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Politik

03. Dezember 2016 | 03:33 Uhr

Nachwuchs-Sorgen : In fünf Jahren fehlen 500 Mathe-Lehrer in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gibt zu wenig Studenten: Auch deutschlandweit ist kaum Nachwuchs in Sicht.

Angehende Lehrer für Englisch, Geschichte oder Geografie gibt es genug; meist sogar so viele, dass nur die Allerbesten sofort eine Stelle bekommen. In den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern sieht das seit langem ganz anders aus. Hier nimmt das Land inzwischen jeden, der das Uni-Examen schafft – egal wie.

Und trotzdem bahnt sich eine Krise an. Von den derzeit 5300 Mathelehrern in Schleswig-Holstein gehen in den kommenden fünf Jahren rund 850 in Pension, weil sie die Altersgrenze erreichen. Die beiden für die Lehrerbildung zuständigen Hochschulen im Norden – die Kieler Christian-Albrechts-Universität und die Europa-Universität in Flensburg – bilden aber nicht genug Nachwuchs aus, um diesen altersbedingten Aderlass auszugleichen.

Zwar haben im Wintersemester 2014 rund 330 Abiturienten ein Mathestudium (Bachelor und Master) in Kiel oder Flensburg aufgenommen. Allerdings ist der Schwund riesig. Erfahrungsgemäß liegt die Abbrecherquote in Mathematik bundesweit bei rund 40 Prozent – entsprechend leerer werden die Hörsäle in den höheren Semestern.

Und von denen, die zum Examen schließlich antreten und es bestehen, zieht es etliche noch in andere Bundesländer oder sie wechseln in die Wirtschaft. So absolvierten im Juli insgesamt 86 angehende Mathelehrer ihr Referendariat in Schleswig-Holstein, so dass sie ab September als vollausgebildete Pädagogen vor der Klasse stehen können.

Für CDU-Bildungsexpertin Heike Franzen, die die Zahlen beim Bildungsministerium erfragte, steht fest: Der Norden läuft auf einen gefährlichen Engpass zu. Sie habe schon 2012 eine fächerspezifische Personalplanung im Lehrerbereich gefordert. „Nichts ist passiert“, so ihre Kritik. „Deshalb werden an unseren Schulen in den kommenden fünf Jahren 500 Mathelehrkräfte fehlen.“

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) habe immer noch keinen Plan, wo diese Lehrkräfte herkommen sollen. Vorsichtshalber erfasse Ernst deshalb gar nicht erst, wie viele laut Lehrplan vorgeschriebene Stunden in Mathe ausfallen, meint Franzen. „Sonst müsste Ernst das zugeben, was ohnehin schon alle Schüler, Eltern und Lehrer wissen: Es wird jetzt schon zu wenig Matheunterricht erteilt.“

Wie das erst werden soll, wenn 500 Fachlehrkräfte zusätzlich fehlen, könnten sich die Eltern kaum ausmalen. Ihr Vorschlag: „Es müssen jetzt unbedingt aktiv Absolventen aus anderen Bundesländern angeworben werden.“ Leicht wird das nicht, denn nach Aussage etlicher Bildungsforscher besteht deutschlandweit ein Mangel an Lehrern in Mathematik und Naturwissenschaften. Setzt sich der Trend fort, werde 2025 der Lehrerbedarf in den Mint-Fächern nur zu einem Drittel gedeckt.

Die Hochschulen im Norden haben laut Ernst bereits reagiert. Um zumindest die hohen Abbrecherquoten zu senken, werden in Kiel und Flensburg Vorkurse angeboten , um den Mathe-Stoff der Oberstufe zu festigen und Lücken zu schließen. Der eine oder andere merkt dort schon, ob er sich für das richtige Fach entschieden hat, denn Mathematik an der Universität unterscheidet sich stark von der in der Schule.

Um den Engpass zu überbrücken, der laut Ministerium schon heute in ausgewählten, ländlichen Regionen feststellbar ist, stellt Ernst zudem Seiteneinsteiger ein und bevorzugt Absolventen in den Mint-Fächern bei der Vergabe von Referendariatsplätzen.

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erstellt am 11.Aug.2016 | 19:56 Uhr

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