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Kommentar : Merkels Trump-Mission

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Wenn es jemandem gelingen kann, den harten Kurs des US-Präsidenten einzudämmen, dann Merkel, glaubt US-Korrespondent Thomas J. Spang.

Washington | Vordergründig ging es bei dem Besuch Angela Merkels um das persönliche Kennenlernen. Natürlich macht es einen Unterschied, ob zwei Politiker nur übereinander sprechen oder sich schon einmal begegnet sind. Das erleichtert die Arbeitsbeziehungen und baut unnötige Schärfen ab. Diese Mission glückte der Kanzlerin, die mit gewohnter Lässigkeit Trumps Beleidigungen aus der jüngsten Vergangenheit überging.

So wichtig die Chemie zwischen politischen Führern auch sein mag, am Ende geht es nicht um persönliche Eitelkeiten, sondern nationale Interessen. Das machte Merkel deutlich, indem sie die Spitzen der deutschen Industrie mit an den Potomac brachte. Die Geste allein war ein Wink mit dem Zaunpfahl, der den Protektionisten daran erinnern sollte, das der freie Handel in seinem eigenen Interesse liegt.

Mit Straf- oder Grenzausgleichs-Zöllen gegen den Export-Weltmeister schnitten sich die Amerikaner selber ins Fleisch. Schließlich haben die 3700 deutschen Unternehmen rund 271 Milliarden Euro in den USA investiert und mehr als 750.000 Jobs geschaffen. Ein Großteil des 49 Milliarden großen Handelsüberschusses liegt an dem Erfolg deutscher Anlagen- und Maschinenbauer, ohne deren Produkte in vielen US-Fabriken die Lichter ausgingen.

Den Geschäftsmann Trump sollte diese Botschaft erreicht haben. Ob sie den „America-First"“-Nationalisten in ihm überzeugte, muss mit Skepsis abgewartet werden.  

Dasselbe lässt sich über das Bekenntniss zur NATO, der Indifferenz gegenüber der Europäischen Union und der unverbindlichen Haltung zum Klimaschutz-Abkommen sagen. Trumps Strippenzieher Steve Bannon verfolgt klar antagonistische Ziele.

Merkel verkörpert für ihn die letzte wahre „Globalistin“. Eine Analyse, die auch von Merkels Fans in den USA geteilt wird, die sie zur Führerin der Freien Welt beförderten. In dieser Rolle setzte sie fort, was Shinzo Abe, Teresa May und Justin Trudeau vor ihr versuchten: Trump an die westliche Werte-Gemeinschaft zu erinnern und ihn vor nicht reparablen Fehlentscheidungen abzuhalten. 

Wenn es jemandem gelingen kann, diesen Präsidenten einzudämmen, dann Merkel. Bei ihrem Antrittsbesuch in Washington hat sie ihr Bestes gegeben. 

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erstellt am 18.Mär.2017 | 09:06 Uhr

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