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Politik

08. Dezember 2016 | 19:20 Uhr

Frieden : Kolumbien und die Farc-Rebellen: Ältester Konflikt Lateinamerikas ist Geschichte

vom

Die Unterhändler von Regierung und Farc-Guerilla haben sich auf einen Vertrag zur Beilegung der seit Jahrzehnten andauernden Kämpfe geeinigt. Jetzt müssen die Kolumbianer in einem Plebiszit nur noch zustimmen.

Havanna | Über 50 Jahre der Gefechte, Folter und Vertreibung in Kolumbien gehen zu Ende. Auf Kuba haben sich die kolumbianische Regierung und die linke Guerillaorganisation Farc auf einen Friedensvertrag geeinigt. „Nach über einem halben Jahrhundert der Kämpfe haben sich die Regierung und die Farc darauf verständigt, den bewaffneten internen Konflikt ein für alle Mal zu beenden“, teilten die Unterhändler am Mittwoch in Havanna mit.

Mit der Einigung in Kuba wird der älteste Konflikt Lateinamerikas beigelegt. In den Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Rebellen und rechten Paramilitärs kamen seit den 1960er Jahren über 220.000 Menschen ums Leben.

„Wir wollen nicht ein Opfer mehr in Kolumbien.“ Das Abkommen soll im September unterzeichnet werden.„Lasst uns gemeinsam eine neue Etappe unserer Geschichte beginnen“, sagte der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos in Bogotá. „Lasst uns aus unserer Nation das Land machen, von dem wir immer geträumt haben: Ein Land in Frieden.“

„Der Krieg ist vorbei“, sagte der Chefunterhändler der Regierung, Humberto de la Calle. „Die Farc hören auf, als bewaffnete Gruppe zu existieren und beginnen ihr Leben in der Demokratie.“ Die linken Rebellen wollen künftig als politische Partei für ihre Ziele eintreten. „Wir haben die schönste aller Schlachten gewonnen: den Frieden in Kolumbien“, sagte der Delegationschef der Farc, Iván Márquez.

Was ist die Farc?

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens - Volksarmee (Farc-EP) sind die größte und älteste Guerillaorganisation Lateinamerikas. Gemeinsam mit anderen Rebellengruppen kontrollierten sie einst große Teile von Kolumbien. Seit 2002 drängte das Militär die Farc immer weiter zurück. Nach Einschätzung von Experten hat die Guerilla derzeit noch rund 8000 Kämpfer unter Waffen.

Die Ursprünge liegen im Bürgerkrieg zwischen der liberalen und konservativen Partei in Kolumbien in den 1950er Jahren. Später diente die Guerilla der Kommunistischen Partei als militärischer Arm. Mit der Partei Unión Patriótica (UP) versuchte die Farc ab 1984, in die Politik einzusteigen. Rechte Paramilitärs töteten daraufhin Tausende Anhänger und Politiker der UP. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht führten die Farc von 1998 bis 2002 bereits einmal Friedensgespräche mit der Regierung. Damals wurde ihr eine demilitarisierte Zone von der Größe der Schweiz eingeräumt. Allerdings nutzten die Rebellen das Gebiet als Rückzugsort nach Angriffen und die Verhandlungen scheiterten.

Die Farc finanzieren sich durch den Drogenhandel, den illegalen Bergbau und Entführungen. Eines der prominentesten Opfer war die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die bis zu ihrer Befreiung 2008 über sechs Jahre in ihrer Gewalt war.

 

Die Guerilla räumte ein, für die Opfer des Konflikts mitverantwortlich zu sein. „In jedem Krieg werden Fehler gemacht“, sagte Farc-Unterhändler Márquez. „Unser Beileid für die Familien der Opfer. Reichen wir uns die Hände und rufen gemeinsam: Nie wieder.“

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Einigung. „Jetzt wo die Verhandlungen abgeschlossen sind, braucht es genauso entschlossene und beispielhafte Anstrengungen, um den Vertrag umzusetzen“, sagte Ban in New York. US-Präsident Barack Obama gratulierte der kolumbianischen Regierung zu dem Friedensvertrag.

In Bogotá brach während der Live-Übertragung der Friedensgespräche Jubel aus.
In Bogotá brach während der Live-Übertragung der Friedensgespräche Jubel aus. Foto: Mauricio Duenas Castaneda
 

Wie geht es jetzt weiter?

Am 2. Oktober müssen die Kolumbianer das Paket noch in einer Volksabstimmung billigen. In den jüngsten Umfragen lagen Befürworter und Gegner des Friedensabkommens mit jeweils rund 31 Prozent gleichauf. Die Gegner des Vertrags kritisieren vor allem, dass die Guerillakämpfer mit relativ milden Strafen davonkommen dürften.

„Die Kolumbianer halten den Schlüssel zu ihrer Zukunft in den Händen“, sagte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos in Bogotá. Der Frieden werde dem südamerikanischen Land mehr Bildung, Tourismus, Arbeitsplätze und Wohlstand bringen. Der Leiter der Regierungsdelegation, Humberto de la Calle, beschwor seine Landsleute, den Friedensvertrag anzunehmen: „Die Zukunft des Landes steht auf dem Spiel.“ In den Verhandlungen einigten sich die Unterhändler der Regierung und der Farc bereits auf eine Landreform, auf die künftige politische Teilhabe der Rebellen, auf neue Ansätze im Kampf gegen den Drogenhandel und eine Entschädigung der Opfer. Innerhalb von sechs Monaten sollen die Rebellen nun unter Aufsicht der Vereinten Nationen ihre Waffen niederlegen.

Außerdem vereinbarten beide Seiten ein eigenes Justizwesen zur Aufarbeitung der Verbrechen des Konflikts. Für politische Straftaten wird eine weitreichende Amnestie gewährt. Wer seine Beteiligung an schweren Verbrechen einräumt, muss mit einer Freiheitsstrafe von höchstens acht Jahren rechnen.

Die Europäische Union stellte Kolumbien für die Zeit nach dem Konflikt wirtschaftliche Unterstützung in Aussicht. Insgesamt stünden mehr als 400 Millionen Euro zur Verfügung, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zuletzt bei einem Besuch in Bogotá.

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erstellt am 25.Aug.2016 | 08:54 Uhr

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