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Politik

05. Dezember 2016 | 03:35 Uhr

Präsidentenwahl : Frankreichs Konservative setzen gegen Marine Le Pen auf Härte

vom

Ex-Premier François Fillon hat gute Chancen, Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten für die französische Präsidentenwahl zu werden.

Paris | Die Weichen sind gestellt. Die französischen Konservativen setzen auf drastische Wirtschaftsreformen und ein Frankreich mit wiedererlangter Weltgeltung. Ganz aus der Luft gegriffen ist dies nicht, denn Frankreich ist ständiges Mitglied im Weltsicherheitsrat und eine Atommacht.

Am Sonntag wählen die Anhänger der Konservativen erneut. Und der 62 Jahre alte frühere Premierminister Fillon hat laut einer Umfrage sehr gute Chancen, sich am Abend als haushoher Sieger feiern zu lassen.

„In der Außenpolitik zählt, dass Frankreich seine Interessen vertritt“, lautet das Credo des Überraschungsfavoriten der bürgerlichen Rechten für die Präsidentenwahl, François Fillon. Er will Verbündeter der USA bleiben, setzt aber auch auf ein verbessertes Verhältnis zu Moskau. Russland solle an Europa gebunden werden, meint Fillon. Den Kremlchef Wladimir Putin kennt er seit langem.

Die Probleme dürften für den „Thatcher von Sarthe“, wie ihn die belgische Zeitung „Le Soir“ mit Blick auf sein Heimat-Département in Nordwesten des Landes nennt, mit der Wahl aber erst anfangen. Denn die meisten politischen Kommentatoren sind sich einig, dass der konservative Spitzenkandidat im Mai kommenden Jahres in der entscheidenden Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen antreten dürfte.

Die Chefin der Rechtsaußen-Partei Front National (FN) sieht sich angesichts hoher Arbeitslosigkeit und schwächelnder Wirtschaft im Aufwind. Gegen Europa war die 48-Jährige schon immer, und da kommt das Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union (Brexit) gerade richtig. Sie begrüßte auch ausdrücklich die Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten.

So richtig glücklich dürfte Le Pen über den Konservativen-Favoriten Fillon aber nicht sein. Denn er ist nicht - wie sein parteiinterner Widersacher Alain Juppé - ein Vertreter einer gemäßigten Linie im Konservativen-Lager.

„Es ist wahr, mein Projekt ist radikaler“, bekannte Fillon bei einer TV-Debatte mit Juppé am späten Donnerstagabend. Er plädiert nicht nur dafür, im öffentlichen Dienst eine halbe Million Stellen abzubauen und die 35-Stunden-Woche zu beenden. Er geißelt auch das Verschwinden der französischen Geschichte aus Büchern für Grundschüler. Das kommt gut an bei konservativen Wählern, vor allem in der Provinz.

Der Mann mit dem schnurgerade gezogenen Seitenscheitel muss sich sogar gegen Vorwürfe wehren, ein Traditionalist zu sein. In der Fernsehdebatte versicherte er nach einem Angriff Juppés, das Recht von Frauen auf Abtreibung nicht anrühren zu wollen.

Der neun Jahre ältere Widersacher Juppé, ebenfalls ein früherer Regierungschef, verfolgt bei der Sanierung Frankreichs im Kern denselben Kurs - er will aber weniger brutal vorgehen. „Ich will die Glaubwürdigkeit gegenüber unseren Partnern wiederherstellen - vor allem Deutschland“, sagt Juppé, dem gute Kontakte zur Kanzlerin Angela Merkel und zu Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) nachgesagt werden.

Juppé gibt sich schlagfertig und trotz des Rückstandes zuversichtlich. Doch für den Routinier der bürgerlichen Rechten ist die Vorwahl eine riesige Enttäuschung. Er galt über Monate hinweg als Hoffnungsträger seines Lagers. Fillon kam erst in letzter Minute aus der Deckung. Und nach dem Scheitern von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy in der ersten Vorwahlrunde zweifelt kaum noch einer an seinem Triumph.

Juppé versicherte am Freitag bereits im Sender BFMTV, er werde Fillon unterstützen, falls er am Sonntag den Kürzeren ziehe. Dann machte er sich auf den Weg nach Colombey-les-Deux-Églises im Osten des Landes. Dort ist das Grab von Charles de Gaulle (1890 bis 1970), der von vielen Konservativen immer noch als ein Held verehrt wird.

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erstellt am 25.Nov.2016 | 16:04 Uhr

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