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Politik

04. Dezember 2016 | 04:53 Uhr

Nach Terroralarm in Chemnitz : Leipzig: Wie Dschaber al-Bakr von einem Landsmann gefangen wurde

vom

Der Terrorverdächtige von Chemnitz ist gefasst. Dabei bekam die Polizei entscheidende Hilfe von zwei Syrern.

Leipzig | Zwei Tage nach dem brisanten Bombenfund in Chemnitz hat die Polizei den bundesweit gesuchten Terrorverdächtigen Syrer Dschaber al-Bakr in Leipzig festgenommen. Die Festnahme des 22-jährigen mutmaßlichen Islamisten gelang in der Nacht zum Montag. Dabei wurde die Polizei offenbar von einem Syrer unterstützt.

Die Polizei fasste Dschaber al-Bakr nach Spiegel-Informationen um 0.42 Uhr in der Wohnung eines Landsmanns, etwa 100 Kilometer nördlich von der durchsuchten Wohnung in Chemnitz. Al-Bakr hatte den Mann am Leipziger Hauptbahnhof angesprochen und gefragt, ob er bei ihm schlafen könne. Der Syrer lud ihn demnach zu sich nach Hause ein. Als er von der Fahndung hörte, informierte er am Sonntagabend die Polizei. Als die Beamten in der Wohnung im Stadtteil Paunsdorf ankamen, hatten der Wohnungsbesitzer und ein weiterer Syrer Al-Bakr bereits gefesselt.

Gegenüber bild.de bestätigte ein Sprecher des LKA: „Wir erhielten von ihnen einen Hinweis. Zwei syrische Männer haben ihn in ihrer Wohnung festgehalten.“ „Bild“ berichtete ebenfalls, dass al-Bakr bereits am Samstagmittag völlig aufgelöst Syrer am Leipziger Bahnhof angesprochen haben soll. Zu dem Zeitpunkt also, als die Polizei massiv die Präsenz erhöhte.

Am Montag bedankte sich sogar Bundeskanzlerin Angela Merkelfür Hinweis an Polizei. Der Mann habe maßgeblich dazu beigetragen, dass der am Samstag aus Chemnitz geflohene 22-Jährige habe festgenommen werden können, erklärte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin. Dafür danke die Kanzlerin ebenso wie für die Arbeit der Sicherheitsbehörden.

Die Polizei fasste den 22-jährigen Syrer in der Wohnung eines Landsmanns.
Die Polizei fasste den 22-jährigen Syrer in der Wohnung eines Landsmanns. Foto: Hendrik Schmidt
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Sie Spurensicherung war vor Ort.

Foto: dpa
Zwei Beamte verlassen das Haus im Stadtteil Paunsdorf in Leipzig.

Zwei Beamte verlassen das Haus im Stadtteil Paunsdorf in Leipzig.

Foto: dpa

Voraussichtlich um 13.30 Uhr wird es mehr Informationen geben. Dann wollen Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) und Jörg Michaelis (LKA-Präsident) eine Pressekonferenz in Dresden geben. Bislang will die Polizei Sachsen keine weiteren Angaben machen, um die Hinweisgeber nicht zu gefährden.

Der als Flüchtling registrierte Mann hat nach bisherigen Ermittlungen einen Bombenanschlag vorbereitet. Bei einer Anti-Terror-Razzia hatte die Polizei mehrere hundert Gramm hochexplosiven Sprengstoff sichergestellt, auch ein möglicher Komplize wurde festgenommen.

Bundesweit hatte die Polizei mit Hochdruck nach dem Verdächtigen gesucht, der Kontakte zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben soll. Die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen und Flughäfen wurde verschärft.

Die Bundesanwaltschaft führt die Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Es wurde deshalb erwartet, dass der Verdächtige noch am Montag in Karlsruhe dem Haftrichter vorgeführt wird.

Über mögliche Anschlagsziele wurde nichts bekannt. „Focus“-Informationen, wonach ein deutscher Flughafen angegriffen werden sollte, wurden von den Behörden nicht bestätigt.

Am Samstag war der Mann noch dem Zugriff in Chemnitz entkommen. Die Beamten gaben in dem Plattenbau-Viertel einen Warnschuss ab und sahen ihn auch, konnten ihn aber nicht fassen. Das Landeskriminalamt wies Vorwürfe zurück, es sei eine Panne passiert.

In dem noch nicht geräumten Haus habe man zu Recht Sprengstoff vermutet, sagte ein LKA-Sprecher. „In so einer Situation können wir nicht ins Risiko gehen.“ Nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR fanden sich in der Chemnitzer Wohnung etwa 500 Gramm bereits gemischter Sprengstoff und etwa ein weiteres Kilo Chemikalien, die zum Bombenbau geeignet sind. Außerdem stellte die Polizei Zünder sicher und Teile, die nach erster Bewertung zur Herstellung von Rohrbomben gedient haben könnten. Dem Bericht zufolge stand der Syrer offenbar über das Internet in Verbindung mit dem IS, auch über ein mögliches Ziel war anscheinend schon diskutiert worden - die Rede war von Berliner Flughäfen.

In Chemnitz in Gewahrsam genommen und befragt wurde am Sonntag ein weiterer Mann, der Kontakt zu dem gesuchten Syrer gehabt haben soll, wie die Polizei zuvor mitteilte. Das Spezialeinsatzkommando hatte auch hier die Tür aufgesprengt.

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erstellt am 10.Okt.2016 | 12:37 Uhr

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