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Machthaber in Nordkorea : Kim Jong Un zwischen Drohgebärden, Raketentests und Besuchen im Kinderheim

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Der 33-jährige Diktator testet Raketen und Atombomben. Während die Welt ihn sanktioniert, zeigt er sich volksnah.

Pjöngjang | Als Kim Jong Un und das Regime am 6. Januar 2016 vermeldeten, erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet zu haben, war der internationale Aufschrei groß. Der Test wurde verurteilt. Nur einen Monat später, am 7. Februar, testete Nordkorea erneut eine Rakete. Dabei wurde mit einer Trägerrakete ein Erdbeobachtungssatellit in die Umlaufbahn gebracht. Die USA, Südkorea und Japan sahen darin den Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete.

Nordkorea testet eine Langstreckenrakete im Beisein von Kim Jong Un am 7. Februar 2016.

Nordkorea testet eine Langstreckenrakete im Beisein von Kim Jong Un am 7. Februar 2016.

Foto: Imago/Kyodo News
 

Über Kim Jong Il, den Vater von Kim Jong Un, wurde bereits zu Lebzeiten Spaß gemacht. Ein Blogger rief die satirische Seite „Kim Jong Il Looking at Things“ („Kim Jong-il beim Betrachten von Sachen“) ins Leben. Er zeigte den 2011 verstorbenen Machthaber auf satirische Weise beim Betrachten von Schuhen, Nahrungsmitteln oder Computern. Sein Sohn steht ihm offenbar in nichts nach und scheint dies immer dann zur Ablenkung zu nutzen, wenn gerade mal wieder eine Rakete getestet wurde.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte erneute Sanktionen gegen das Regime. Und Kim Jong Un? Der tat das, was man offenbar in solchen Situationen macht. Der Machthaber besuchte im Januar nach dem Wasserstoffbombentest medienwirksam eine Fabrik in Pjöngjang, die Nahrungsmittel für Sportler herstellt.

Kim Jong Un besucht am 23. Januar 2016 eine Firma, die Nahrungsmittel für Sportler herstellt.
Kim Jong Un besucht am 23. Januar 2016 eine Firma, die Nahrungsmittel für Sportler herstellt. Foto: Imago/Xinhua

Unbeeindruckt von internationaler Kritik nach dem Raketenstart im Februar besucht Kim Jong Un im März eine Baustelle in Pjöngjang. In der Zwischenzeit kündigen die USA an, das Raketenabwehrsystem THAAD nach Südkorea zu verlegen.

Kim Jong Un besucht am 18. März 2016 die Bauarbeiten an der neuen Ryomyong Straße in Pjöngjang.

Kim Jong Un besucht am 18. März 2016 die Bauarbeiten an der neuen Ryomyong Straße in Pjöngjang.

Foto: Imago/Xinhua

Im April erlässt die Regierung von China ein Importverbot für Eisenerz und Kohle aus Nordkorea. Im Mai 2016 findet in Nordkorea der erste Parteikongress der Arbeiterpartei seit 36 Jahren statt. Kim Jong Un wird Vorsitzender der Partei.

Kim Jong Un beim Parteikongress.

Kim Jong Un beim Parteikongress.

Foto: Imago/Xinhua

Mitte Juni untersagt Peking den Export für waffenfähige Güter an Nordkorea. Den Diktator kümmert das wenig. Er geht an die Basis und testet Betten in einem zu eröffenenden Kinderheim. Zwischendurch testet er im Juli erneut Raketen.

Am 4. Juni 2016 besucht Kim Jong Un das renovierte Mangyongdae Kinderheim.
Am 4. Juni 2016 besucht Kim Jong Un das renovierte Mangyongdae Kinderheim. Foto: Imago/Xinhua

Am 9. September 2016 dann der nächste Schlag. Nordkorea testet erneut eine Kernwaffe. Der zweite Test innerhalb eines Jahres wird im Staatsfernsehen KCNA gefeiert. Die Sprengkraft wird später durch Auswertungen von Messstationen auf 25 Kilotonnen geschätzt – in etwa 150 bis 250 Prozent der Sprengkraft der Hiroshima-Atombombe. Man sei jetzt in der Lage, Atomsprengköpfe auf Trägerraketen zu montieren, heißt es aus Nordkorea. Der insgesamt fünfte Test seit 2006 wird international mit großer Besorgnis aufgenommen. Die USA, Russland, China, Südkorea und auch Deutschland verurteilten den Test. Die UN verhängen weitere Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen das Land.

Die Kritik perlt an Teflon-Kim ab. Kim Jong Un bezeichnet die Sanktionen als lächerlich. Man wolle endlich als Atommacht anerkannt werden. Nur vier Tage nach dem Test besucht der Diktator eine Farm und lässt sich bei bestem Wetter über die neuesten Trends beim Saatgut informieren. Eine neue Maissorte tauft er „Phyongok 9“.

