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Politik

04. Dezember 2016 | 01:01 Uhr

Tod des Ex-Präsidenten : Israel: Schimon Peres stirbt nach Schlaganfall

vom
Aus der Onlineredaktion

Peres hat bis zuletzt für Frieden in Nahost gekämpft: Nun ist der 93-jährige Ex-Präsident Israels gestorben. Mit ihm geht der letzte Politiker aus der Generation der Gründerväter des jüdischen Staates.

Tel Aviv | Israels Ex-Präsident Schimon Peres ist tot. Der 93-Jährige starb zwei Wochen nach einem schweren Schlaganfall in einem Krankenhaus in der Nähe von Tel Aviv, wie seine Sohn Chemi Peres am Mittwochmorgen mitteilte. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte bestürzt. Auch US-Präsident Barack Obama brachte seine tiefe Trauer über den Tod des Friedensnobelpreisträgers zum Ausdruck.

Peres' Familie war in den letzten Stunden bei ihm. Der Tod wurde um zwei Uhr nachts festgestellt, berichtete das israelische Fernsehen. Nach dem Schlaganfall war Peres an ein Beatmungsgerät angeschlossen und in Narkose versetzt worden.

Ein „Kämpfer für Israel“ und vom Volk geliebt

Peres war zweimal Israels Regierungschef und mehrmals Minister. Den Friedensnobelpreis hatte er 1994 als Außenminister gemeinsam mit dem damaligen Ministerpräsidenten Izchak Rabin und PLO-Chef Jassir Arafat erhalten. Von 2007 bis 2014 war er Staatspräsident.

Schimon Peres sei vom ganzen Volk geliebt worden, hieß es am Mittwoch in der Mitteilung von Netanjahus Büro. Die Regierung werde sich zu einer Trauersitzung versammeln. Mit dem Begräbnis wird am Freitag gerechnet, eine offizielle Mitteilung steht allerdings noch aus. Peres' Sarg soll laut Fernsehberichten am Donnerstag im Parlament aufgebahrt werden.

 

US-Präsident Barack Obama würdigte Peres als einen „Kämpfer für Israel“ und den Frieden im Nahen Osten. „Als Amerikaner stehen wir in seiner Schuld“, sagte Obama in einer Stellungnahme am Mittwochabend (Ortszeit). „Keiner hat über die Jahre hinweg mehr dafür getan als Schimon Peres, die Allianz zwischen unseren beiden Ländern aufzubauen - eine unzerbrechliche Allianz, die heute enger und stärker ist, als sie jemals war.“

Ein „leuchtender und sprachgewaltiger Träumer“

Mit Schimon Peres habe Israel einen „eifrigen Fürsprecher für Frieden und Versöhnung verloren“, schrieben der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und seine Frau und Präsidentschaftskandidatin Hillary auf der Internetseite der Clinton-Foundation. Peres sei ein „großherziges Genie“ gewesen, der seine Talente für eine „Zukunft der Versöhnung“ genutzt habe. Bis zum Ende sei der ehemalige israelische Präsident ein „leuchtender und sprachgewaltiger Träumer“ gewesen.

„Nie wieder. Nie wieder eine Rassenlehre. Nie wieder ein Gefühl von Überlegenheit“, sagte Schimon Peres 2010 in einer Rede im deutschen Parlament.
„Nie wieder. Nie wieder eine Rassenlehre. Nie wieder ein Gefühl von Überlegenheit“, sagte Schimon Peres 2010 in einer Rede im deutschen Parlament. Foto: dpa
 

Peres hatte sich trotz seines hohen Alters bis zuletzt unvermindert für eine Verständigung zwischen Israelis und Arabern eingesetzt, unter anderem mit seinem Peres Center for Peace in Tel Aviv. Er hatte nie die Hoffnung auf eine friedliche Lösung im Nahost-Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern aufgegeben.

Wohl durch sein beharrliches Streben nach Frieden war er zudem einer der wenigen israelischen Politiker, der im Ausland beliebt war. Peres äußerte sich auch als Staatspräsident immer wieder sehr politisch - ungewöhnlich für dieses Amt.

 

Peres wurde 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ost-Polen geboren und wanderte 1934 ins damalige Palästina ein. Er wurde auch als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt.

Der 93-Jährige hatte schon länger gesundheitliche Probleme. Zu Jahresbeginn hatte Peres bereits einen Herzinfarkt erlitten. Anfang September war ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt worden.

Porträt: Schimon Peres glaubte stets an ein Leben in Frieden

Schimon Peres' Leben

Erst im hohen Alter bekam Schimon Peres auch in Israel die Anerkennung, um die er ein Leben lang gekämpft hatte. Zwar hatte er schon 1994 gemeinsam mit dem damaligen PLO-Chef Jassir Arafat den Friedensnobelpreis erhalten. Doch erst im Verlauf seiner Karriere wandelte er sich vom umstrittenen linksorientierten Politiker zur nationalen Vaterfigur. Die Karriere krönte er 2007 mit der Wahl zum Staatspräsidenten Israels.

Peres galt als unerschütterlicher Optimist, der kaum eine Gelegenheit ausließ, trotz aller Zweifel zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern aufzurufen. Im Ausland war er vielleicht gerade deshalb einer der wenigen israelischen Politiker mit hohen Sympathiewerten. In seiner Heimat aber gab es nicht Wenige, die seinen Optimismus für etwas weltfremd hielten.

