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Politik

08. Dezember 2016 | 05:14 Uhr

15 Jahre 9/11 : Kampf gegen den Terror - eine Generation hat nicht ausgereicht

vom

George W. Bush sagte nach dem 11. September 2001, der Kampf gegen den Terrorismus werde eine Generation dauern. Der ehemalige US-Präsident hat sich vertan.

New York/Washington | Am fünfzehnten Jahrestag der Anschläge auf New York und Washington gilt es zwei Entwicklungen nüchtern festzuhalten. Niemand mit ungetrübter Sinneswahrnehmung kann ernsthaft behaupten, ein Sieg über den islamistischen Extremismus sei in greifbarer Nähe. Im Gegenteil gehört die Auseinandersetzung mit dem Terror heute zur Lebenswirklichkeit westlicher Gesellschaften.

Beides erlaubt nicht, zur Tagesordnung überzugehen. Die Sensibilität dafür scheint zurzeit in Europa akuter zu sein als in den USA. Kaum anders lässt sich erklären, warum der 15. Jahrestag des 11. September den alten Kontinent so viel mehr beschäftigt als die amerikanische Öffentlichkeit.

Die Routine des Erinnerns

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Wie jedes Jahr wird auch diesmal wieder der mehr als 3000 Toten der Anschläge auf die Symbole amerikanischer Macht gedacht. Inklusive einer Ansprache des Präsidenten im Pentagon, einer Zeremonie an Ground Zero und in Shanksville, Pennsylvania, wo der United-Flug mit der Nummer 93 nach einem Aufstand an Bord in einem Acker endete.

 

Aber der fünfzehnte Jahrestag wird kaum anders begangen als der vierzehnte oder der dreizehnte. Das Erinnern an den Terror vom 11. September ist in den USA eine Generation später so sehr Routine geworden, wie die massiven Sicherheitsvorkehrungen Teil des Alltags. Die junge Generation an Amerikanern kann sich an keine andere Realität erinnern als an ein Leben mit der terroristischen Gefahr.

In Europa haben die Anschlägen von Paris und Brüssel das Bewusstsein für den Ernst der Lage deutlich geschärft. Vom 11. September geht eine düsterere Faszination aus, die gleichzeitig die Befindlichkeiten von Gesellschaften reflektieren, die sich plötzlich ganz direkt herausgefordert fühlen.

Es braucht Geduld, Vernunft, Ausdauer - und Jahrzehnte

Verbunden mit dem zuweilen als bedrohlich empfundenen Strom an Kriegsflüchtlinge aus Syrien ging auch in Europa das Gefühl der Leichtigkeit verloren, das die USA schon vor fünfzehn Jahren verlassen hat. Gemeinsam bleibt die Herausforderung für Amerikaner und Europäer, dem Terrorismus das Wasser abzugraben und der Versuchung zu widerstehen, Osama bin-Laden einen posthumen Sieg zu bereiten.

Die Erben des Terrorfürsten der El-Kaida und deren Verwandten der Taliban, Boko Harams, Al-Shababs und des Islamischen Staats wünschten sich nichts mehr als einen Krieg der Zivilisationen. Die blondierten Rechtspopulisten von Donald Trump über Marine Le Pen bis Geert Wilders machen sich mit ihren pauschalen Verunglimpfungen einer ganzen Religion zu Erfüllungsgehilfen islamistischer Fieberträume.

Im Gedenken an die Terroropfer von Paris leuchtet die Spitze des One World Trade Centers New York in den Farben der französischen Flagge.
Im Gedenken an die Terroropfer von Paris leuchtet die Spitze des One World Trade Centers New York in den Farben der französischen Flagge. Foto: Daniel Reinhardt
 

Tatsächlich kann der Terror nur mit Hilfe gut integrierter Muslime im Westen und dem Aufbau von Zivilgesellschaften in der Region überwunden werden. Der Einsatz militärischer Gewalt ist nötig, die Symptome zu bekämpfen. Kurieren lässt sich dieses Krebsleiden dadurch aber nicht. Fünfzehn Jahre nach dem 11. September bleibt die Erkenntnis, dass eine Generation nicht ausreichte, die vielfältigen Quellen, aus denen sich der islamistische Terror speist, trocken zu legen. Ohne wirtschaftliche Chancen, religiöse Toleranz, soziale Gerechtigkeit, ethnische Vielfalt und politische Teilhabe wird das nicht gelingen.

Diese Herausforderung verlangt Geduld, Vernunft und Ausdauer - ein Prozess, der nicht Jahre, sondern Jahrzehnte braucht. Und ein gutes Vorbild in den westlichen Gesellschaften.

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erstellt am 11.Sep.2016 | 11:49 Uhr

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