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Politik

11. Dezember 2016 | 01:22 Uhr

Nach VW-Dieselgate : KBA macht Ernst: Neue Abgas-Kontrollen - und zwar ohne Ankündigung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Start noch im Herbst. Die Mitarbeiter werden bereits geschult.

Im Kampf gegen den Abgasschummel in der Autobranche macht das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg jetzt Ernst. „Noch in diesem Herbst sollen die Echt-Untersuchungen beginnen“, sagte KBA-Sprecher Stephan Immen am Freitag dem sh:z. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums in Berlin sollen dann die ersten Autos für Abgaskontrollen aus dem Verkehr gezogen werden – und zwar ohne Ankündigung.

Das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg war bislang vor allem wegen des Punkteregisters bekannt. Seit dem VW-Abgasskandal verbindet man mit der Behörde allerdings auch Misstände bei der Aufklärung des Falls.

Autofahrer müssen deshalb aber keine Sorge um ihr Gefährt haben. Es gebe keine Kontrollen von Fahrzeugen bei Endverbrauchern, heißt es aus dem Ministerium. Vielmehr werde das KBA für die Messungen unangemeldet Fahrzeuge aus der Produktion ziehen oder testet Miet- oder Leasingwagen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte diese „Doping-Tests“ bereits im Vorfeld angekündigt. Mit zwei neuen, insgesamt 330.000 Euro teuren Messgeräten will das KBA Manipulationen besser und schneller erkennen. Seit Beginn des Abgasskandals bei Volkswagen vor mehr als einem Jahr war weiteren Autobauern vorgeworfen worden, die Abgasreinigung ihrer Modelle so programmiert zu haben, dass sie nur auf dem Prüfstand funktioniert.

Deshalb sollen Experten des KBA die Abgase bei Autos im normalen Betrieb auf der Straße untersuchen. Hier können „Pems“-Geräte (Tragbares Emissions-Mess-System) helfen. In Flensburg sind diese bereits an Autos montiert gesichtet worden. „Derzeit laufen Schulungsveranstaltungen“, sagte KBA-Sprecher Immen.

Den genauen Starttermin der Abgasuntersuchungen im Herbst wollte Immen noch nicht nennen – auch eine mögliche Teststrecke auf dem ehemaligen Flughafen in Leck (Kreis Nordfriesland) verwies er „noch in den Bereich von Spekulationen“.

Dass die Teststrecke nach Nordfriesland kommt, davon gehen die beiden Bürgermeister Andreas Deidert sowie Werner Schweizer aus Leck und Klixbüll jedoch fest aus. Nur das Wann bleibt unklar. Da das reguläre Genehmigungsverfahren für eine derartige Teststrecke bis zu zwei Jahre dauern könne, sei das KBA mittlerweile bemüht, mit einer Sondergenehmigung durch den Kreis Nordfriesland schon früher den Testbetrieb auf der Lecker Landebahn aufnehmen zu können, sagt Schweizer. „Ursprünglich wollte das KBA schon am 1. Oktober starten, nun soll es so schnell wie möglich losgehen.“

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen, die Deutsche Umwelthilfe und Autoclubs indes bezweifeln, dass das KBA für die „Doping Tests“ die geeignete Behörde ist. Sie schlagen das Umweltbundesamt vor.  

 

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erstellt am 14.Okt.2016 | 19:33 Uhr

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