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Politik

08. Dezember 2016 | 13:06 Uhr

Schon mehr als 260 Tote in Haiti : Hurrikan „Matthew“ vor US-Küste: Florida bereitet sich auf das Schlimmste vor

vom

Dem Wirbelsturm fielen Hunderte Menschen in der Karibik zum Opfer. Nach dem Todeszug bangt Florida vor dem Hurrikan.

Miami/Port-au Prince | Hurrikan „Matthew“ hat in Haiti schon deutlich mehr Todesopfer gefordert als bisher angenommen. Allein in dem am stärksten betroffenen Department Sud starben mehr als 260 Menschen. Das berichtete der Radiosender Metropole am Donnerstag unter Berufung auf den örtlichen Zivilschutz. Zuvor hatten die Behörden 108 Todesopfer im ganzen Land gemeldet, davon 26 im Department Sud. Nach seinem tödlichen Zug durch die Karibik bangt die Ostküste Floridas vor dem Hurrikan.

Hurrikan «Matthew» zieht auf diesem Satellitenfoto nördlich von Kuba auf FDlorida zu.  NOAA
Hurrikan «Matthew» zieht auf diesem Satellitenfoto nördlich von Kuba auf FDlorida zu.  NOAA Foto: Noaa / Handout
 

Das Hurrikan-Zentrum in Miami sprach von einem „extrem gefährlichen Sturm“, US-Präsident Barack Obama verhängte den Notstand für Florida und South Carolina. Floridas Gouverneur Rick Scott aktivierte 2500 Nationalgardisten. „Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor“, sagte er. „Matthew“ hatte am Donnerstag wieder an Stärke gewonnen und steuerte Florida als Hurrikan der zweitstärksten Kategorie 4 an - mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 220 Stundenkilometern.

Allein im Sonnenscheinstaat waren 1,5 Millionen Menschen aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen, und weitere Hunderttausende in Georgia und South Carolina - die größte Zwangsevakuierung seit dem schweren Sturm „Sandy“ im US-Osten im Jahr 2012. Insgesamt wurde für ein Gebiet mit elf Millionen Menschen eine Hurrikan-Warnung ausgegeben. Georgias Gouverneur Nathan Deal ordnete für sechs Bezirke an der Küste Evakuierungen an.

Experten nannten „Matthew“ den möglicherweise gefährlichsten Sturm seit „Andrew“, der vor 24 Jahren Florida getroffen hatte. Er richtete damals schwere Verwüstungen an und riss 65 Menschen in den Tod. „Bringt euch in Sicherheit, dies ist eure letzte Chance. Bleibt weg von den Stränden. Der Sturm wird euch töten“, appellierte Gouverneur Scott an die Küstenbewohner. Erwartet würden schwerste Sturmfluten, Überschwemmungen, Zerstörungen, heftiger Regen und Stromausfälle für Hunderttausende Haushalte.

Weltraumbahnhof Cape Canaveral geschlossen

Nach Vorhersagen der Meteorologen in Miami sollte „Matthew“ am Donnerstagabend (Ortszeit) als Hurrikan der zweitstärksten Kategorie auf einen Kurs nordwärts entlang der Küste einschwenken - in extremer Landnähe oder möglicherweise auch mit einem Landfall nach Mitternacht zwischen Fort Pierce und Melbourne. Auch die sogenannte Space Coast mit dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral galt als besonders gefährdet.

Aber auch wenn das Auge des Sturms auf seinem Zug nordwärts ganz über Wasser bleiben würde, sei wegen der Küstennähe mit möglicherweise katastrophalen Auswirkungen zu rechnen, warnte das Hurrikan-Zentrum.

Bereits am Donnerstagmorgen waren mehr als 1500 Flüge in den US-Südosten vorsorglich gestrichen worden. Der Flughafen Fort Lauderdale in Florida wurde geschlossen.

Die Eisenbahngesellschaft Amtrak stellte den Verkehr in die bedrohten Gebiete ein. An vielen Tankstellen bildeten sich lange Warteschlangen, in den Geschäften gab es einen Ansturm auf Notvorräte. Taschenlampen und Generatoren waren vielerorts ausverkauft. Der Weltraumbahnhof der Nasa wurde am Donnerstag geschlossen. Mitarbeiter trafen letzte Sicherheitsvorkehrungen. Auch die Themenparks Disney World, Seaworld und Universal Studios in Orlando machten zu.

In der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) war „Matthew“ mit Windgeschwindigkeiten von 185 Stundenkilometern über die Bahamas gezogen. Zuvor hatte er vor allem in Haiti schwere Überschwemmungen und Verwüstungen angerichtet.

In der Dominikanischen Republik kamen vier Menschen ums Leben. 25 Häuser wurden zerstört und 54 Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Berichte über schwerere Zerstörungen auf den Bahamas gab es zunächst nicht. Dagegen wurden in Haiti nach Behördenangaben mehr als 28.000 Häuser beschädigt; dabei seien die Schäden noch längst nicht im ganzen Land erfasst.

„Matthew“ war mit Windegeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde auf Haiti getroffen. Danach zog der Wirbelsturm der Kategorie 4 weiter Richtung Nordwesten.
„Matthew“ war mit Windegeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde auf Haiti getroffen. Danach zog der Wirbelsturm der Kategorie 4 weiter Richtung Nordwesten. Foto: Orlando Barria

Auch Teile der Hauptstadt Port-au-Prince wurden überflutet. Im Slum Cité Soleil seien die Abwasserkanäle übergelaufen und viele behelfsmäßige Hütten weggespült worden, berichtete der Leiter der Malteser in der Region, Ravi Tripptrap. Caterina Becorpi vom Deutschen Roten Kreuz in Haiti sagte: „Zwischen Port-au-Prince und den Departments im Süden stürzte die wichtigste Brücke ein, zahlreiche Häuser und Felder wurden zerstört.“ Die USA schickten Militärhubschrauber und andere Hilfsleistungen in den Inselstaat.

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erstellt am 07.Okt.2016 | 07:23 Uhr

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