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Politik

02. Dezember 2016 | 19:00 Uhr

Donald-Trump-Video : Kommentar: „Dieser Mann gehört auf die Couch eines Therapeuten“

vom

Ausfälle über Frauen kennt man von Trump schon. Doch die politische Dimension ist dieses Mal noch verheerender, kommentiert unser USA-Korrespondent Thomas J. Spang.

Aus, das war es. Der Mitschnitt aus dem Jahr 2005 dürfte als kumulativer Höhe- und Wendepunkt der bizarren Wahlschlacht zwischen dem Reality-TV-Star und Hillary Clinton in die Geschichtsbücher eingehen.

Der vulgäre Austausch zwischen Trump und „Hollywood-Access“-Produzent Billy Bush über eine verheiratete Frau, die der Milliardär nach eigenem Zeugnis in seiner Villa von Palm Beach sexuell belästigte, offenbart eine zutiefst gestörte Persönlichkeit. Dieser Mann gehört nicht ins Oval Office, sondern auf die Couch eines Therapeuten. 

So widerlich Trumps unverhohlener Sexismus ist, der Frauen zu Objekten seiner Begierde degradiert, so wenig erklärte dies die Brisanz des Videos. Seine Ausfälle gegenüber Frauen, die in Endlosschleife laufen könnten, sind ausführlich dokumentiert. Viel verheerender ist in diesem Fall die politische Dimension seiner Äußerungen, die ihn als Kandidat für das wichtigste Amt der Welt endgültig disqualifizieren.

Als „Star“, so prahlte er gegenüber dem kichernden George W. Bush-Vetter Billy in dem Mitschnitt, habe er einen Freifahrschein, Frauen an die Brüste oder zwischen die Beine zu fasse. Er könne mit Frauen machen, was er wolle. Damit provoziert Trump die Frage, was er wohl mit der sehr viel größeren Macht als Präsident der Supermacht USA im Weißen Haus anstellte? Die meisten Amerikaner wollen niemanden dort sitzen haben, der mit seinen Bürgern macht, was er will.

Trumps halbherzige Entschuldigung zur Geisterstunde und sein trotziges „Weiter so“, verstärken den Eindruck, der Kandidat habe den Ernst der Lage nicht verstanden. In seinem alternativen Universum glaubt der Narzisst wohl wirklich, er könne, wie er einem Interviewer im Frühjahr sagte, mitten in Manhattan jemanden auf offener Straße erschießen, ohne das dies Folgen für ihn hätte.

Das traf vielleicht auf seine gläubigen Anhänger während der Vorwahlen der orientierungslosen Republikaner zu, aber nicht auf die Wählerschaft der USA insgesamt. Mit dem harten Kern der Trumpers allein kann der Rechtspopulist am 8. November nicht gewinnen. Er braucht Unabhängige und Unentschiedene, zu denen auch viele konservative Frauen in den Vororten gehören.

Spät, viel zu spät dämmert den Republikanern, dass dieser Kandidat ihnen die Aussicht auf die Rückkehr an die Macht im Weißen Haus kostet. Und das in einem Jahr, in dem die Demokraten mit Hillary Clinton eine wenig beliebte und durchaus schlagbare Kandidatin ins Rennen geschickt haben.  

Trump gefährdet darüber hinaus auch die konservative Mehrheit im Senat, vielleicht sogar im Repräsentantenhaus. Wenn Konservative  wegen Trump nicht wählen gehen, leiden darunter alle anderen republikanischen Kandidaten, die mit auf dem Wahlschein stehen. Das erklärt, warum gleich reihenweise Abgeordnete in heller Panik aus den Notausgängen laufen.

Gewiss haben einige wie Senator John McCain, der selber schon ins Visier des Größenwahnsinnigen geraten war, ehrenwerte Motive. Die meisten müssen sich aber vorhalten lassen, Muslimen- und Mexikaner-Hetze, die Verhöhnung von Behinderten und eben auch Frauenhass aus zynischem Machtkalkül hingenommen zu haben.    

Selbst wenn Trump nun dem Ruf nach einem Rücktritt nachgäbe - was freiwillig gewiss nicht passiert - hätten die Partei keine Alternative. In vielen Bundesstaaten haben bereits hunderttausende Wähler ihre Stimmen abgegeben. Jeder Versuch, etwa Mike Pence in letzter Minute aufs Schild zu heben, endete im Chaos.

Hillary Clinton braucht eigentlich nur noch die Ruhe bewahren. Ihre Email-Affäre und die Wikileaks-Enthüllungen verblassen im  Vergleich zu den Eskapaden Trumps. Je mehr sie dem schrillen Rechtspopulisten die Bühne überlässt, desto mehr wird sich der unbeherrschte Trump um Kopf und Kragen reden. Wie vergangene Woche als er sich mitten in der Nacht in der Fehde mit einer früheren Miss Universe die Finger wund twitterte.

Seine dritte Ehefrau Melania mag ihm vergeben, dass er während ihrer Schwangerschaft, eine andere Frau sexuell belästigte. Die meisten Wählerinnen, und Konservative, die ihre Werte Ernst nehmen, werden das am Wahltag nicht vergessen. Jenseits eines Wunders dürfte seit diesem Samstag das Rennen für Trump gelaufen sein.

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erstellt am 09.Okt.2016 | 14:38 Uhr

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