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Politik

11. Dezember 2016 | 11:04 Uhr

Marxistische Guerillabewegungen : Krieg in Kolumbien: Historischer Friedensvertrag zwischen Farc und Regierung

vom

Der Krieg in Kolumbien gilt als ältester Konflikt auf dem amerikanischen Kontinent. Der Frieden mit den marxistischen Farc könnte nun das Ende einer Ära einleiten - der der bewaffneten Guerillabewegungen in Lateinamerika

Cartagena | Nach über 50 Jahren Bürgerkrieg will Kolumbien mit einer historischen Vereinbarung die Weichen für eine friedliche Zukunft stellen. Die kolumbianische Regierung und die marxistischen Farc-Rebellen unterzeichnen am Montag (17 Uhr Ortszeit/24.00 MESZ) einen Friedensvertrag. Im Beisein von zahlreichen Staats- und Regierungschefs sowie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wird in Cartagena de Indias an der kolumbianischen Karibikküste das seit 2012 mit internationaler Hilfe auf Kuba ausgehandelte Abkommen besiegelt.

In dem Konflikt zwischen Militär, rechten Paramilitärs und linken Guerillagruppen wurden über 220.000 Menschen getötet, rund sechs Millionen Menschen wurden aus ihren Orten vertrieben.

Die wichtigsten Punkte des Abkommens:

Landreform

Die extreme Konzentrierung des Landbesitzes war einer der Auslöser des Konflikts. Nun soll Grund und Boden gerechter verteilt werden. Ein Fonds soll in den kommenden zehn Jahren drei Millionen Hektar Land verteilen. Außerdem sieht der Plan unter anderem den Bau von Häusern, Schulungen für Bauern und den Aufbau von Vertriebsstrukturen für landwirtschaftliche Produkte vor.

Politische Teilhabe

Die Ex-Guerilleros sollen künftig politisch für ihre Ziele eintreten. Für die kommenden zwei Wahlperioden bekommen sie mindestens fünf Sitze im Senat und in der Abgeordnetenkammer garantiert. Danach müssen sie ihre Mandate im normalen Wahlprozess gewinnen. Der Staat garantiert die freie politische Beteiligung der ehemaligen Rebellen.

Endgültiger Waffenstillstand

Die Farc stellen alle militärischen Operationen ein und geben den bewaffneten Kampf auf. Die Kämpfer sollen sich in 28 Zonen im ganzen Land sammeln und ihre Waffen den Vereinten Nationen übergeben. Die ehemaligen Farc-Mitglieder erhalten für zwei Jahre eine monatliche Basisrente und eine Einmalzahlung von zwei Millionen Pesos (610 Euro). Die staatlichen Sicherheitskräfte beschützen die ehemaligen Rebellen.

Neue Drogenpolitik

Künftig sollen statt Repression Prävention, Schutz der Menschenrechte und Hilfe für die Bauern statt im Zentrum der Drogenpolitik stehen. Schritt für Schritt sollen die Koka- und Marihuana-Plantagen durch Anbauflächen für legale landwirtschaftliche Produkte ersetzt werden. Die Bauern werden bei der Umstellung unterstützt, Drogenanbauflächen werden aufgeforstet.

Sonderjustiz und Entschädigung der Opfer

Ein Sondertribunal soll die während des Konflikts verübten Verbrechen aufklären. Geständige Täter müssen für maximal acht Jahre in Haft. Die Suche nach Verschleppten wird intensiviert. Die Opfer des Konflikts werden entschädigt. 

 

Die noch rund 8000 Kämpfer der „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) sollen demnach in 28 Zonen ihre Waffen abgeben. Am 2. Oktober sollen die Kolumbianer über das Abkommen abstimmen. Die kleinere Rebellengruppe ELN kündigte am Sonntag an, ihre Angriffe an diesem Tag einzustellen, um den Menschen eine sichere Teilnahme zu ermöglichen.

