zur Navigation springen

Politik

05. Dezember 2016 | 19:45 Uhr

Tag der Deutschen Einheit in Dresden : Mehrere Tausend Pegida-Anhänger demonstrieren, Lammert hält Ruck-Rede

vom

Angela Merkel, Joachim Gauck und Norbert Lammert sind zusammengekommen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort.

Dresden | Pöbelnde Demonstranten haben die Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit in Dresden gestört. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach am Montag trotzdem von einem Tag der Freude und Dankbarkeit und rief zu gegenseitigem Respekt auf Bundestagspräsident Norbert Lammert warb beim Festakt in der Semperoper für ein weltoffenes, vielfältiges und optimistisches Deutschland. „Wir leben in Verhältnissen, um die uns fast die ganz Welt beneidet“, sagte er.

Die Kanzlerin, Bundespräsident Joachim Gauck und andere Gäste wurden vor dem Festakt von mehreren hundert Demonstranten beschimpft und angepöbelt, darunter vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses. Sie riefen „Volksverräter“, „Haut ab“ und „Merkel muss weg“. Auch Trillerpfeifen ertönten. Die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) brach in Tränen aus, als sie durch die aufgebrachte Menge ging.  Ein dunkelhäutiger Mann, der zum Gottesdienst wollte, wurde mit Affenlauten und „Abschieben“-Rufen geschmäht.

 

Nach dem Festakt nahmen 4000 bis 5000 Menschen an einem Pegida-Aufmarsch quer durch die Stadt teil. Zu Zusammenstößen mit Gegendemonstranten kam es dabei nicht. 2600 Polizisten waren im Einsatz.

Merkel ging in einer kurzen Stellungnahme am Rande des Festaktes nicht direkt auf die Störer ein, rief aber zur Dialogbereitschaft auf. 26 Jahre nach der Wiedervereinigung gebe es neue Probleme, sagte sie. „Und ich persönlich wünsche mir, dass wir diese Probleme gemeinsam, in gegenseitigem Respekt, in der Akzeptanz sehr unterschiedlicher politischer Meinungen lösen und dass wir auch gute Lösungen finden.“

Norbert Lammert in Dresden.

Norbert Lammert in Dresden.

Foto: dpa

Nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche fand die zentrale Feier in der Semperoper statt. Die Festrede hielt Bundestagspräsident Lammert, der von den Deutschen vor allem mehr Selbstbewusstsein, Optimismus und Zufriedenheit mit dem Erreichten verlangte. „Das Paradies auf Erden ist hier nicht. Aber viele Menschen, die es verzweifelt suchen, vermuten es nirgendwo häufiger als in Deutschland“, sagte der CDU-Politiker mit Blick auf die hunderttausenden Flüchtlinge im Land.

Lammert monierte, dass die Deutschen das Bild ihres eigenen Landes viel zu negativ zeichneten. „Wir können und dürfen durchaus etwas mehr Selbstbewusstsein und Optimismus zeigen“, sagte er. Deutschland könne sich „durchaus eine kleine Dosis Zufriedenheit“ erlauben, wenn nicht sogar ein Glücksgefühl. Das heutige Deutschland sei sicher nicht perfekt, aber in besserer Verfassung als je zuvor.

Die Frau des Ministerpräsidenten, Veronika Tillich, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), Su Yeon Hilbert, Frau des Dresdner Oberbürgermeisters, Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Die Frau des Ministerpräsidenten, Veronika Tillich, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), Su Yeon Hilbert, Frau des Dresdner Oberbürgermeisters, Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Foto: dpa

Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) warnte in seiner Rede vor den Gefahren des Populismus. „Beschämt erleben wir, dass Worte die Lunte legen können für Hass und Gewalt“, sagte der Bundesratspräsident. „Das ist menschenverachtend und zutiefst unpatriotisch. Dem stellen wir uns alle entgegen.“

Bei Twitter finden sich unter dem Hashtag #TdDE2016 zahlreiche Videos und Diskussionsbeiträge zum Thema:

 
 
 

Bereits am Sonntag sorgten ein Brandanschlag auf drei Polizeifahrzeuge sowie Pöbeleien gegen Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) für Aufregung. Vor einer Woche hatten Unbekannte Sprengstoffanschläge auf eine Moschee und das Kongresszentrum verübt, wo am Montagnachmittag der Empfang des Bundespräsidenten stattfand.

Merkel traf am Montag am Rande der Feierlichkeiten die Familie des Imams der Moschee.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Okt.2016 | 17:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen