zur Navigation springen

US-Wahlen : Hillary Clinton und Donald Trump im TV-Duell: So gehen die Kandidaten ins Rennen

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwei Kandidaten, eine Bühne: In der Nacht zu Dienstag kommt es zum ersten direkten Schlagabtausch zwischen Clinton und Trump. Die Vorbereitungen laufen seit Monaten. Eine Analyse.

Hempstead | Die Erwartungen könnten höher nicht sein. Die Symbolik erst recht nicht. Da wäre das Datum, der 26. September. Es wird dann genau 56 Jahre her sein, dass Richard Nixon auf John F. Kennedy traf: Die erste TV-Debatte zweier Präsidentschaftskandidaten. Am Montag (in Europa in der Nacht zu Dienstag) begegnet Hillary Clinton 90 Minuten lang Donald Trump. Es könnte das wichtigste Duell in der Geschichte der USA werden.

Der Wahlkampf in den USA ist stark auf die Personen ausgerichtet. Daher wird er zwischen den Kontrahenten auch häufig persönlich ausgetragen. Wichtige Sachthemen geraten dabei in Vergessenheit und Wähler laufen Gefahr, in erster Linie nach Sympathiewerten zu stimmen.

Vor der ersten live im Fernsehen übertragenen Debatte an der Hofstra-Universität auf Long Island versuchen beide Wahlkampfteams, die Erwartungen herunterzusetzen. Je niedriger die Latte für den eigenen Kandidaten liegt, desto einfacher lässt sich anschließend ein Sieg behaupten.

Die drei Debatten an diesem Montag in New York (shz.de berichtet in der Nacht zu Dienstag im Liveticker), am 9. Oktober in St. Louis, Missouri, und am 19.10 in Las Vegas, Nevada gelten als letzte gute Chance Trumps und Clintons, ein dreistelliges Millionenpublikum zu erreichen und Eindrücke zu zementieren.

Die Vorbereitungen für den Abend laufen seit Wochen auf Hochtouren. Beide Lager schickten Teams von Anwälten los, um die Details auszuhandeln. Licht, Bühne, Raumtemperatur - alles wurde penibel genau abgestimmt.

Der aktuelle Stand der Umfragen: Clinton knapp vorn

 

Bei einer Wahl, die auf Messers Schneide steht, könnten die Aufeinandertreffen mehr Einfluss haben als gewöhnlich. Die Umfragen der letzten Tage sehen Clinton national und bei den sehr viel entschiedeneren Wahlmänner-Stimmen um eine Nasenlänge vorn.

Foto: dpa
 

Es dürfte also eng werden am 8. November. So eng, dass ein ungeduldiger Seufzer, wie der Al Gores in der Debatte mit George W. Bush im Jahr 2000, oder eine rhetorische Retourkutsche, wie Ronald Reagans „There you go again“ beim Kräftemessen mit Jimmy Carter 1980, nachhaltige Folgen haben.

So bereiten sich die Kandidaten vor - oder auch nicht

 

Trump und Clinton rüsten sich sehr unterschiedlich für die Herausforderung. Der Republikaner lässt es dem Vernehmen nach locker angehen. Er schaut nur gelegentlich in die Briefing-Mappen, die ihm sein Wahlkampfteam zusammengestellt hat. Übungsdebatten sind Trump ein Graus, weil sie seiner Meinung nach zu viel von der Spontaneität wegnehmen. Er lehnt es ab, hinter einem Podium zu stehen, sondern tauscht lieber Ideen mit seinen Beratern aus.

Während Trump noch bis Samstagabend im Wahlkampf aktiv bleibt, bereitet sich Clinton schon seit Tagen hinter verschlossenen Türen in New York auf die Debatte vor. Sie studiert Fakten und Programme, schaut sich Videos an, die Stärken und Schwächen ihres Gegners offenbaren, und übt. Wer bei den Probedebatten den Trump gibt, verrät ihr Team nicht.

So viel ist sicher: Die Demokratin hat keine guten Wochen hinter sich. Dass sie die Hälfte von Trumps Anhängerschaft mal eben als „erbärmlichen Haufen“ abtat, wurde ihr als schwerer Fehler angelastet. Der Umgang mit ihrer Lungenentzündung nährte wenig später so ziemlich alle Vorwürfe von Geheimniskrämerei, mit denen sie sich ohnehin schon rumschlägt.

Dann kam der Bombenanschlag von New York und die 68-Jährige machte keine gute Figur. Während Clinton zur Besonnenheit mahnte, prophezeite Trump neue Anschläge. Seine düstere Zustandsbeschreibung und seine Forderungen nach mehr Härte verfangen in einer Gesellschaft, deren Selbstverständnis noch immer vom Trauma des 11. Septembers geprägt ist. In einer Umfrage aus dem August gaben 56 Prozent an, die Lage in den USA sei bedrohlich.

Trumps Antworten darauf mögen einfache sein; Clinton blieb sie weitgehend schuldig. Dabei ist die nationale Sicherheit eigentlich ein Kernthema der Ex-Außenministerin.

Doch auch Trump steht unter Druck. Um Wissenslücken zu korrigieren, sei eine intensive Vorbereitung eigentlich unabdingbar, schreibt der Journalist James Fallows in einem Beitrag für den „Atlantic“. Aber Trump verzichtet auf die klassischen Probedebatten. „Ich glaube, man kann sich auf diese Sachen auch zu intensiv vorbereiten“, sagte er in einem Interview. „Das kann gefährlich sein.“ Er wolle das tun, was er immer mache.

Das sagen die Analysten

Mit Spannung wird das TV-Duell erwartet.
Mit Spannung wird das TV-Duell erwartet. Foto: dpa
 

„Die Leute verfolgen das wie ,Dancing with the Stars’“, sagt Chris Lehne, der Gore half, sich auf seine Debatten vorzubereiten. Die Inhalte seien schnell vergessen. Am Ende bleibe ein Gesamteindruck zurück. Die Analysten stimmen weitgehend darin überein, dass Trump die Zuschauer überzeugen muss, das richtige Temperament und Charakter für das wichtigste Amt der Welt zu haben. Die Wähler müssen sich den Kandidaten im Weißen Haus vorstellen können. Clinton dagegen steht vor der Aufgabe, ihre Glaubwürdigkeitslücke zu schließen. Das Misstrauen gegenüber ihrer Person bleibt ihre größte Herausforderung.

Die große Unbekannte aus Sicht des Clinton-Teams bleibt die Frage, welche der vielen Persona Trumps auftreten wird. Der medial versierte Reality-TV-Star hat umgekehrt keine Erfahrung, auf der Bühne alleine gegen eine Frau zu debattieren.

Was passiert direkt nach der Debatte?

Nach den ersten 90 Minuten an diesem Montagabend in New York werden die Amerikaner - es könnten 100 Millionen Zuschauer werden - mehr wissen. Aber: Das Narrativ des Abends wird nicht nur während der 90 Minuten geformt, in denen beide auf der Bühne stehen. Entscheidend sind auch die Momente danach, wenn ganze Mannschaften aus beiden Lagern ausscheren, um im sogenannten Spin Room ihre Version des Geschehens zu verbreiten. „Manchmal ist einer der Kandidaten in der Debatte besser, aber der andere hat die besseren Spindoktoren“, sagt der Debattenforscher Kall. „Es ist alles ein Prozess: die Erwartungen, die tatsächliche Debatte und dann der Nachklang.“

zur Startseite

von
erstellt am 25.Sep.2016 | 09:04 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen