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Politik

08. Dezember 2016 | 23:14 Uhr

Präsidentschafts-Wahlen : Hillary Clinton: Lungenentzündung im Fieber des US-Wahlkampfs

vom

Hillary Clintons Schwächeanfall rückt die Gesundheit der Präsidentschafts-Kandidaten ins Zentrum des US-Wahlkampfs. Die Nation übt sich in Ferndiagnosen.

Washington | Donald Trump versteckt in seinen Genesungswünschen für Clinton eine giftige Pille. „Irgendwas geht vor sich“, insinuiert der 70-jährige im Frühstücksfernsehen von FOX über die Fitness seiner 68-jährigen Konkurrentin um das Präsidentenamt. Er hoffe, Hillary sei bald wieder auf den Beinen. „Aber natürlich ist das Ganze ein Problem.“

Der Wahlkampf in den USA ist stark auf die Personen ausgerichtet. Daher wird er zwischen den Kontrahenten auch häufig persönlich ausgetragen. Wichtige Sachthemen geraten dabei in Vergessenheit und Wähler laufen Gefahr, in erster Linie nach Sympathiewerten zu stimmen.

Auf jeden Fall kommt die Episode für Clinton zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Ausgerechnet am fünfzehnten Jahrestag des 11. September, als an „Ground Zero“ alle Kameras auf die ehemalige New Yorker Senatorin gerichtet waren, zeigt die Kandidatin Schwäche. 

Die mitreisende Presse erfuhr erst eineinhalb Stunden später, die Kandidatin habe wegen „Überhitzung“ vorzeitig die Gedenkveranstaltung verlassen. Die Erklärung überraschte angesichts der angenehmen 27 Grad Celsius ebenso wie die Geheimniskrämerei ihres Wahlkampfteams.

Zumal später ein 20 Sekunden langes Handyvideo auftauchte, das zeigt, wie der „Secret Service“ der scheinbar kollabierten Clinton in einen Van hilft, der sie zur Wohnung von Tochter Chelsea im Ostteil Manhattans bringt.

Während sich Hillary in der 26ten Straße erholte, überschlagen sich auf den Kabelkanälen die Spekulationen. Ist etwa doch etwas dran an den hartnäckigen Behauptungen, wonach Clinton eine bedrohlich Krankheit verstecke? Kürzlich erst verstieg sich Trump-Unterstützer Rudi Giuliani zu der Aussage, die etablierten Medien vertuschten ihren Gesundheitszustand. Die Amerikaner mögen doch einfach mal im Internet nach den Worten „Clinton“ und „Krankheit“ suchen.

Die Google-Anfrage führt direkt in das Reich der Verschwörung, in dem Matt Drudge und Breitbart seit Monaten wahlweise Gerüchte über einen Lungenschaden, ein Gehirnleiden oder Parkinson verbreiten.

Aus dem gleichen Sumpf sprossen am Montag neue Blüten, die behaupteten, die Frau, die zwei Stunden nach Clintons Ankunft bei ihrer Tochter das Gebäude verlassen habe, sei eine Doppelgängerin gewesen. Während dies zur Abteilung „grober Unsinn“ gehört, glaubten die wartenden Reporter der Kandidatin genauso wenig, dass sie sich „großartig“ fühlte an diesem „schönen Tag in New York“. 

Tatsächlich war es für Clinton alles andere als ein „schöner Tag“. Ein paar Stunden später teilte ihre Ärztin Lisa Bardack endlich Einzelheiten mit. Die Patientin sei bereits am Freitag mit einer Lungenentzündung diagnostiziert und seitdem mit starken Antibiotika behandelt worden. Die Diagnose erklärte auch die wiederholten Hustenattacken bei Wahlkampfauftritten der vergangenen Tage.

Der Schwächeanfall rief in Erinnerung, dass, mit Ausnahme Ronald Reagans und John McCains, nie zuvor so alte Präsidentschaftskandidaten antraten wie Trump und Clinton. Während McCain hunderte Seiten seiner Krankenakte offenlegte, gibt es in diesem Wahlkampf nur sehr rudimentäre Informationen.  

Trump legte ein Attest seines langjährigen Hausarztes Harold Bernstein vor, in dem es an Superlativen und Rechtschreibfehlern nur so wimmelte. Würde sein Patient ins Weiße Haus gewählt, so der Doktor mit der Hippie-Mähne und dem Rauschebart, wäre dieser „der gesündeste Präsident aller Zeiten”“.

Einem Reporterteam von NBC erklärte der Doktor das kuriose Attest mit Zeitnot. Er haben nur fünf Minuten gehabt, den Brief zu Papier zu bringen, während eine Limousine des Trump-Teams draußen vor der Tür mit laufendem Motor auf ihn wartete. Experten verlangen nun von beiden Kandidaten, ihre Krankenakten vollständig zugänglich zu machen.

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erstellt am 12.Sep.2016 | 18:21 Uhr

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