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Politik

25. Juli 2016 | 10:00 Uhr

US-Präsidentschaftswahl 2016 : Melania Trump: Vom Laufsteg ins Weiße Haus?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Melania Trump gelangte mit Hilfe ihres Aussehens in die glamouröse Welt ihres Mannes Donald Trump – nun will sie First Lady werden.

Über Donald Trump gibt es wohl nichts Wissenswertes, das nicht schon einmal irgendwo erwähnt, bewundert oder kritisiert worden wäre. Sein Reichtum, seine gelegentlich zwielichtigen Geschäftspraktiken, seine Frauen (offiziell und legal: drei), sein Macho-Gehabe und die krasse, polternde Art, sich über alles und jeden auszulassen. Nachdem er sich in den Vorwahlen zur Präsidentschaft jetzt von den Mitstreitern absetzt, wendet sich die Aufmerksamkeit vom Mann auf sein Umfeld. Wer ist eigentlich die Frau an seiner Seite, Melania (45)? Die derzeitige Mrs. Trump gelangte mit Hilfe ihres Aussehens vom heimischen Slowenien in die glamouröse Welt des Mr. Trump. Model mit 16, Vertrag in Italien nur zwei Jahre später. Das Studium von Design und Architektur hat sie zugunsten der einträglicheren Karriere als menschlicher „Kleiderständer“ aufgegeben – die Quellen streiten sich, ob sie je den Abschluss gemacht hat oder das Studium nur hinwarf. Dann kam der Sprung nach New York, wo Melania, die damals noch Knauss hieß, 1998 auf einer Fashion Week-Party Donald Trump vorgestellt wurde.

Ihr weiteres Schicksal war nicht ganz unausweichlich, denn angeblich wollte sie ihm ihre Telefonnummer nicht geben, sondern fragte nach seiner. Der Hintergedanke: Sie wollte sich nicht in die Legion der „Ex-Trump-Girls“ einreihen. Ein Mädchen hat schließlich seinen Stolz. Und es hat, wenn es so aussieht wie Melania – 1,85 Meter groß, blaue Augen über hohen Wangenknochen, brünette Mähne und geschätzte 45 Kilo Lebendgewicht inklusive Manolo Blahnik-Schuhe und Minikleid – die große Auswahl.

Melania ließ Trump warten und ging erst mal auf ihren nächsten Fototermin. Seine sprudelnde Art habe es ihr angetan, sagt sie in Interviews zum Thema. Und: „Bei unserem ersten Rendezvous haben wir stundenlang geredet.“ Im Jahr 2005 knüpften der milliardenschwere Geschäftsmann und das Modell den Bund fürs Leben. Standesgemäß wurde es ein rauschendes Fest auf dem Trump-Anwesen in Florida – und die geladenen Fernsehgrößen, Sportstars und Familie Clinton durften von den 3000 essbaren Rosen der Hochzeitstorte naschen.

Bilderbuchgemäß kam bald auch ein Kind dazu. Der kleine Barron William wurde 2006 geboren. Es gibt ein Foto, das die frischgebackene Mama mit ihrem Sohn auf dem Arm im goldenen Penthouse des Trump Towers in New York zeigt. Alles strahlt dort im Stil eines Mini-Versailles: Marmorsäulen, Kristalllüster und 24-karätige Zierleisten wohin man auch schaut – ein verheerender Kontrast zu den industriell stahlgefassten Fensterfluten. Geschmack lässt sich eben nicht kaufen, lästern Neider und deuten auch auf Melania selbst.

Die zeigt sich natürlich in teurer und erlesener Designerkleidung, die inzwischen aus wesentlich mehr Stoff besteht als früher. Im Jahr 2000, als ihr immer reger Ehemann kurz mit einer politischen Karriere innerhalb der Reformparty flirtete, ließ sie sich für das britische Magazin GQ auf einem Fell in Trumps Jet ablichten. Bekleidet nur mit Handschellen, die an eine Aktentasche gekettet waren – eine ganz andere Perspektive einer möglichen First Lady. Im gleichen Jahr ließ sie sich im scharlachroten Bikini auf einem dunkelblauen Teppich mit dem Siegel des US-Präsidenten ablichten. Ein Signal? Oder nur Frechheit?

