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Politik

23. Januar 2017 | 17:49 Uhr

Tories nach Brexit-Abstimmung : Kampf um Cameron-Nachfolge: Theresa May, Michael Gove oder Andrea Leadsom ?

vom

Das Brexit-Votum hat die Konervative Partei in eine politische Krise gestürzt. Nach der Niederlage im Referendum kündigte Premierminister Cameron seinen Rücktritt an.

London | Auf der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Premierminister David Cameron wollen die britischen Konservativen am Donnerstag die beiden Final-Kandidaten bestimmen. Drei von ursprünglich fünf Politikern sind noch im Rennen: Innenministerin Theresa May, Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom und Justizminister Michael Gove. Wer die wenigsten Stimmen der Tory-Abgeordneten im Unterhaus bekommt, scheidet aus. Zwischen den beiden verbliebenen Bewerbern entscheidet dann bis zum Herbst die Parteibasis, etwa 150.000 Mitglieder.

Nach dem Brexit-Votum ist Großbritannien in einer Krise. David Cameron tritt zurück, sein vermeintlicher Nachfolger Boris Johnson kneift.

Das Ergebnis dürfte am Abend vorliegen, allerdings ist bis dahin auch ein freiwilliger Rücktritt möglich. Am Dienstag war bereits Ex-Verteidigungsminister Liam Fox rausgewählt worden, der viertplatzierte Arbeitsminister Stephen Crabb zog seine aussichtslose Kandidatur zurück. Die beiden Ausgeschiedenen haben ihren Anhängern empfohlen, sich hinter May zu stellen.

Der neue Parteichef und damit auch Premierminister soll bis zum 9. September feststehen. David Cameron war zurückgetreten, nachdem sich bei einem Referendum am 23. Juni 52 Prozent der britischen Wähler für den Brexit ausgebrochen hatten.

Als klare Favoritin gilt Theresa May, die anders als ihre Konkurrenten gegen den EU-Austritt Großbritanniens war, auch wenn sie sich im Wahlkampf stets EU-kritisch äußerte. Dem für gewöhnlich gut informierten Blog Conservativehome zufolge sind Leadsoms Chancen besser als die von Gove. Damit könnte es ein Finale unter Frauen geben.

Angesichts ihrer Favoritenrolle sagte May am Mittwoch, sie wolle keine „Krönung“. Sei sei die beste Kandidatin, um in den Austrittsverhandlungen mit der EU gute Bedingungen für Großbritannien zu erreichen und sowohl die gespaltene Partei als auch das Land wieder zu einen. Gove dagegen argumentiert, nun müsse jemand das Ruder übernehmen, der für den Brexit geworben habe.

Das sind die drei Kandidaten:

Theresa May
Im Rennen um die Nachfolge von Premierminister David Cameron ist sie eine Favoritin: Innenministerin Theresa May.
Im Rennen um die Nachfolge von Premierminister David Cameron ist sie eine Favoritin: Innenministerin Theresa May.   Foto:Andy Rain

 

Die Innenministerin wird als Favoritin für den Chefsessel gehandelt. Sie gilt als kühl, kompetent und neue „Eiserne Lady“ der Tories. Im ersten Wahldurchgang erhielt sie 165 Stimmen der konservativen Parlamentarier - und damit weit mehr als ihre Konkurrenten. Die 59-Jährige warb vor dem Brexit-Referendum verhalten für den Verbleib in der Union, blieb aber EU-kritisch, was ihr jetzt zugute kommt. Falls sie gewählt wird, will sie sich mit den Austrittsverhandlungen bis nächstes Jahr Zeit lassen. Als Innenministerin verantwortet May schwierige Themen: Terrorabwehr, Überwachung, Polizei, Kindesmissbrauch. Vor allem in Sachen Einwanderungspolitik gilt sie als knallhart.

Andrea Leadsome
Andrea Leadsom will sich nicht mehr zur Wahl stellen.
Andrea Leadsom will sich nicht mehr zur Wahl stellen. Foto:Sean Dempsey

 

Bis zum EU-Votum war die Energie-Staatssekretärin wenig bekannt. Doch während der Kampagne für den Brexit erwarb sie sich mit ihren sachlichen und durchdachten Argumenten Respekt. Nun gilt die 53-Jährige als gefährlichste Konkurrentin für May. Im ersten Auswahlverfahren stimmten 66 Konservative für Leadsom. Unter ihren Unterstützern ist auch der Brexit-Wortführer und Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson. Die Politikerin sieht den Austritt Großbritanniens aus der EU als große Chance für das Land. Falls sie Premierministerin wird, will sie mit den Austrittsverhandlungen aufs Tempo drücken. Vor ihrer politischen Karriere war Leadsom 25 Jahre lang als Bankerin tätig.

Michael Gove
Kandidiert für das Amt des britischen Regierungschefs: Justizminister Michael Gove.
Justizminister Michael Gove schied aus dem Rennen um die Cameron-Nachfolge aus. Foto:Andy Rain

 

Der Justizminister hat im Rennen um die Cameron-Nachfolge anscheinend die schlechtesten Karten, zumindest wählten ihn im ersten Durchgang nur 48 Konservative. Er warb mit Johnson für den Austritt aus der EU, obwohl er eigentlich ein enger Freund des Brexit-Gegners Camerons ist - oder war. Der 48-Jährige stand Johnson treu zur Seite, kündigte aber letztlich überraschend seine Kandidatur an. Mit dem Coup hat er sich wohl die Chancen auf die Nachfolge verbaut. Als Premier will er, wie May, bis nächstes Jahr mit den formellen Austrittsverhandlungen warten. Er schrieb früher für die konservative „Times“. Als Bildungsminister machte sich Gove mit seinen Reformen viele Feinde, wechselte dann ins Justizressort.

 
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erstellt am 07.Jul.2016 | 10:33 Uhr

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