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Politik

10. Dezember 2016 | 17:43 Uhr

Jenna Behrends : „Große süße Maus“ - CDU-Politikerin wirft ihrer Partei Sexismus vor

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Berliner Politikerin prangert Sexismus in ihrer Partei an - und bekommt auch Zustimmung.

Berlin | Die Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends hat Sexismus-Vorwürfe gegen den Landesverband ihrer Partei erhoben. In einem auf der Seite des Online-Magazins „Edition F“ veröffentlichten Beitrag schildert Behrends ihre negativen Erfahrungen in der Berliner CDU. Der Landesverband wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Der CDU hängt das Image der „Altherrenpartei“ an - durch Vorwürfe wie die aktuellen wird sie das auch nicht los. Und das Ziel, mehr weibliche Mitglieder zu werben, wird sie dadurch nicht leichter erreichen können.

Auf einem Parteitag der Berliner CDU im Frühjahr habe ein Senator sie als „große süße Maus“ bezeichnet, schreibt Behrends. „Da standen mehrere Leute daneben, die das auch gehört haben“, sagte die Politikerin. Dieser Senator soll einen Parteifreund zudem gefragt haben: „Fickst du die?“ Von der Äußerung hatte Behrends nach eigenen Angaben von ihrem Parteikollegen, dem Berliner Abgeordneten Sven Rissmann, erfahren.

Dieser äußerte sich im Berliner „Tagesspiegel“ dazu - er will von dem Satz nichts wissen: „Die Wortwahl (,Fickst Du die?') kann ich nicht bestätigen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass diese Worte gefallen sind.“ Die dpa konnte Rissmann nicht für eine Stellungnahme erreichen.

Bei Facebook postete Behrends ihr Statement - und löste damit eine große Diskussion aus:

 

Behrends, Jahrgang 1990, ist am vergangenen Sonntag für die CDU in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gewählt worden, die Volksvertretung auf Ebene der Berliner Bezirke. 2015 war sie in die Partei eingetreten. In ihrem Text kritisierte die Politikerin den fehlenden Zusammenhalt von Frauen innerhalb der Partei. Gleichzeitig erklärte sie, dass Politik zu wichtig sei, „um sie hauptsächlich alten Männern zu überlassen“.

Der Berliner CDU-Chef Frank Henkel zeigte sich verwundert und „auch ein bisschen enttäuscht über Inhalt und Stil dieses offenen Briefes“. Die CDU Mitte, für die Behrends nun in der BVV sitzt, hätte Quereinsteigern immer wieder eine Chance gegeben, erklärte Henkel in einer Mitteilung. „Wenn sich Frau Behrends mit mir austauschen will, steht ihr meine Tür wie jedem anderen Mitglied meines Kreisverbandes für ein Gespräch offen.“

Es gab allerdings auch Unterstützung für Behrends aus den Reihen der Union. Der Berliner CDU-Politiker Florian Noell schrieb auf Facebook: „Und wisst ihr was? Es ist in Wahrheit noch schlimmer.“ Für die Partei ergebe sich die Chance, sich einem ernsthaften Problem zu stellen. „Sonst wird das nichts mehr mit dem ,jünger und weiblicher'“, schrieb Noell. Auch andere zeigten sich solidarisch mit Behrends. Die ehemalige Piraten-Politikerin Anne Helm twitterte: „Ich kenne vieles davon aus meiner früheren Partei.“

Rückendeckung gab es auch von CDU-Generalsekretär Peter Tauber - er hält eine Auseinandersetzung mit sexistischem Verhalten in Politik und Gesellschaft für dringend geboten. Tauber sagte: „Geschichten wie diese bekomme ich immer wieder geschildert. Aber ohne Nennung von Namen.“ Dann sei es schwierig, etwas dagegen zu tun. „Umso wichtiger, dass es nun diese Debatte gibt“, sagte Tauber. „Wir brauchen eine größere Sensibilität in allen Bereichen der Gesellschaft, denn Sexismus ist nicht nur ein Problem in der Politik.“

Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende der Frauen Union, Annette Widmann-Mauz. Sexismus sei „nirgends akzeptabel“. Sie forderte: „Wir brauchen eine Kultur des Respekts. Frauen sind willkommen in der CDU, und wir brauchen mehr.“ Staatsministerin Monika Grütters, die nach der Wahlniederlage der Berliner CDU als Nachfolgerin von Landesparteichef Frank Henkel gilt, betonte: „Sexismus hat in einer modernen Großstadtpartei keinen Platz.“

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erstellt am 25.Sep.2016 | 18:32 Uhr

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