Peres bemühte sich stets um den Zusammenhalt der vielen Segmente der tief gespaltenen israelischen Gesellschaft. Der letzte Repräsentant der politischen Gründergeneration wurde auch für seine - trotz seines hohen Alters - schier endlos wirkende Energie bewundert. Der frühere britische Premier Tony Blair bezeichnete Peres als „den jüngsten 90-Jährigen, den ich kenne“. Peres war damals auch das älteste Staatsoberhaupt der Welt. Erst kurz vor seinem 91. Geburtstag endete seine Amtsperiode.

Nach seinem Amtsantritt als Staatspräsident 2007 hatte der zweimalige frühere Ministerpräsident auch eine aktive Rolle in der internationalen Diplomatie übernommen, obwohl das Präsidentenamt eigentlich auf Repräsentation ausgerichtet ist. Zwar arbeitete er eng mit dem konservativen Regierungschef Benjamin Netanjahu zusammen, bediente sich dabei nach außen hin aber einer eher behutsamen Sprache.

Immer wieder warf Peres sein Prestige in die Waagschale, das er im Westen als Architekt der früheren Friedensabkommen mit den Palästinensern und Repräsentant des aufgeklärten Israels genoss, um sein Land vor wachsender internationaler Isolation zu schützen.

In der arabischen Welt galt Peres jedoch eher als Opportunist, dessen Wort nur wenig Gewicht hat. Als Peres im Mai 2013 ein Bekenntnis zur Zwei-Staaten-Lösung ablegte, antwortete der palästinensische Chef-Unterhändler Saeb Erekat: „Das würden wir doch lieber aus Netanjahus Mund hören.“

Allerdings war der israelische Friedensvisionär, der 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ost-Polen geboren wurde, auch als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt. Peres, ein Vetter der früheren Hollywood-Schauspielerin Lauren Bacall, wanderte 1934 ins damalige Palästina ein.

Erst Hirte und Kassenwart einer Kollektivsiedlung, wurde er als junger Mann Mitglied der jüdischen Untergrundarmee Hagana. 1946 begann er seine politische Karriere in der Arbeitspartei und übernahm im Laufe der Jahrzehnte mehrere Ministerämter. Mit seiner 2011 gestorbenen Frau Sonia hatte er eine Tochter und zwei Söhne sowie mehrere Enkel und Urenkel.

Nach der Ermordung Izchak Rabins, Peres' Partner bei den Friedensvereinbarungen mit den Palästinensern, am 4. November 1995 übernahm er dessen Amt und wurde zum zweiten Mal Ministerpräsident. Nur sechs Monate später verlor er jedoch die Wahl, aus der Netanjahu als Sieger hervorging.

Ungeachtet aller Rückschläge bei den Bemühungen um einen friedlichen „neuen Nahen Osten“ erschien Peres stets als ewiger Optimist. „Erlauben Sie mir, ein Träumer inmitten meines Volks zu bleiben und die Sonnenseite unseres Staates zu repräsentieren“, sagte er bei seiner Antrittsrede als Staatspräsident. Den Traum vom Frieden müssen nun andere weiterträumen.

von Sara Lemel, Jan-Uwe Ronneburger und Stefanie Järkel, dpa

 

Zitate zum Tod von Schimon Peres:

„Ein Licht ist ausgegangen, aber die Hoffnung, die er uns gegeben hat, wird für immer brennen.“ (US-Präsident Barack Obama auf der Internetseite des Weißen Hauses.)

„Schimon Peres war vor allem ein Mann des Friedens. Mein tiefstes Beileid zu seinem Tod an seine Angehörigen und an das israelische Volk.“ (Der kanadische Premier Justin Trudeau auf Twitter.)

„Ich werde meinen brillanten und wortgewaltigen Freund Schimon Peres vermissen. Sein Leben war ein Segen für alle, die sich um den Frieden bemühen.“ (Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton auf Twitter)

 

„Schimon Peres war ein politischer Riese, ein Staatsmann, der als einer der führenden (Staatsmänner) dieser Epoche oder jeder Epoche dastehen wird, und jemand, den ich zutiefst geliebt habe.“ (Der ehemalige britische Premier und ehemalige Sondergesandte des Nahost-Quartetts Tony Blair.)

„Schimon Peres stirbt im Alter von 93. Ein großer Mann. Aber auch zutiefst menschlich.“ (Der britische Historiker Niall Ferguson auf Twitter.)

„Er war ein großer Patriot und wird sowohl in Israel als auch in Amerika vermisst werden.“ (Der republikanische US-Senator Ted Cruz auf seiner Internetseite.)

„Ich bedauere den Tod des ehemaligen israelischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Schimon Peres. Unser Beileid an seine Familie und seine Landsleute.“ (Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto auf Twitter.)

„Australien betrauert den Tod von Schimon Peres. Seine Leidenschaft für den Staat Israel (war) so stark wie sein Engagement für den Frieden.“ (Der australische Premier Malcolm Turnbull auf Twitter.)

„Mit dem ehemaligen Präsidenten Schimon Peres haben wir einen wichtigen Weltpolitiker und Freund Indiens verloren. Sein Tod schmerzt. Unser Beileid an das israelische Volk.“ (Der indische Premier Narendra Modi auf Twitter.)

 

„Präsident Schimon Peres war eine Stimme der Vernunft mit der Empfindsamkeit eines Poeten ... nachdenklich und leise, aber seine Worte hallten laut um die Welt.“ (Die US-Sängerin und Schauspielerin Barbra Streisand auf Instagram.)

 

„Heute Abend trauern die New Yorker um Schimon Peres, einen unermüdlichen Fürsprecher für Israel und einen visionären Kreuzritter für den Frieden.“ (Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio auf Twitter.)

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erstellt am 28.Sep.2016 | 08:16 Uhr

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