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Politik

06. Dezember 2016 | 18:52 Uhr

Durch Notoperation gerettet : Jugendlicher sticht Grusel-Clown mit Messer nieder

vom

Seit Tagen kursieren Berichte und Bilder von aggressiven Menschen mit Clownsmasken. In Berlin wurde daraus jetzt blutiger Ernst.

Ein Grusel-Clown ist in Berlin mit einem Messer niedergestochen worden, nachdem er eine Gruppe Jugendlicher bedroht hatte. Der 16-Jährige mit der Clownsmaske wurde durch den Messerstich am Montagabend schwer verletzt und musste notoperiert werden, wie die Polizei mitteilte.

Nach der Tat stellte sich heraus, dass sich der 14-jährige Messerstecher und der vermeintliche Clown aus der Nachbarschaft kannten. Der 14-Jährige leistete noch Erste Hilfe, bevor der Krankenwagen kam. Zuletzt gab es vermehrt Übergriffe von als Clowns verkleideten Menschen.

Der Jugendliche mit der Maske war den Angaben zufolge abends mit einem Hammer in der Hand auf die Gruppe losgegangen. Der 14-Jährige zog daraufhin ein eigenes Messer und stach zu. Er wurde von der Polizei vorläufig festgenommen, dann aber seinen Eltern übergeben. Der «Berliner Zeitung» zufolge ist der 14-Jährige wegen Körperverletzung vorbestraft. Die Polizei ermittelt nun - die Frage ist unter anderem, ob es eine Notwehrsituation war.

Polizeisprecher Thomas Neuendorf sagte im RBB-Sender Radio Eins: «Gestern Abend ist das passiert, was wir immer befürchtet haben, dass das Ganze eskaliert ist.» Die Polizei rate aber davon ab, Widerstand zu leisten. «Natürlich kann man sich gegen einen Angriff wehren. Aber man muss eben auch das Augenmaß behalten. Aus unserer Sicht ist es tatsächlich besser wegzulaufen, weil so eine Sache eskalieren kann.» Anschließend könne man die Polizei informieren.

Zum diesjährigen Halloween sollten die Menschen auf Clownskostüme verzichten , meinte Neuendorf. «Man sollte das dieses Jahr auslassen. Das ist etwas hochgekocht. Richtig guten Gewissens kann ich es keinem empfehlen, als Clown auf der Straße rumzulaufen.»

Die Polizeiliche Kriminalprävention von Bund und Ländern erklärte: «Auch bloßes Erschrecken kann strafrechtlich relevant sein, wenn sich Erschreckte dabei verletzen oder in lebensgefährliche Situationen geraten.» Wer Menschen auch nur zum Schein mit Hammer, Messer oder sonstigen Gegenständen bedrohe, müsse mit Strafverfolgung rechnen.

Bundesweit registrieren die deutschen Behörden derzeit vermehrt Übergriffe und Angriffe bewaffneter Clowns. Die Täter in unheimlichen Kostümen erschrecken und bedrohen Passanten. Die gefilmten Aktionen werden häufig anschließend im Internet veröffentlicht.

Hinter diesen Attacken steckten zum Teil sadistische Absichten. Sie seien «ein völlig neues Phänomen, das Grenzen - auch strafrechtlicher Art - überschreitet», sagte Harald Dreßing, Leiter der Forensischen Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, der Zeitung «Mannheimer Morgen» vom Dienstag.

Nach Dreßings Einschätzung sind unter den Horror-Clowns auch destruktive Menschen mit sadistischen Motiven: «In allen Beispielen wird Macht über eine andere Person ausgelebt.» Charakteristisch sei, dass die Macht über vermeintlich Schwache wie Kinder und Ältere ausgeübt werde.

In München lief ein Grusel-Clown vergangene Woche mit einer Axt auf einen zehnjährigen Jungen zu. Auch in Österreich treiben die Clowns ihr Unwesen: Ein 19-Jähriger wurde in Tirol von drei Maskierten attackiert, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Der Mann war in Schwaz unterwegs, als zwei Clowns aus dem Gebüsch sprangen und auf ihn losgingen. Als der 19-Jährige flüchten wollte, stellte sich ihm ein weiterer Clown in den Weg und verletzte ihn mit einem Baseballschläger. Der Vorfall passierte in der Nacht zum Sonntag.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 18:27 Uhr

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