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang tobte der Krieg mit den Farc in Kolumbien - der Konflikt gilt als der älteste in Lateinamerika. Die Rebellen hatten 1964 zu den Waffen gegriffen, um gegen das Elend der armen Landbevölkerung zu protestieren. Fünf Jahre zuvor war der Sieg der kubanischen Revolution zum Vorbild für zahlreiche linke Guerillagruppen auf dem ganzen Kontinent avanciert.

Hintergrund: Die Farc und Kolumbiens blutiger Konflikt

Die „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) sind die größte und älteste Guerillaorganisation Lateinamerikas. Zuletzt waren noch rund 8000 Kämpfer unter Waffen. Die Ursprünge liegen im Bürgerkrieg zwischen der liberalen und konservativen Partei in Kolumbien in den 1950er Jahren. Später diente die Guerilla der Kommunistischen Partei als militärischer Arm. Mit der Partei Unión Patriótica (UP) versuchte die Farc ab 1984, in die Politik einzusteigen. Rechte Paramilitärs töteten daraufhin Tausende Anhänger und Politiker der UP - das verschärfte den Kampf.

Auf dem Höhepunkt ihrer Macht führten die Farc von 1998 bis 2002 bereits einmal Friedensgespräche mit der Regierung. Damals wurde ihr eine demilitarisierte Zone von der Größe der Schweiz eingeräumt. Allerdings nutzten die Rebellen das Gebiet als Rückzugsort nach neuen Attacken, die Verhandlungen scheiterten.

In den vergangenen Jahren erlitten die Rebellen empfindliche militärische Rückschläge, die Kämpfer wurden müde. Auf der anderen Seite übernahm 2010 Juan Manuel Santos das Präsidentenamt. Er trat mit dem Ziel an, den Dauerkonflikt beizulegen und die Gegner erneut an den Verhandlungstisch zu bringen.

Die Farc finanzierten sich zuletzt durch Drogenhandel, illegalen Bergbau, Schutzgelder und Entführungen. Eines der prominentesten Opfer war die Ex-Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die bis 2008 über sechs Jahre in der Gewalt der Guerilla war.

Seit 1964 wird Kolumbien von dem Konflikt erschüttert - zuletzt gab es aber kaum noch Attacken. Linke Rebellengruppen, neben der Farc vor allem die ELN, kämpften gegen die Streitkräfte und die Polizei, bis vor einigen Jahren beteiligten sich zudem rechte paramilitärische Einheiten an den Auseinandersetzungen gegen die Guerillagruppen.

Über 220.000 Menschen wurden im Zuge des Konflikts getötet. Zudem wurden viele Kolumbianer aus ihren Heimatorten vertrieben und flohen in Elendsviertel am Rande der Großstädte. Die Regierungsstelle für Kriegsopfer zählt mehr als 7,6 Millionen direkte und indirekte Opfer des Dauerkonflikts. Nach Afghanistan ist Kolumbien das Land mit den meisten Landminen-Opfern.

 

Auch die Farc wollten durch Waffengewalt gegen die Ungerechtigkeit kämpfen und einen Politikwechsel erzwingen. Später wichen die Ideale oft der Entführung von Zivilisten als Kampfpraxis, finanziert wurde der Kampf seit langem auch durch den Drogenhandel. Mit den Farc tritt nun die größte der wenigen noch verbliebenen Guerillabewegungen in Lateinamerika ab.

Die Farc-Rebellen streben nun ein politisches Projekt an. Das Abkommen sieht nun eine Sonderjustiz von maximal acht Jahren Gefängnis für verübte Verbrechen vor, außerdem eine gerechtere Landverteilung und eine Bekämpfung des Drogenanbaus. Ökonomen rechnen mit einem deutlichen Wirtschaftswachstum durch das Friedensabkommen.

Auch die linke ELN-Guerilla führte bereits erste Gespräche über die Entwaffnung ihrer rund 1500 Kämpfer. Die Regierung fordert aber die Freilassung aller Geiseln als Bedingung für die Aufnahme von Friedensverhandlungen.

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erstellt am 26.Sep.2016 | 08:11 Uhr

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