Ägäis-Küste gewesen.

- Nach Angaben aus der Regierung sterben mindestens 265 Menschen, darunter 104 Putschisten. 1563 Soldaten sind nach Militärangaben festgenommen worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldet mehr als 1150 Verletzte.

- Am Samstagnachmittag soll das Parlament zu einer Krisensitzung zusammenkommen.

- UN, EU, USA, Deutschland und andere Staaten verurteilen den Putschversuch. Sie fordern, Blutvergießen zu verhindern und die demokratische Ordnung und Verfassung der Türkei zu respektieren.

- Die Sicherheitsmaßnahmen auf der auch von der Bundeswehr genutzten Luftwaffenbasis Incirlik im Süden des Landes sind verschärft worden. „Es handelt sich um eine routinemäßige, vorsorgliche Erhöhung der Bereitschaftsstufe zum Schutz der Soldaten“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Samstag. Die USA fliegen von Incirlik aus Luftangriffe gegen die Terrormiliz IS. Die Bundeswehr hat dort derzeit 240 Soldaten stationiert. Sie beteiligen sich mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen und einem Tankflugzeug am Kampf gegen die Islamisten. „Alle Soldaten sind wohlauf“, betonte der Sprecher. Die Lage sei völlig ruhig. „Es ist unklar, wie lange die höhere Bereitschaftsstufe dauern wird. Aber es dürfte kein Dauerzustand sein.“

Was wir nicht wissen:

- Wer steckt dahinter? Erdogan zufolge nur eine Minderheit der Streitkräfte, die Anhänger des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen sind. Gülen hat sich mit Erdogan überworfen und gilt in der Türkei als Terrorist. Der neue Militärchef kündigt an, Anhänger der Gülen-Bewegung aus den Reihen der Armee zu entfernen.

- Was wollen die Putschisten? Unter anderem dass die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederhergestellt werden, wie das Militär der privaten Nachrichtenagentur DHA zufolge mitteilt. Darüber hinaus gibt es öffentlich keine Agenda oder politische Ziele.

- Ist der Putsch niedergeschlagen? Erdogan sagt, das Land werde nicht vom Militär regiert. Im Armee-Hauptquartier in Ankara dauern die Operationen gegen Putschisten am Samstag an. Aus Regierungskreisen heißt es, dies sei „im Moment ihr letzter Stützpunkt“.

- Was bedeutet das für Urlauber? In Urlaubsregionen sei die Lage ruhig, sagt ein Sprecher des Veranstalters Thomas Cook - er habe zumindest keine gegenteiligen Informationen. Die Buchungen in die Türkei waren wegen der Anschläge in den vergangenen Monaten bereits eingebrochen. Mehrere Fluggesellschaften strichen ihre Türkei-Flüge.

- Wie geht es weiter? Erdogans Kritiker befürchten, er könne den Putsch nutzen, um Freiheitsrechte und die Presse weiter einzuschränken. Für das Militär hat er Vergeltung angekündigt. Zuletzt war die Türkei immer wieder von Anschlägen erschüttert worden, an Repressionen etwa gegen Journalisten hatte es auch im Ausland heftige Kritik gegeben.

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erstellt am 16.Jul.2016 | 14:37 Uhr

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