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Politik

11. Dezember 2016 | 14:59 Uhr

Angela Merkel wird CDU-Kanzlerkandidatin : Kommentar: Es hat sich noch nicht ausgemerkelt

vom

Die Regierungszeiten von Merkel waren bislang keine goldenen Glanzzeiten, kommentiert Stefan Hans Kläsener.

Die Regierungszeiten der amtierenden Kanzlerin waren bislang keine goldenen Glanzzeiten. Sie hatte auch kein bahnbrechendes Projekt wie die Kohlsche Wiedervereinigung oder Schröders Agenda 2010. Angela Merkel hat hingegen drei Amtsperioden bestritten, die sich eher als Krisenzeiten und Notfallmanagement beschreiben ließen. Der Euro, Russland, neuerdings die USA – überall lauern die Problemfälle, und bei innenpolitischen Themen gibt es auch reichlich Auswahl.

Der Hauptvorwurf an diese Frau, die erste Kanzlerin der Republik wurde, ging an die Adresse ihrer merkwürdig farblosen, eher verwaltenden als gestaltenden Amtsführung. Ein einziges Mal hat sie dieses System durchbrochen, in einer dramatischen Nacht, als sie einen Zug vom Bahnhof Budapest-Ost durch Österreich gleich nach Deutschland durchfahren ließ. Seitdem staunten Freund und Feind, denn erstere fanden es eine falsche Entscheidung, zweitere hätten ihr das nicht zugetraut und es sich auch selbst nicht getraut.

Merkel ist eine Sphinx, ein seltsam den üblichen politischen Ritualen entrückter Mensch, obwohl sie doch Macht hat wie kaum ein anderer weltweit. Aber sie will diese Macht eigentlich gar nicht, zumindest geht sie damit sehr sparsam und dosiert um. Wenngleich zur Macht natürlich auch Härte gehört. Das haben Griechen, Bayern und Russen zu spüren bekommen.

Zu wünschen wäre ein Herausforderer aus dem linken Lager, der dieser Frau mehr abfordert als ihre bisherigen Gegenkandidaten. Dann wüssten die Wähler, was sie im September wählen. Ein reines „Keine Experimente“, wie es zu Adenauers Zeiten durchaus Sinn machte, wäre in so unsicheren Zeiten zwar verständlich, aber auch rätselhaft. Denn selbst nach elf Jahren kennen diese Frau selbst enge Weggefährten nicht. Wofür steht sie? Für eine vierte Kandidatur. Das immerhin wissen wir nun.

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erstellt am 21.Nov.2016 | 08:02 Uhr

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