Vom Laufsteg zur First Lady? Das ist nicht der abwegigste Karrierepfad und auch nicht der neueste. Vorgelebt wurde das von Carla Sarkozy, die einst als Carla Bruni die Titel der Modemagazine zierte. Das „First Model“ wäre Melania also nicht, aber immerhin das sprachbegabteste: Sie spricht vier Sprachen. Sie wäre seit 1825 auch die erste im Ausland geborene Präsidentengattin (Luisa Adams, die Frau von John Quincy, war Britin). Und die erste Drittfrau.

Als Nachfolgerin von Marla und davor Ivana Trump fiel Melania seit Beginn ihrer Ehe in der Öffentlichkeit durch eine Zurückhaltung auf, die in starkem Kontrast zu den Paukenschlägen steht, die stets die Anwesenheit ihres überlebensgroßen Gatten zu begleiten scheinen. Unternehmerische Versuche gab es auch bei ihr, aber weder ihre Schmucklinie „Melania“ noch die Gesichtspflege-Serie mit Kaviar aus Südfrankreich konnten sich langfristig etablieren.

Ihr Verkaufsforum, der Online- und Fernsehmarkt „QVC“, verhökert heute noch einige Restposten von mit Strass und türkisfarbenen Schmucksteinen besetzten Ohrclips (zu haben schon für 16,50 US-Dollar), glitzernden Ketten und Armbändern. Von den Cremes, die in Tiegelchen in Gold auf Weiß den Alterungsprozess bei Frauen aufhalten sollten, findet man nur noch Einzelprodukte im Regal, ebenfalls zum Sonderpreis.Heute gibt Melania „Vollzeit-Mutter“ als Beruf an und setzt sich für Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz ein.

Was für eine „First Lady“ sie sein würde? Die Frage beantwortet Melania Trump mit einem Bezug auf Jackie Kennedy: „Traditionell. Ich würde meinen Mann unterstützen und mich für Frauen und Kinder einsetzen. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Ich würde ich selber sein.“ Anders als Michelle Obama oder Hillary Clinton scheint die Trump-Gattin keine politischen Ambitionen zu haben. Auch die Frage nach den Einwanderungsgesetzen und Strafen, die ihr Mann erlassen würde und die im Widerspruch zu ihrem ehemaligen Einwandererstatus stehen, beantwortet sie gelassen: „Ich habe mich an die Gesetze gehalten. Ich wäre niemals ohne gültige Papiere geblieben. Donald ist nicht gegen Einwanderung. Er möchte nur, dass sich die Leute an die Regeln halten.“

In einem Interview mit der Grande Dame der Fragespielchen, Barbara Walters, verkündete das Ex-Modell letzten Herbst, dass man „sein eigenes Leben haben müsse“, wenn man mit einem Arbeitstier wie Donald verheiratet sei: „Es ist meine eigene Entscheidung, bei der Kampagne nicht dabei zu sein. Wir haben einen neunjährigen Sohn zusammen, den ich großziehe. In dem Alter braucht man ein Elternteil zuhause.“ Berater des nimmermüden Donald sehen seit Neuestem in Melania mehr als nur nur eine optische „Trump(f)karte“: Dass er eine Ausländerin geheiratet hat, dürfte ihn in den Augen vieler Wähler weniger fremdenfeindlich erscheinen lassen, denkt man. Ob es der 45-Jährigen in den kommenden Wochen und Monaten also vergönnt sein wird, hinter den Kulissen – hoch oben in ihrem Penthouse hinter den goldenen Türen – zu bleiben?

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