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Politik

23. März 2017 | 11:32 Uhr

Bundespräsident : Großer Zapfenstreich: Diese Lieder wünscht sich Joachim Gauck zum Abschied

vom

Im Park von Schloss Bellevue wird viel Polit-Prominenz erwartet. Um 19 Uhr soll die Zeremonie beginnen.

Berlin | Mit einem Großen Zapfenstreich wird Bundespräsident Joachim Gauck nach fünf Jahren aus dem Amt verabschiedet. Bei der militärischen Zeremonie im Park von Schloss Bellevue werden am Freitagabend unter anderen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller erwartet. Kanzlerin Angela Merkel fehlt, weil sie in Washington US-Präsident Donald Trump besucht. Insgesamt sind etwa 600 Gäste geladen.

Zum Zapfenstreich hat Gauck, wie es Tradition ist, das Musikprogramm ausgewählt. Unter anderem wird zu seinen Ehren der DDR-Hit „Über sieben Brücken musst du gehen“ der Band Karat gespielt:

Außerdem hat sich der frühere DDR-Pastor das Volkslied „Freiheit, die ich meine“ und das Kirchenlied „Eine feste Burg ist unser Gott“ ausgesucht.

Hintergrund: Musikwünsche beim Zapfenstreich

Mit einem Großen Zapfenstreich werden unter anderem Bundespräsidenten, Bundeskanzler und Verteidigungsminister offiziell aus dem Amt verabschiedet. Meist darf der Geehrte für das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr bis zu vier Werke aussuchen.

Traditionalisten wünschen sich meist klassische Märsche. Für Bundespräsident Roman Herzog wurden 1999 der „Coburger Marsch“, der Reitermarsch des Großen Kurfürsten und das „Bayerische Militärgebet“ gespielt. Sein Nachfolger Johannes Rau hörte 2004 den britischen Marsch „Pomp and Circumstance“ von Edward Elgar, Johann Sebastian Bachs „Jesus bleibet meine Freude“ und das „Abendlied und Deutscher Zapfenstreich“ von Gerhard Scholz. Horst Köhler wählte 2010 neben zwei Märschen den Jazz-Klassiker „St. Louis Blues“. Christian Wulff wurde 2012 unter anderem mit Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ und dem Judy-Garland-Hit „Over the Rainbow“ aus dem Amt verabschiedet.

Wie sehr ein solcher Zapfenstreich dem Geehrten zuweilen ans Herz geht, zeigte sich 2005 beim Abschied von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Erst wurden „Summertime“ aus George Gershwins Oper „Porgy and Bess“ und Kurt Weills „Moritat von Mackie Messer“ aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ gespielt, danach setzte ein Trompeter zu Frank Sinatras „My Way“ an - was den Kanzler zu Tränen rührte.

Und auch sein Vorgänger Helmut Kohl weinte, als er 1998 als erster deutscher Regierungschef mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet wurde. Allerdings ging es bei ihm musikalisch mit der „Ode an die Freude“, einem Choral und einem Reitermarsch etwas gediegener zu.

Rockig-poppiger wurde es bei einigen Verteidigungsministern: Neben den traditionellen Märschen wählte Franz Josef Jung 2009 Andrea Bocellis „Time To Say Goodbye“, und Karl-Theodor zu Guttenberg lauschte 2011 auch dem Deep-Purple-Klassiker „Smoke on the Water“.

Nachfolger Thomas de Maizière hatte dann keine Scheu, das Militärkorps 2014 unter anderem den 1980er-Gassenhauer „Live is Life“ der österreichischen Popgruppe Opus aufspielen zu lassen.

Gauck scheidet offiziell am Samstag aus dem Amt. Von Sonntag an hat Deutschland ein neues Staatsoberhaupt: Bei einer symbolischen Übergabe im Schloss Bellevue übernimmt Frank-Walter Steinmeier (61) das Amt. Der frühere Außenminister ist der 12. Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Gauck (77) hatte auf eine zweite Amtszeit verzichtet.

Von Montag an führt Steinmeier die Amtsgeschäfte. Als Chef des Präsidialamts und seiner rund 200 Mitarbeiter bringt er seinen Vertrauten Stephan Steinlein mit, der schon im Auswärtigen Amt Staatssekretär war. Am Mittwoch wird Steinmeier vor Bundestag und Bundesrat vereidigt. In seiner ersten größeren Rede als Präsident wird er seine politischen Schwerpunkte für die nächsten fünf Jahre vorstellen.

Hintergrund: Woher kommt das Wort „Zapfenstreich“?

Der Große Zapfenstreich ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundesrepublik. Seine Anfänge gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Seinerzeit gab ein deutscher Militärbeamter den Soldaten das Zeichen zur Nachtruhe: Er ging durch die Gasthäuser und versetzte dem Verschluss eines Fasses, dem Zapfen, einen Schlag (oder Streich). Es durften dann keine Getränke mehr ausgeschenkt werden.

Wohl seit dem Feldherrn Albrecht von Wallenstein (1583-1634) wurde den Wirten mit Trompete, Flöte oder Trommel das Signal gegeben, die Fässer zu schließen. Der heute noch gebräuchliche Ablauf des Zapfenstreichs wurde erstmals am 12. Mai 1838 in Berlin aufgeführt.

Nach den vorzeitigen Rücktritten von Horst Köhler (2010) und Christian Wulff (2012) ist es der erste reguläre Wechsel im Schloss Bellevue seit 2004. Steinmeier war als SPD-Kandidat auch von der Union unterstützt worden und erhielt bei seiner Wahl am 12. Februar auch Stimmen von Grünen und FDP.

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erstellt am 17.Mär.2017 | 10:15 Uhr

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