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Politik

05. Dezember 2016 | 05:31 Uhr

Nach Wahl von Donald Trump : Jared Kushner – Der mächtigste Schwiegersohn der Welt

vom

Der künftige Präsident Trump vertraut niemandem so sehr, wie dem Ehemann seiner Lieblingstochter Ivanka. Ein Portrait.

New York | Der junge Mann mit den freundlichen Lachgruben im Gesicht hat vieles mit dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten gemeinsam. Wie dieser kam er als Sohn eines erfolgreichen Bau-Unternehmers zur Welt. Sein Vater Charles Kushner machte wie Fred Trump Milliarden mit Immobilien in New York. Doch beiden Söhnen fehlte die Anerkennung in der High Society am Big Apple.

Donald Trump strebte sein ganzes Leben danach, Zugang zu den Eliten der Stadt zu finden. Er fand mit dem Trump-Tower seinen Platz im Herzen Manhattans, das ihn bis heute nicht liebt. Auch Jared Kushner jagt einer Reputation hinterher, die seine Familie verlor, als sein Vater vor zehn Jahren wegen Steuerhinterziehung, Korruption und Zeugenbeeinflussung hinter Gitter wanderte.

Während Trump es nie schaffte, das Halbseidene hinter sich zu lassen, litt Kushner darunter, akademisch nicht Ernst genommen zu werden. In einem Bestseller über die Käuflichkeit der Ivy-League-Schulen („The Price of Admission“) hatte der Autor Daniel Golden 2006 die Aufnahme Jareds an die Harvard-University zum Musterbeispiel für die Bestechlichkeit der Elite-Universitäten gemacht. 

Jared fand sich wie sein Schwiegervater in der Rolle des Außenseiters wieder – Vater Charles im Gefängnis in Alabama und er selber als Lachnummer unter seinen Kommilitonen in Harvard. Das mag erklären, warum sich die beiden Männer einander so nahe fühlen. Zusätzlich verbunden durch eine Frau, die Vater und Schwiegersohn abgöttisch verehren. 

„Er sieht in Mr. Kushner eine jüngere Version von sich selbst“, schreibt die New York Times über das narzisstische Verhältnis Trumps zu dem Mann, der gerade einmal halb so alt ist, wie er selber. Matthew Yglesias, der mit Jared in Harvard studierte, beobachtet in einem Porträt für das Online-Magazin VOX, die beiden seien getrieben von der „Rache an der kulturellen Elite, die sich über sie lustig machten“.  

Genau das ist das psychologische Bindeglied zwischen den beiden Milliardären und ihren oft wenig betuchten Anhängern in der Provinz. Wie diese pflegen Donald und Jared ausgeprägte Ressentiments gegen die High Society, die ihnen die Anerkennung verweigert.

Charakterlich unterscheiden sich die beiden in vielerlei anderer Beziehung. Kushner ist ein orthodoxer Jude, dessen Großeltern Überlebende des Holocaust sind. Trump stammt aus einer Familie, die ihre Wurzeln im pfälzischen Kallstadt hat. Sein Vater wird eine Nähe zum Ku-Klux-Klan nachgesagt, der nicht nur rassistisch, sondern auch anti-semitisch war.

Kein Wunder, dass es dem Schwiegersohn zufällt, Trump vom Vorwurf des Antisemitismus freizusprechen. Beobachter meinen, Kushners Hilfe bei der Formulierung der Rede vor der einflussreichen Israel-Lobby „AIPAC“ sei es gewesen, die ihm seinen Platz im Universum des künftigen Präsidenten für immer gesichert habe. 

Gerade weil die Rede nicht auffiel, half sie dem Kandidaten, der sich kurz vorher mit dem Versprechen der Neutralität im Palästinenserkonflikt in die Nesseln gesetzt hatte. Kushner zementierte damit seine Rolle als Intimus Trumps, der täglich den Rat seines politisch genauso unerfahrenen Schwiegergsohns einholt.

Analysten räumen ein, dass dieser fairerweise gar nicht so schlecht war. So sorgte Jared dafür, den unflätigen Wahlkampfmanager der Vorwahlen, Corey Lewandowski, kalt zu stellen. Statt im Weißen Haus endete Lewandowski als „Talking Head“ bei CNN. 

Dann riet er seinem Schwiegervater, Loyalisten zu übergehen, und den Konservativen Mike Pence als „Running Mate“ zu berufen. Damit sicherte sich Trump neben der traditionellen Basis der Republikaner die Stimmen der weißen Evangelikalen, die in Rekordzahl (81 Prozent) für den wenig frommen Kandidaten Trump stimmten.

Schließlich rächte sich Kushner an Chris Christie, der als Generalstaatsanwalt von New Jersey seinen Vater, der den Demokraten nahesteht, aus politischen Gründen ins Gefängnis schickte. Jared sorgte nach dem Wahlsieg Trumps dafür, Christie und dessen Verbündete aus dem Übergangsteam zu entfernen.

Nach dem Motto „wer zuletzt lacht, lacht am besten“ findet sich Kushner nun in einer unwahrscheinlichen Rolle wieder. Von niemandem gewählt, ohne jegliche Erfahrung mit öffentlichen Ämtern oder Verbündete in der Politik nimmt er nun Einfluss auf die Politik der Supermacht.

Trump traut ihm, weil er so ist, wie er selber: Niemandem außer sich selbst verpflichtet. Wobei sein Schwiegersohn im Unterschied zu ihm eine eher ausgleichende Persönlichkeit hat. Im Wahlkampf übernahm der Herausgeber des „New York Observers“ neben seiner Aufgabe als Ratgeber, die Strategie in den sozialen Medien.

Kushner lernte in Windeseile die Kunst des „Mikro-Targetings“ von Wählern, die aufgrund sozialer-demographischer Daten gezielt angesprochen wurden. Er steuerte Trump mit sicherem Instinkt in Regionen, die für dessen Ideen aufgeschlossen waren. 

Offen bleibt, ob Jared künftig eine offizielle Rolle übernehmen wird. Am Mittwoch startete der künftige Präsident den Testballon, Kushner als seinen Sondergesandten im Mittleren Osten zu installieren. Einer, der Frieden zwischen Palästinensern und Israelis vermitteln kann, und auch sonst hilfreich in der Region ist.

Kurioserweise dachte die Regierung des rechten Hardliners Benjamin Netanyahu umgekehrt darüber nach, Kushner als Vermittler zu dem unberechenbaren Trump anzuheuern. 

Egal wie seine Rolle formal definiert sein wird, an dem mächtigen Schwiegersohn wird künftig kaum ein Weg vorbeiführen. Er könnte für Trump werden, was Robert Kennedy für seinen Bruder John F. war – ein unbestechlicher Berater, der seine Ambitionen ganz in den Dienst des Präsidenten stellte.

Jared Kushner und Donald Trump verstehen intuitiv, dass ihr Ruf an dem Gelingen des versprochenen Wandels hängt. Sie stiegen zusammen an die Spitze der Supermacht auf und müssen sich dort nun als plausible Führer der Nation behaupten.   

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erstellt am 24.Nov.2016 | 19:00 Uhr

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