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Politik

03. Dezember 2016 | 03:33 Uhr

Stichwahl zwischen François Fillon und Alain Juppé : Frankreich: Konservative wählen ihren Präsidentschaftskandidaten

vom

Der frühere Premierminister Fillon gilt in Umfragen als Favorit. Er setzte sich bereits in der Vorwahl deutlich durch.

Paris | Finale in Frankreich: Fünf Monate vor der Präsidentenwahl bestimmen die Anhänger der bürgerlichen Rechten ihren Kandidaten. Die beiden früheren Premierminister François Fillon (62) und Alain Juppé (71) wollen in den Élyséepalast und stellten sich am Sonntag den Wählern. Fillon galt in Umfragen als klarer Favorit, ihm wurden bis zu 65 Prozent der Stimmen zugetraut.

Vor Wahllokalen gab es teilweise lange Warteschlangen. Die Beteiligung habe bis zum Mittag um 10 bis 15 Prozent über der vom vergangenen Sonntag gelegen, berichtete der Chef der Organisationskommission, Thierry Solère, im Sender BFMTV. Bei der ersten Runde waren vor einer Woche knapp 4,3 Millionen Menschen an die Wahlurnen gekommen.

Fillon gab seine Stimme in Paris ab, Juppé in Bordeaux - dort ist er Bürgermeister. Die mehr als 10.000 Wahllokale schließen um 19 Uhr. Gegen 20.30 Uhr werden erste Ergebnisse erwartet.

Fillon hatte sich in der ersten Runde der Vorwahl mit gut 44 Prozent der Stimmen durchgesetzt. Er plädiert für einschneidende Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik und fordert ein besseres Verhältnis zu Russland. Der als gemäßigt geltende Juppé kam auf 28,6 Prozent. Die Präsidentenwahl ist im April und Mai kommenden Jahres geplant.

Die Vorwahl der bürgerlichen Rechten gilt als eine äußerst wichtige Weichenstellung. „Der Gewinner der Vorwahl wird von morgen an der Favorit der nächsten Präsidentenwahl sein“, schrieb die Wochenzeitung „Journal de Dimanche“ am Sonntag. Der Gewinner hat gute Chancen, im kommenden Mai in die entscheidende Stichwahl zu kommen. Potenzielle Gegnerin ist die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Der Chefin der Rechts-Außen-Partei werden in der ersten Runde der Präsidentenwahl bis zu 30 Prozent der Stimmen zugetraut.

Nach Einschätzung des deutschen Europaabgeordneten Sven Giegold von den Grünen wäre ein Sieg von Fillon bei den Vorwahlen eine Wahlkampfhilfe für Le Pen. „Das Kürzungsprogramm von Fillon ist für Le Pen die ideale Zielscheibe. Öffentliche Ausgaben um 100 Milliarden (Euro) zu kürzen und eine halbe Million Jobs im öffentlichen Dienst zu streichen, sind bei hoher Arbeitslosigkeit die besten Mittel, um den Rechtspopulismus zu stärken“, schrieb Giegold.

Die Vorwahl war von Überraschungen geprägt. Fillon setzte sich als Überraschungskandidat durch. Viele hatten mit einer Stichwahl zwischen dem Rechten-Veteran Juppé und Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy gerechnet. Doch der Aufstieg von Fillon bedeutete das Aus für Sarkozy in der ersten Runde. Dieser hatte lange als Parteichef der konservativen Republikaner an seinem politischem Comeback gearbeitet.

Es wird damit gerechnet, dass Amtsinhaber François Hollande 2017 wieder antreten wird - der mit schlechten Umfragewerten kämpfende Staatschef hat sich bisher aber noch nicht erklärt. Auch Premier Manuel Valls gilt als potenzieller Kandidat der Sozialisten.

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erstellt am 27.Nov.2016 | 15:27 Uhr

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