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Sport und Propaganda in Nordkorea : Langlauf exotisch: Ausländer rennen Marathon in Pjöngjang

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„Die Leute anzufassen, das hat was.“ Mehr als tausend nutzen eine der wenigen Gelegenheiten, Nordkorea zu besuchen.

New York, Boston, Berlin oder auch Dubai: So etwa liest sich die Liste eines reiselustigen ambitionierten Marathonläufers. Aber Pjöngjang? Genau: Pjöngjang, Nordkorea. In die Weltgegend, in die die USA gerade Kriegsschiffe verlegen. Wo Kim Jong-un herrscht, der Atomraketen testen lässt und jüngst mutmaßlich seinen Halbbruder ermorden ließ. Mehr als 1100 Ausländer reisten an, um am Sonntag in Pjöngjang Marathon zu laufen, oder Halbmarathon, oder 10 Kiometer.

Das läuft natürlich nicht unpolitisch ab. Im Zentrum des Laufs steht der verstorbene Kim Il-sung, „ewiger Präsident“ und Großvater des aktuellen Kims. Amtszeit von 1948 bis 1994. Der Lauf startete laut offizieller Website im Kim Il-sung-Stadion, ging vorbei am Kim-il-Sung-Platz um dann  nach vielen Kilometern entlang am Taedong-Fluss wieder im Kim-Il-Sung-Stadium anzukommen.

 

Verpflegungsstation, beobachtet von einem Soldaten: Szene von Pjöngjang-Marathon am 9. April 2017.

Verpflegungsstation, beobachtet von einem Soldaten: Szene von Pjöngjang-Marathon am 9. April 2017.

Foto: Wong Maye-E/AP/dpa

Teilnehmer aus aller Welt müssen sich einer organisierten Reise anschließen, die vom Veranstalter Koryo Tours in Peking angeboten wird. Für insgesamt fünf Tage ab Peking werden dafür 1570 Euro fällig.  Etwas preiswerter geht es ab Shanghai für 1350 Euro.  (hier das Angebot des Veranstalters) Nick Bonner, Chef von Koryo Tours, sagte laut „Tiroler Tageszeitung“, dass ein Teil des Geldes an die Regierung Nordkoreas fließe.

Einer der Teilnehmer ist der 38 Jahre alte Philippe Sacher aus München, den der „New Zealand Herald“ so zitiert: „Ich weiß nicht, ob man sagen könnte, dass der Lauf auf meiner Liste war. Aber ganz gewiss ist das etwas Ungewöhnliches.“ Der brasilianische Läufer Soleiman Dias sagte laut „Tiroler Tageszeitung“: „Die Leute treffen, sie zu grüßen, sie anzufassen - das hat schon was“

Applaus für den späteren Sieger Pak Chol beim Pjöngjang-Marathon 2017.

Applaus für den späteren Sieger Pak Chol beim Pjöngjang-Marathon 2017.

Foto: Wong Maye-E/AP/dp
 

Seit 2014 können ausländische Amateure an den Rennen in Nordkoreas Hauptstadt teilnehmen, den Marathon selbst gibt es seit 1981. 40.000 Zuschauer schauten dieses Jahr zu, während der Läufe wurden sie im Kim-Il-sung-Stadion mit Fußballspielen unterhalten.

Vorbei am Kim-Il-sung-Platz beim Pjöngjang-Marathon 2017.

Vorbei am Kim-Il-sung-Platz beim Pjöngjang-Marathon 2017.

Foto: Wong Maye-E/AP/dpa
 

Ein Eliterennen gab es am Sonntag auch, mit einer Handvoll meist afrikanischer Ausländer, berichtet der „New Zealand Herald“. Die Siege bei den Männern und bei den Frauen blieben in Nordkorea. Pak Chol gewann das Herrenrennen in respektablen 2 Stunden, 14 Minuten und 56 Sekunden. Bei den Damen lag Jo Un-ok vorne. Sie brauchte auch nicht schlechte 2 Stunden, 29 Minuten und 23 Sekunden.

 

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erstellt am 10.Apr.2017 | 10:55 Uhr

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