Kim Jong Un besucht die Farm Nummer 1116, um sich über Saatgut zu informieren.
Kim Jong Un besucht die Farm Nummer 1116, um sich über Saatgut zu informieren. Foto: Imago/Xinhua

Im September besucht er dann noch eine Mineralwasserfabrik in Pjöngjang.

Kim Jong Un besucht am 30. September 2016 eine Mineralwasserfabrik in Pjöngjang.
Kim Jong Un besucht am 30. September 2016 eine Mineralwasserfabrik in Pjöngjang. Foto: Imago/Xinhua

Im Dezember folgt der Besucher eines Kinderheims in der Kangwon Provinz, bis am 17. Dezember, dem fünften Todestag des früheren Führers Kim Jong-il, eine gewaltige Feier zelebriert wird.

Kim Jong Un bei den Feierlichkeiten zum 5. Todestag von Kim Jong-il am 17. Dezember 2016.
Kim Jong Un bei den Feierlichkeiten zum 5. Todestag von Kim Jong-il am 17. Dezember 2016. Foto: Imago/Kyodo News

Auch nach den neuerlichen Raketentests im Jahr 2017 zeigte sich Kim Jong Un wieder in der Öffentlichkeit. So besuchte er im April einen Wettkampf von Panzerbesatzungen und ließ sich mit strahlendem Lächeln ablichten. Am 15. April jährt sich der Todestag seines Vaters erneut. Ein perfekter Zeitpunkt, es der Staatengemeinschaft mit einem neuerlichen Atombombentest so richtig zu beweisen.

Kim Jong Un am 1. April 2017 bei einem Wettbewerb von Panzerbesatzungen der nordkoreanischen Armee.

Kim Jong Un am 1. April 2017 bei einem Wettbewerb von Panzerbesatzungen der nordkoreanischen Armee.

Foto: Imago/Xinhua

Nach der Entsendung von US-Kriegsschiffen in Richtung der koreanischen Halbinsel hat Nordkorea seinen Ton nämlich wieder verschärft und mit militärischen Schritten gedroht. Das Land werde die „härtesten Gegenmaßnahmen gegen die Provokateure treffen, um uns mit starker Waffenmacht zu verteidigen“, erklärte das Außenministerium in Pjöngjang am späten Montagabend. Sollten die USA „für eine militärische Aktion optieren“, sei die Volksrepublik zur Reaktion auf jede von den USA gewünschte Art von Krieg bereit, wurde ein Sprecher von den Staatsmedien zitiert.

Weil es so schön ist, ein paar weitere Bilder aus der Reihe: Kim Jong Un Looking at Things:

Nordkoreas Führer besucht eine Fabrik in Pjöngjang, die Nahrungsmittel für Kinder herstellt.
Nordkoreas Führer besucht eine Fabrik in Pjöngjang, die Nahrungsmittel für Kinder herstellt. Foto: Imago/Xinhua
Kim Jong Un bei einem Fototermin mit Teilnehmern des 7. Treffens der Militärausbilder der Armee.
Kim Jong Un bei einem Fototermin mit Teilnehmern des 7. Treffens der Militärausbilder der Armee. Foto: Imago/Xinhua
Kim Jong Un beim Besuch einer Welsfarm in Pjöngjang im Oktober 2015.
Kim Jong Un beim Besuch einer Welsfarm in Pjöngjang im Oktober 2015. Foto: Imago/Xinhua
Kim Jong Un besucht am 21. Oktober 2015 die fertiggestellte Mirae-Wissenschaftler-Straße mit Wohnungen für Hunderte Familien.
Kim Jong Un besucht am 21. Oktober 2015 die fertiggestellte Mirae-Wissenschaftler-Straße mit Wohnungen für Hunderte Familien. Foto: Imago/Xinhua
Am 10. Oktober 2015 ist Kim Jong Un bei einer Militärparade in Pjöngjang anwesend.
Am 10. Oktober 2015 ist Kim Jong Un bei einer Militärparade in Pjöngjang anwesend. Foto: Imago/Xinhua
Kim Jong Un beobachtet Kampfflugzeuge bei einem Wettbewerb im Juni 2015.
Kim Jong Un beobachtet Kampfflugzeuge bei einem Wettbewerb im Juni 2015. Foto: Imago/Xinhua
Kim Jong Un besichtigt im Januar 2015 eine Pilz-Farm in Pjöngjang.
Kim Jong Un besichtigt im Januar 2015 eine Pilz-Farm in Pjöngjang. Foto: Imago/Xinhua
Kim Jong Un auf der Baustelle des internationalen Flughafens von Pjöngjang. Wie immer schreibt seine Gefolgschaft fleißig mit.
Kim Jong Un auf der Baustelle des internationalen Flughafens von Pjöngjang. Wie immer schreibt seine Gefolgschaft fleißig mit. Foto: Imago/Xinhua
 
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erstellt am 11.Apr.2017 | 12:47 Uhr

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