zur Navigation springen

Politik

06. Dezember 2016 | 17:08 Uhr

Vizekandidaten bei US-Präsidentschaftswahlen : Mike Pence gegen Tim Kaine: So lief das TV-Duell in den USA

vom

Tim Kaine zeigt sich aggressiver als sein republikanischer Kontrahent. Bei den Zuschauern gilt Mike Pence als Sieger.

Farmville | Ring frei für die Männer aus der zweiten Reihe. Im US-Wahlkampf trafen zum ersten Mal die Vize-Präsidentschaftskandidaten im TV-Duell aufeinander. Wie war noch gleich der Name? Viele Bürger kennen Tim Kaine und Mike Pence nicht. Deshalb dürften sie den Ausgang der Wahlen kaum beeinflussen.

Aus dem Rededuell der Präsidentschaftskandidaten in der vergangenen Woche war die Demokratin Hillary Clinton gegen den Republikaner Donald Trump als Siegerin hervorgegangen.

Es war nur eine Panne am Rande, aber nichts zeigt besser, dass Inhalte im US-Wahlkampf eigentlich überhaupt nicht zählen. In ihrem Blog feierten die Republikaner ihren Kandidaten für das Vize-Präsidentenamt Mike Pence als Sieger im TV-Duell. In der bekannt heroischen Art, die ihr Chef Donald Trump pflegt, schrieben sie: „Nachdem der Staub sich gelegt hat, war die einhellige Meinung, dass Mike Pence der klare Gewinner der Debatte war.“

Dumm nur, dass sie das Statement zu früh rausschickten, nämlich zwei Stunden, bevor die Debatte auch nur begonnen hatte. Die Glückwünsche gingen ins Leere. Trump selbst hielt sich zurück und gab erst nach der Debatte den erwartbaren Kommentar von sich: „Mike Pence hat klar gewonnen.“ Das fanden die Zuschauer laut ersten Umfragen auch.

Duelle quasi ohne Einfluss

Aber können solche TV-Duelle überhaupt den Ausgang der US-Wahl am 8. November beeinflussen? Nein, sagt die ehemalige CNN-Moderatorin Linda Roth: „Debatten ändern die Meinung der Wähler nicht.“ Das gilt umso mehr für die Auftritte der Vize-Kandidaten, da laut Umfragen mehr als ein Drittel der Amerikaner weder vom Republikaner Pence noch vom Demokraten Tim Kaine jemals gehört haben.

Leerer Campus

Auch am Ort der Debatte, in Farmville, einer verschlafenen Stadt in Virginia, zeigt sich gepflegtes Desinteresse. In den Straßen herrscht normaler Betrieb. Während drinnen der prominente Bürgerrechter Jesse Jackson mit den Journalisten plaudert, ist draußen auf dem Campus der Universität Longwood die Wiese vor dem Riesenbildschirm halb leer. Gerade mal 200 Studenten sitzen da, zwei müde Clinton-Anhängerinnen haben ihre „Hillary/Kaine“-Schilder neben sich gelegt, die Trump-Fans stehen nur ein paar Meter weiter.

Nur die Absperrgitter und die vielen Polizisten rundherum lassen erahnen, dass Amerika gerade nach Farmville schaut. Im Studio sitzen Pence und Kaine unter dem Wappentier der USA, dem Weißkopfseeadler, zwei gestandene ältere Herren kurz vor der 60, mit US-Sticker am Revers. Beide sind ehemalige Gouverneure, Polit-Profis eben. 90 Minuten lang debattieren sie über harte Politik, faktenorientiert und sachlich, von Syrien bis zur Abtreibung. Ein Gegenentwurf zur emotionalen Clinton-Trump-Debatte. Keine Dauer-Unterbrechungen, keine Grimassen, keine skurrile Lobhudelei, wie man es von Trump kennt.

Jeder spielte seine Rolle

Meinungsforscher empfehlen Zuschauern, die TV-Duelle ohne Ton anzusehen. Mimik, Gestik und Auftreten seien viel wichtiger. Wer am Abend vor dem Fernseher dennoch mit Ton geschaut hat, dem fiel auf, dass jeder Kandidat seine Rolle spielte. Mike Pence, der Ruhige und Beherrschte, meistert auch an diesem Abend mit Bravour die Aufgabe, seinen Präsidentschaftskandidaten Trump, der für beleidigende Kommentare bekannt ist, zu verteidigen. „Ich könnte nicht stolzer sein, für Donald Trump zu stehen“, sagt Pence voller Inbrunst.

Kaine ist der Aggressivere

Das macht er auch an diesem Abend geschickt. „Sie verkürzen das Zitat“, wirft er Kaine an den Kopf, als dieser Trump zitiert, der über Mexikaner gesagt hatte: „Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute.“ Der 57-Jährige hat noch einen Vorteil: Durch seine christlich-konservative Art erreicht er einen Teil der Partei, der für Trump nur schwer zu mobilisieren ist. Zudem greift er Clinton als Vertreterin des Establishments an. Kaine ist an diesem Abend der Aggressivere, unterbricht Pence mehrfach und sagt: „Trump steht nicht für die Wahrheit.“

Die Bedeutung der Vize ist gewachsen

Immerhin sind die Zeiten, in denen die Vize als vollkommen zweitrangig verspottet wurden, längst vorbei. Das Szenario, im Zweifelsfall als Commander in Chief aufzutreten, gab es immerhin schon neun Mal in der US-Geschichte. Zu den berühmten Beispielen zählen Harry S. Truman, und Lyndon B. Johnson, der für John F. Kennedy nachrückte.

Der ehemalige Stabschef von Präsident Bill Clinton, Roy Neel, sagt am Rande der Debatte in Farmville: „Der Erfolg des Vize ist der Erfolg des Präsidenten.“ Die Vizepräsidenten seien bedeutende Berater für ihre Chefs geworden – und haben im Wahlkampf vor allem eine Aufgabe: „Sie sollen wichtige Bundesstaaten gewinnen“, sagt Politikprofessor Eric Langenbacher von der Georgetown University in Washington. So soll Kaine für Hillary seinen Heimat-Bundesstaat Virginia mitbringen, wenn alles gut geht.

Farmville war das einzige Duell der Vize. Ab sofort richten sich die Schweinwerfer wieder auf die beiden Kandidaten im Ring, Clinton und Trump.

zur Startseite

von
erstellt am 05.Okt.2016 | 07:39 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen